Drei blinde Mäuslein – Hörspieladaption nach Agatha Christie

Coverbild der Hörspieladaption «Drei blinde Mäuslein» nach Agatha Christie.

Mit «Drei blinde Mäuslein» haben wir die Kurzgeschichte «Three Blind Mice» von Agatha Christie neu interpretiert und als Hörspiel umgesetzt. Die Geschichte wurde dabei nicht einfach übersetzt, sondern in einen Schweizer Kontext übertragen. Aus einem englischen Kriminalfall wird eine Geschichte, die sich irgendwo zwischen Bern, dem Emmental und dem Berner Oberland entfaltet.

Warum Agatha Christie?

Die Idee für dieses Projekt entstand aus unserer gemeinsamen Begeisterung für Audio. Schon früh war klar, dass wir kein klassisches Hörbuch produzieren wollten. Uns interessierte vielmehr die Frage, wie man eine Geschichte nicht nur durch Stimmen, sondern mit Geräuschen, in akustischen Bildern erzählen kann. Wie klingt ein Schneesturm? Wie hört sich ein grosses Haus an, das von der Aussenwelt abgeschnitten ist? Und wie erzeugt man Spannung allein durch Stimmen, Musik und Soundeffekten?

Auf der Suche nach einer passenden Vorlage lasen wir verschiedene Geschichten von Agatha Christie. Schliesslich entschieden wir uns für «Three Blind Mice». Uns überzeugte vor allem die Atmosphäre: Eine Gruppe Menschen sitzt in einer abgelegenen Pension fest, während draussen ein Schneesturm tobt. Die Anzahl der Figuren blieb überschaubar, gleichzeitig bietet die Geschichte genügend Wendungen, Geheimnisse und Verdächtigungen, um über mehrere Kapitel hinweg Spannung aufzubauen.

Von der Kurzgeschichte zum Hörspiel

Nach der Auswahl der Geschichte begann die eigentliche Arbeit. Die Vorlage wurde übersetzt, gekürzt und anschliessend für das Hörspiel umgeschrieben. Dabei war uns wichtig, die Geschichte nicht einfach in die Schweiz zu verschieben, sondern sie tatsächlich neu zu erzählen. So entstanden neue Figurenhintergründe, neue Ortsbezüge und teilweise auch neue gesellschaftliche Bezüge. Einzelne Rollen wurden angepasst, Figuren weiterentwickelt und die Handlung stärker auf unsere Version der Geschichte zugeschnitten.

Parallel dazu entstand die Klangwelt des Hörspiels. Bereits während des Schreibens sammelten wir Ideen für Geräusche und Atmosphären. Welche Geräusche können Beschreibungen ersetzen? Welche Töne verraten den Zuhörenden etwas über einen Ort oder eine Figur? Wir führten eine Liste mit Geräuschen, die wir später gezielt für die Szenen aufnehmen wollten. Einzelne musikalische Elemente spielte Elena eigens für das Hörspiel auf dem Klavier ein.

Die Pension Schattenweid erwacht zum Leben

Die Sprachaufnahmen entstanden grösstenteils in der Tonbox an unserem Studienstandort in Zürich. Da wir mehrere Figuren vertonen mussten, arbeiteten wir zusätzlich mit Adriel Monostori zusammen, der die beiden männlichen Hauptrollen übernahm. Einige Geräusche nahmen wir selbst auf, andere ergänzten wir durch passende Soundeffekte von Artlist. Schritt für Schritt entstand so die Welt der Pension Schattenweid: Knarrende Türen, Windböen, Schritte im Schnee und das Gefühl, gemeinsam mit den Figuren in einem Haus festzusitzen, aus dem es kein Entkommen gibt.

Die Adaption entwickelte sich im Verlauf des Projekts zu einem deutlich grösseren Vorhaben als ursprünglich erwartet. Die hier veröffentlichte Version bildet deshalb den ersten Teil unseres Hörspiels. Die Geschichte wird im nächsten Semester zu Ende erzählt. Wie aus Klebmehl ein Schneesturm wurde und aus Hagelzucker Feuer, erzählen wir im Abschnitt Kritik.

Bis dahin wünschen wir viel Vergnügen beim Zuhören. Bleibt nur noch die Frage: Wem würdest du in der Pension Schattenweid am wenigsten vertrauen?

(mmi)

Von der Geschichte zum Hörspiel

Rückblickend unterschätzten wir vor allem den Aufwand der Adaption. Obwohl wir uns bewusst für eine bestehende Geschichte entschieden hatten, bedeutete dies keineswegs, dass wir weniger schreiben mussten. Viele Szenen funktionierten in der Vorlage hervorragend, mussten für das Hörspiel jedoch komplett neu gedacht werden.

Besonders die Übertragung in einen Schweizer Kontext erwies sich als aufwendiger als erwartet. Dabei ging es nicht nur darum, Orte oder Namen auszutauschen. Vielmehr mussten wir überlegen, welche Elemente der Originalgeschichte funktionieren, welche angepasst werden müssen und wie sich die Handlung möglichst glaubwürdig in der Schweiz erzählen lässt.

Während des Schreibprozesses stellten wir zudem immer wieder fest, wie stark sich kleine Änderungen auf die gesamte Geschichte auswirken können. Figuren wurden zusammengelegt, Hintergründe erweitert und einzelne Szenen mehrfach überarbeitet. Gleichzeitig mussten wir darauf achten, dass über die vielen Skriptfassungen hinweg keine Widersprüche entstehen. Einige Fehler bemerkten wir erst während der Aufnahmen, etwa wenn eine Speise plötzlich ihren Namen wechselte oder sich kleine Details zwischen verschiedenen Szenen widersprachen.

