Productvideo für Sparklys Seltzer

Productvideos sieht man heute überall; auf Instagram, im Fernsehen oder auf Werbeanzeigen auf der Strasse. Mit ihnen soll ein spezifisches Produkt beworben werden: Sei es ein Haarprodukt, Kleidung oder ein Getränk. Werbevideos begleiten uns durch den Alltag.

Das hat natürlich meine Neugierde geweckt. Ich wollte wissen, wie solche Werbung gedreht wird und ob es möglich ist, so eine Werbung selber zu drehen. Dabei stellte sich heraus, dass professionelle Werbung mit Hilfe von teuren Roboterarmen gedreht oder animiert wird. Trotzdem wollte ich dem ganzen einen Versuch geben und bin nach weiterer Recherche auf den Youtuber Daniel Schiffer gestossen, der genau solche Productvideos mit simplem Equipment filmt. Und das ganze sieht dann auch noch sehr professionell aus.

Es ist also möglich, ein Productvideo ohne grosse Ausrüstung zu drehen. Die Frage ist kann ich das auch?

Sparklys Hard Seltzer

Für das Productvideo habe ich mich mit dem Startup Sparklys Seltzer zusammengeschlossen. Sparklys Seltzer produzieren Hard Seltzer mit unterschiedlichem Geschmack. Hard Seltzer ist ein alkoholisches Trend-getränk, das kurz gesagt nach Aromawasser schmeckt. Die Jungs von Sparklys Seltzer haben mich grosszügig mit Sparklys Maracuja flavoured Hard Seltzer zugedeckt. Mit dem richtigen Material aus der Ausleihe stand meinem Versuch nichts mehr im Weg. Wie das Video schlussendlich herausgekommen ist, siehst du unten.

Da Sparklys Seltzer hauptsächlich auf Instagram Werbung betreibt, habe ich für das Team eine Version im Reel-Format (9:16) geschnitten.

(ash)

Organisation und Materialbeschaffung
Das Team von Sparklys Seltzer hat mir noch am selben Tag auf meine Anfrage geantwortet und war begeistert von meiner Idee, zumal sie ein Gratisvideo erhalten. Jedoch dauerte es gut zwei Wochen bis die Dosen bei mir in Chur ankamen, weshalb sich der Dreh etwas nach hinten verschoben hat. Hier wäre es wohl schlauer gewesen, hätte ich das Team bereits vor meinem Coaching mit Thomas Weibel kontaktiert. Da das Material in der Ausleihe bereits weg war hat sich mein Dreh nochmals um eine Woche nach hinten verschoben.  Allgemein war es schwierig den dreh auf einen Tag zu fixen, da ich nicht wusste wann die Getränkedosen ankommen. Eine weiter Hürde war die Beschaffung von Maracujas. Da sich das Video um das Hard Seltzer mit Maracuja-Geschmack handelt, wollte ich natürlich auch die Frucht im Video zeigen. Diese habe ich nach langem Recherchieren schlussendlich im Globus Finefood für einen Wucherpreis gekauft. Zusätzlich habe ich verschiedene Utensilien wie eine Drehscheibe von Ikea, Klebeband, Holzstäbchen und eine Rolle Nylonfaden für den Dreh organisiert.  Um die einzelnen Shots zu planen habe ich eine Shotlist erstellt welche eine Zeichnung der einzelnen Shots und die dazu benötigten Utensilien beinhaltet.

Der Dreh
Alle Shots wurden innerhalb von zwei Tagen aufgenommen. Der Dreh war trotz Shotlist eher ein Ausprobieren. Oft habe ich erst während dem Dreh gemerkt, ob eine Idee funktioniert oder nicht. Deshalb habe ich mich auch nicht streng an meine Shotlist gehalten. In meinem 10m2 Zimmer hatte ich zudem etwa wenig Platz. Während dem Filmen habe ich zudem realisiert, dass ein LED Licht gerade so knapp ausreicht um die Dose gut auszuleuchten. Jedoch entstanden dabei teils ungewollte Schatten auf der Dose. Folglich habe ich meine Tischlampe als Zweitlicht benutzt und die Blendetiefer gestellt was wiederum dazu führte, dass die Dose am Rand unscharf wurde. Hätte ich ein zweites LED-Licht gemietet, hätte ich zum einen die Dose besser belichten und zum anderen die Blende grösser einstellen können. Dadurch wären schlussendlich auch die Ränder der Dose in Fokus gewesen. Geplant war auch, dass ich einige Makroaufnahmen der Dose mache. Jedoch bietet die Ausleihe keine Makroobjektive an. Da das Video als FullHD -Video geplant war, habe ich schlussendlich einzelne Shots in „4K“ gefilmt und in der Post herangezoomt. Für den Shot bei dem das Getränk aus der Dose schäumt benötigte ich 15 Versuche bis das Timing stimmte und das Bild scharf war. Was für eine Verschwendung von  Sparklys Seltzer.

