Presenter:innen und Vertrauen in dokumentarischen Formaten des SRF
Verhäuft setzen öffentliche Medienplattformen wie ARD, ZDF oder die Schweizer SRG auf gehostete dokumentarische Formate, um junge Menschen zu erreichen. Welchen Einfluss haben diese sichtbaren Presenter:innen auf die Glaubwürdigkeitsbildung beim Publikum?
Presenter:innen können Inhalte auf authentische Weise für eine junge Zielgruppe aufbereiten und mit persönlichen Einordnungen und Emotionen Identifikationsfläche und Nähe schaffen. Gleichzeitig kann der Auftritt in eine Art der Selbstinszenierung oder Subjektivität kippen, die bei Zuschauenden Skepsis über die Glaubwürdigkeit des Narrativs auslöst. Meine Auseinandersetzung mit verschiedenen dokumentarischen Formaten im Major «Videoformate Nonfiktional» wie auch medienpolitische Debatten um die Berichterstattung der SRG im Rahmen der Halbierungsinitiative führten mich zur Forschungsfrage meiner Thesis:
Welche Rolle spielt die sichtbare Präsenz von Presenter:innen in dokumentarischen Formaten des SRF für die Glaubwürdigkeit des Narrativs?
Als theoretische Grundlage für meine Thesis diente Forschung zu dokumentarischen Modi, Glaubwürdigkeitsbildung als sozialen Prozess und Autor:innenstimmen und -rollen im dokumentarischen Film. Um die Forschungsfrage zu beantworten, habe ich eine qualitative Medienanalyse von drei ausgewählten Beiträgen der SRF-Formate Impact, Reporter und REC. durchgeführt und die Ergebnisse anschliessend in einer Fokusgruppendiskussion mit fünf Teilnehmenden vertieft. Die Medienanalyse erfasste Inszenierungsweisen der Hosts auf Bild-, Ton- und Erzählebene, während die Fokusgruppe anhand einer «REC.»-Episode kollektive Deutungsmuster zur Glaubwürdigkeit rekonstruierte.
Die Ergebnisse der Arbeit zeigen, dass die sichtbare Präsenz von Presenter:innen eine eigenständige, aber mehrdeutige Rolle in der Glaubwürdigkeitsbildung spielt. Am wichtigsten bleibt für die Rezipierenden das Vertrauen in die Medienmarke SRF selbst. Daneben beeinflusst aber auch der Host die Wahrnehmung und kann das Vertrauen in das Narrativ sowohl stärken als auch vermindern. Transparente Kennzeichnung persönlicher Kommentare, Reflexion der eigenen Rolle und offengelegte Recherchegrenzen fördern Vertrauen, während unklare Trennung zwischen Meinung und Fakten Skepsis auslösen. Besonders im Umgang mit politisch sensiblen Themen wünscht sich das Publikum mehr Transparenz und einen weniger persönlichen oder emotionalen Umgang in der Gestaltung des Presenter:innen-Auftritts.
In meinem Lehrprojekt setzte ich mich auch in der Praxis intensiv mit Presenter:innen und Medienvertrauen auseinander. In einer fast 60-minütigen Presenter-Reportage, welche von Aaron Täschler moderiert wird, tauchen wir tief in die medienpolitische Debatte rundum die Halbierungsinitiative ein. Auf der ganzen Welt wird dem öffentlichen Rundfunk vor allem aus dem rechten Lager vorgeworfen, einseitig zu berichten. Mit drastischen Budget-Kürzungen oder anderen politischen Druckmitteln wird probiert, Medienanbieter wie die britische BBC, die italienische RAI oder die Schweizer SRG zu schwächen oder ganz abzuschaffen.
Auf der Sucher nach Gründen für dieses Phänomen reisten wir über 11 Tage quer durch die Schweiz und führten Gespräche mit Personen aus der Politik (u.a. SP-Nationalrätin Jaqueline Badran und SVP-Nationalrat Gregor Rutz), der SRG (Reporter Donat Hofer und Public Affairs Leiterin Stephanie Jutzi), dem Professor für Journalistik Vinzenz Wyss und Personen auf der Strasse. Im Drehprozess habe ich intensiv recherchiert, zahlreiche Vorgespräche mit Personen aus den Medien und Politik geführt, diverse Anträge auf Filmförderung (erfolglos) versendet, tief in den Archiven der SRG, der ETH und des Museums für Kommunikation für Archivmaterial gegraben (und für Lizenzkosten ein Vermögen ausgegeben… aua), einen kurzen, sehr kuriosen E-Mail-Austausch mit Christoph Blocher geführt, hunderte Stunden im Schnitt verbracht und wahnsinnig viel gelernt.
Der Film wird zu einem späteren Zeitpunkt veröffentlicht. Einen ersten Einblick gibt es schon in der filmischen Zusammenfassung meiner Bachelor-Arbeit, die im Modul «Bachelor Extended» entstanden ist.