Siebdruck Taste Test
Weg vom leuchtenden Bildschirm, hinein in den analogen Siebdruck! Designs entwerfen, Folien bedrucken, Siebe vorbereiten, Farben anrühren, durch das Sieb ziehen und auf den Stoff drucken. Genau diesen kreativen Prozess wollten wir erleben – vom Design bis zum fertigen Druck auf Textil. Dabei stand nicht nur das Endprodukt im Fokus, sondern auch das Konzipieren und Ausreifen einer Idee, das Experimentieren sowie die Arbeit mit Rakel und Farbe.
Zwischen Procreate-Dateien, Illustrator-Artboards und unzählige Ideen suchten wir nach einem gemeinsamen Stil. Wir haben Designs entworfen, verworfen und wieder neu angefangen:













Im kreativen Prozess des Projekts entwickelte sich eine Idee, die bei uns beiden sofort Anklang fand: italienische Ausdrücke aus dem Alltag. Aus einer Sammlung amüsanter Ausdrücke schafften es schliesslich «Che tonta», «Roba da pazzi» und «Che casino» auf unsere Shirts. So hiess es für uns, dallo schermo alla stoffa:








Nach dem Ent- und Beschichten der Siebe, dem Anrühren der Farben und dem eigentlichen Druckprozess entstanden schliesslich unsere fertigen Shirts. Und ta-da, so sehen sie aus. Also, la nonna sarebbe felicissima dei risultati:









(mbi)
Ausgangslage und Zielsetzung
Mit dem Wunsch, eigene T-Shirts zu gestalten, sind wir in das Projekt gestartet. Ziel war es, einen analogen, handwerklichen Prozess kennenzulernen. Dabei wollten wir kreativ arbeiten und die einzelnen Schritte des Siebdrucks – vom Entwurf bis zum fertigen Druck – verstehen und selbst umsetzen.
Jede Person entwickelte zunächst mehrere eigene Motive, aus denen anschliessend pro Person ein Design für die Vorder- sowie die Rückseite eines T-Shirts ausgewählt werden sollte.
Konzept und gestalterische Entscheidungen
Anfangs verfolgten wir die Idee, eine kleine, einheitliche «Kollektion» zu gestalten, bei der die Designs visuell aufeinander abgestimmt sind. Im Verlauf mehrerer Brainstormings und Austausche wurde jedoch schnell deutlich, dass wir unterschiedliche gestalterische Vorstellungen hatten. Einen klaren roten Faden zu definieren, erwies sich daher als schwieriger als erwartet.
Teilweise hielten wir zu lange an einzelnen Ideen fest, die sich in der praktischen Umsetzung als ungeeignet herausstellten. Ganz nach dem Prinzip «kill your darlings» mussten wir uns deshalb bewusst von gewissen Ansätzen lösen. Insgesamt stellte sich die Ideenfindung als deutlich anspruchsvoller heraus, als wir ursprünglich angenommen hatten.
Schliesslich einigten wir uns auf ein gemeinsames übergeordnetes Thema: italienische Alltagsausdrücke. Dieses Konzept überzeugte beide und bot genügend Spielraum für individuelle Interpretationen. Die gestalterische Umsetzung der Begriffe blieb dabei bewusst offen, sodass jede Person ihren eigenen visuellen Stil einbringen konnte. Die Motive haben wir mit Procreate und/oder Illustrator erstellt. Da unsere Kenntnisse der Programme noch begrenzt sind, haben wir viel ausprobiert und herumexperimentiert.
Organisation & Umsetzung
Die Organisation und Zusammenarbeit im Team verlief durchgehend harmonisch und strukturiert. In regelmässigen Calls konnten wir die nächsten Schritte planen und Aufgaben verteilen.
Für die Umsetzung des Siebdrucks wurde diverses Material benötigt, darunter eine Siebdruckpresse, Siebdruckrahmen, Entschichter, Folien für die Belichtung der Motive sowie Farbe für den Druck. Ein grosser Vorteil war, dass wir einen Grossteil des Materials bei Bekannten ausleihen konnten, was erhebliche Kosten sparte. Gleichzeitig brachte dies jedoch einen erhöhten organisatorischen Aufwand mit sich, da Verfügbarkeiten mit verschiedenen Parteien koordiniert werden musste.
Aufgrund des vorhandenen Materials war es uns nur möglich, einfarbige Motive umzusetzen. Mehrfarbige Drucke hätten zusätzliche Mittel erfordert und das Risiko unsauberer Ergebnisse erhöht.
Unser Projekt startete mit der digitalen Gestaltung der Designs, doch der Weg vom Screen auf den Stoff entpuppte sich als echtes Abenteuer. Die erste Hürde war das Material: Wir hatten versehentlich Folien für Laserdrucker gekauft, die mit gewöhnlichen Office-Geräten nicht kompatibel waren. Kurzerhand mussten wir auf einen Copyshop ausweichen, um unsere Motive professionell auf die richtigen Folien bringen zu lassen.
Doch damit nicht genug – die nächste Herausforderung wartete bei den Siebdruckrahmen. Diese waren so engmaschig, dass der Entschichter ohne einen (nicht vorhandenen) Hochdruckreiniger schlichtweg keine Chance hatte. Was für uns hies: neue Rahmen organisieren und noch einmal von vorn beginnen. Da das Beschichten und Belichten nur unter speziellen Lichtverhältnissen bzw. bei Dunkelheit funktioniert, verlagerten wir unsere Arbeit in die späten Abendstunden. Insgesamt rückten wir viermal nachts ins Atelier aus, um den Prozess in mühsamer Kleinarbeit Schritt für Schritt durchzuziehen.
In einem späteren Schritt konnten wir die Siebe einspannen, die Textilien vorbereiten und schliesslich mit dem eigentlichen Druckprozess beginnen. Dabei wurde die Farbe manuell durch das Sieb auf den Stoff aufgetragen. Diesen Vorgang wiederholten wir jeweils für rund zehn T-Shirts pro Motiv.
Um das Projekt abzurunden, ging es für uns zum finalen Shooting. Mit der Fujifilm-Kamera, fingen wir den Vibe unserer Kollektion ein; am Ende landeten 800 Shots auf der Speicherkarte. Aus dieser riesigen Auswahl filterten wir in der Post-Production die absoluten Highlights heraus und gaben ihnen den letzten Schliff. Den krönenden Abschluss bildete schliesslich die Veröffentlichung unserer Favoriten in einem gemeinsamen Collab-Post auf Instagram, um das Ergebnis mit unserer Community zu teilen.
Fazit
Rückblickend war das Projekt sowohl gelungen als auch lehrreich. Besonders der Einblick in den gesamten Siebdruckprozess war eine wertvolle Erfahrung. Zu Beginn hatten wir unterschätzt, wie viele einzelne Schritte notwendig sind, bevor der eigentliche Druck stattfinden kann.
Der Wechsel vom digitalen Arbeiten hin zum analogen Prozess eröffnete uns eine neue Perspektive auf Gestaltung. Insgesamt war das Projekt eine spannende Auseinandersetzung mit Material, Technik und kreativer Entscheidungsfindung.
Auch die Reaktionen auf unseren Collab-Post auf Instagram waren durchweg positiv. Einige Personen fragten bereits nach einer Möglichkeit, T-Shirts zu bestellen. Wer weiss, vielleicht endet dieses Projekt hier nicht. Stay tuned.