Die Post Production
Während dem Zusammenschneiden des Videos wurden mir noch einige Dinge klar die ich im Nachhinein nicht so gemacht hätte. Zum einen musste ich für den ersten Shot des Videos wo die Getränkedose und zwei Maracujaschnitze „hereinfliegen“ die Dose ausmaskieren. Dabei hatte ich im Kopf das die Dose Weiss ist, also bietet ein schwarzer Hintergrund genügend Kontrast um die Dose einfach zu maskieren. dabei habe ich nicht beachtet, dass zum einen die Beschriftungder Dose und der Dosendeckel ebenfalls schwarz sind. Das führte dazu das ich die Dose mühsam per Hand Frame für Frame ausmaskieren musste. Das hat mich sehr viel Zeit und nerven gekostet. Jetzt weiss ich, dass ich für solche Shots zwingend einen Greenscreen benötige.  Im zweiten Shot verschwindet die Dose nach unten aus dem Bild. Gleichzeitig öffnet sich die Dose. Auch hier musste ich den Doseldeckel Frame für Frame ausmaskieren. Praktisch alle Bewegungen (zoom in, zoom out, Rotationen etc.) der Dose wurden in der Post Production hinzugefügt. Lediglich die Drehung der Dose um die eigene Achse wurde „in camera“ gemacht. So hatte ich mehr Kontrolle über die Bewegungen der Dose was schlussendlich im Video viel flüssiger wirkt. Leider wirkt die Drehung um die eigene Achse etwas wackelig, da zum einen die Drehplatte von Ikea aber auch die Dose etwas schräg standen. Im Schnitt habe ich versucht die Dose mit Positionskeyframes zu zentrieren. Auch das Frame für Frame.

Sound Design
Den Soundtrack und die Soundeffekte habe ich ausschliesslich von Epidemicsounds heruntergeladen. Damit das Video auch stimmig wirkt, habe ich zu Beginn den Soundtrack gekürzt und an die Bilder angepasst. Ursprünglih wollte ich einen UpBeat Track für das Video verwenden. Da dieser jedoch jedoch überhaupt nicht mit dem Video zusammenpasste, habe ich mich für einen anderen Track entschieden. für das SoundDesign verwendete ich verschiedene „Swooshes“, Wind- und Wellenrauschen, oder Wassergeplätscher. Das Wind- und Wellenrauschen verwendete ich als Soundteppich. Die „Swooshes“ fügte ich bei Transitions ein um diese musikalisch zu unterstützen.

Selbstreflexion und Learnings
Mit Werbungen die im Fernsehen laufen kann mein Video nicht mithalten. Trotzdem finde ich dass mein Video (wenn man bedenkt das es mein erster Versuch war) einen professionellen Touch hat. Ich habe den benötigten Aufwand für ein 20 Sekunden Video komplett unterschätzt. Ich weiss aber auch, dass ich schneller vorangekommen wäre, hätte ich einige der oben genannten Fehler vermieden. Schlussendlich wurde mir auch bewusst, dass der Unterschied zwischen einem guten und einem professionellen Video im Detail liegt. Der Grossteil der Zuschauer würde diese Details wohl gar nicht bewusst wahrnehmen aber trotzdem machen sie den Unterschied. Es reicht nur schon aus wenn man eine Maske noch ein weiteres mal nachkorrigiert, oder eine Lichtquelle etwas verschiebt um diesen professionellen Touch zu erreichen.

Meine drei grössten Learnings sind:

  • Nimm dir Zeit für einen Shot, schaue ihn dir an und dreh ihn neu sollte er nicht passen.
  • Achte dich auf kleine Details wie unerwünschte Schatten oder Reflektionen.
  • Überleg dir ganz genau was für Material du für welchen Shot benötigst. Und wenn etwas fehlt nimm dir die Zeit und organisier es.

Was mir aber am wichtigsten ist, ist der Spass der ich an diesem diesem Projekt hatte. Das Filmen ist seit gut zwei Jahren meine Leidenschaft und ich liebe es neue Arten des Filmens kennenzulernen und auszuprobieren.