Gerade diese intensive Überarbeitung war letztlich deutlich zeitaufwendiger als ursprünglich erwartet. Die eigentliche Herausforderung bestand nicht darin, die Geschichte zu übersetzen, sondern daraus ein Skript zu entwickeln, das sich natürlich anhört, für die Figuren funktioniert und gleichzeitig die Spannung der Vorlage beibehält.

Eine Welt aus Geräuschen

Ein zentrales Ziel unseres Projekts war es, möglichst viel der Geschichte über Geräusche zu erzählen. Deshalb begannen wir bereits während des Schreibens damit, Listen mit Geräuschen anzulegen, die später aufgenommen werden sollten.

Welche Schritte hört man in einer alten Pension? Wie klingt ein Schneesturm? Wie hört sich eine schwere Holztür an? Welche Geräusche verraten etwas über die Stimmung einer Figur, ohne dass sie ein Wort sagen muss?

Die Entwicklung dieser Klangwelt zog sich durch das gesamte Projekt. Viele Geräusche, die im fertigen Hörspiel nur wenige Sekunden vorkommen, benötigten mehrere Versuche und verschiedene Materialien. Wir verbrachten viel Zeit damit, mit Alltagsgegenständen zu experimentieren und herauszufinden, wie sich bestimmte Klänge möglichst überzeugend erzeugen lassen.

Dabei entstanden auch einige der lustigsten Momente des Projekts. Aus Klebmehl wurde Schnee, aus Hagelzucker Feuer und plötzlich diskutierten wir ernsthaft darüber, welche Schuhsohle sich am besten für welche Figur eignet.

Aufnahmen und technische Herausforderungen

Die Sprachaufnahmen entstanden grösstenteils in der Tonbox an unserem Studienstandort in Zürich. Da wir mehrere Rollen selbst sprachen, zusätzlich einen weiteren Sprecher einbezogen und Szenen teilweise mehrfach aufnehmen mussten, entstanden mehrere Stunden Sprachaufnahmen, die anschliessend gesichtet, sortiert und geschnitten werden mussten.

Während der Aufnahmen kämpften wir immer wieder mit technischem Rauschen. Dadurch mussten wir teilweise auf das einzige Mikrofon ausweichen, das zuverlässig funktionierte. Die Fehlersuche kostete Zeit, führte aber gleichzeitig dazu, dass wir uns intensiv mit Mikrofontechnik, Aufnahmebedingungen und unserem Equipment auseinandersetzten. Mit jeder weiteren Aufnahme wurden unsere Abläufe effizienter. Während wir am ersten Aufnahmetag noch viel Zeit mit Einstellungen, Testaufnahmen und technischen Fragen verbrachten, konnten wir uns gegen Ende deutlich stärker auf die eigentlichen Sprecherleistungen konzentrieren.

Postproduktion

Auch der Schnitt erwies sich als zeitintensiver Teil des gesamten Projekts. Dialoge mussten zusammengesetzt, Versprecher entfernt und verschiedene Geräusche und Effekte wie Telefonklingeln, Schritte oder Windgeräusche in die Szenen integriert werden.

Die Postproduktion erwies sich als technisch anspruchsvoller als erwartet. Da wir von Beginn an mit zahlreichen Dialog-, Geräusch- und Effektspuren arbeiteten, stiessen wir in Audition immer wieder auf technische Grenzen. Neben Performance-Problemen mussten wir uns teilweise auch mit unerwarteten Fehlern auseinandersetzen. So wurde beispielsweise eine Session beschädigt und plötzlich als rund sechzehn Stunden lang angezeigt, obwohl die tatsächliche Projektlänge nur etwa vierundzwanzig Minuten betrug. Die Fehlersuche und Reparatur kostete zusätzliche Zeit, führte aber gleichzeitig dazu, dass wir uns deutlich intensiver mit dem Aufbau und der Funktionsweise von Audition auseinandersetzten.

Fazit und Learnings

Rückblickend haben wir unterschätzt, wie gross der Unterschied zwischen einer guten Idee und einem fertigen Hörspiel ist. Die eigentliche Produktion bestand nicht nur aus Aufnahmen und Schnitt, sondern aus Übersetzung, Adaption, Figurenentwicklung, Geräuschkonzept, Foley-Aufnahmen, Sprachaufnahmen und Postproduktion.

Gleichzeitig war genau diese Vielseitigkeit einer der spannendsten Aspekte des Projekts. Aus einer über sechzig Seiten langen Vorlage entstand Schritt für Schritt eine eigene Hörspielwelt mit eigenen Figuren, eigenen Geräuschen und einer eigenen Klangsprache.

Besonders stolz sind wir darauf, dass wir einen Grossteil dieser Welt selbst erschaffen haben. Genau dieses Erschaffen einer Geschichte durch Stimmen, Geräusche und Klangwelten war das Ziel unseres Projekts. Rückblickend hatten wir dabei nicht nur unglaublich viel Spass, sondern durften uns auch erstmals selbst als Sprecherinnen verschiedener Figuren und damit schauspielerisch ausprobieren. Gleichzeitig konnten wir zahlreiche neue technische Fähigkeiten erwerben. Da wir beide zuvor noch nie mit Adobe Audition gearbeitet hatten, war das Projekt für uns eine intensive, aber sehr lehrreiche Einführung in die Audioproduktion.