My love is true to none but you: Hochzeitseinladungen

Meine Schwester heiratet! Ich habe die grosse Ehre ihre Trauzeugin sein zu dürfen und habe mich direkt als Verantwortliche für die Drucksachen gemeldet. In diesem ersten von zwei Teilen habe ich die Hochzeitseinladungen gestaltet.

Da ich schöne Drucksachen liebe, wollte ich für meine Schwester etwas Besonderes und gerne auch etwas Aufwendigeres gestalten. Klassische Faltkarten kamen für mich als also nicht infrage. Entstanden ist, abgestimmt auf die Präferenzen meiner Schwester, ein persönlich gestaltetes Karten-Set, bei dem jedes einzelne Teil seinen eigenen Charakter und Nutzen hat.

Das Ergebnis

Die Designs
In Procreate und Adobe Illustrator sind die einzelnen Elemente für die Einladung entstanden. Die meisten davon sind handgezeichnet. Mit verschiedenen Versionen und Stilen habe ich mich langsam ans Endergebnis herangetastet.

Making of
Von getrockneten Pflanzen, über unzähligen Papiersorten hin zu Siegelwachs und Stempel. Der ganze Prozess hat erstaunlich viele Elemente und Ressourcen in Anspruch genommen – hier ein kleiner Einblick in den Prozess.

(abb)

Umsetzung

Der Prozess von der Skizze hin zur fertigen Hochzeitseinladung war ein langer und etwas zaghafter. Ehrlicherweise hatte ich ein wenig Angst vor dieser Aufgabe und habe sie lange nach hinten geschoben. Die Einladungen sollten ja schliesslich etwas Besonderes werden – man heiratet ja nicht jeden Tag! Zum Glück hatte meine Schwester bereits Ideen und ein Pinterestboard als Inspiration vorbereitet. Alle Motive ausser dem floralen Rahmen auf der Haupteinladung habe ich in Procreate skizziert und gezeichnet. Danach habe ich in Adobe InDesign eine erste Anordnung des Layouts erstellt, um sie meiner Schwester zu zeigen. Auf ihren Wunsch hin habe ich dann alle Motive noch als grafischere Strichzeichnung umgesetzt. Am Ende wurde eine Mischung der beiden Stile verwendet. Aus zeitlichen Gründen und weil die Unsicherheit beim Stil gross war, entschied ich mich, die aufwendige Blumenranke mit Adobe Firefly generieren zu lassen.

Nach langem Hin und Her (Korrekturen, Textänderungen usw.) stand dann das fertige Layout. Ein grosser Teil des Arbeitsprozesses nahm anschliessend noch die Überarbeitung der Motive in Anspruch. Einige Elemente musste ich in Adobe Photoshop stilistisch aneinander angleichen, andere in Adobe Illustrator reduzieren und vektorisieren. Als letzter und wichtiger Schritt musste ich die fertigen Daten noch für den Druck vorbereiten – hier musste ich die Stanzformen ausmessen und in Originalgrösse in InDesign hinterlegen und markieren.

Nun ging es an den Druck bzw. an den anspruchsvollen Prozess des Papieraussuchens, Probedruckens und Entscheidens. Nebenbei mussten noch viele Entscheidungen zur Ausstattung getroffen werden: Welche Trockenblumen werden bestellt? Welches Motiv hat das Siegel und welche Farbe das Samtband? Und wo bestellt man den ganzen Kram am besten? Ganz besonders haben wir uns auf den gemeinsamen Bastelnachmittag zum Zusammenstellen der Brief-Sets gefreut: Ein ganzer Nachmittag wurde gestanzt, gebündelt, geschnürt, geklebt und verpackt – es war toll!

Herausforderungen & Learnings

Für Kundschaft ist es oft schwer, sich vorzustellen, wie ihre Wünsche tatsächlich in der Umsetzung aussehen würden. Das habe ich auch bei diesem Projekt bemerkt. Beispielsweise tauchte der Wunsch nach bunten Vögelchen auf der Karte auf – zu diesem Zeitpunkt hatte sich das Brautpaar aber bereits für eine komplett rote Einladung entschieden. Hier brauchte es einige Trials and Errors und eine Menge Überzeugungskraft, um zu einer geeigneten Lösung zu kommen. Wenn ich auf den gesamten Output während der Erstellung der Karte zurückblicke, finde ich es etwas schade, wie viele meiner Zeichnungen am Ende nicht verwendet wurden. Bei zukünftigen Projekten würde ich versuchen, besser zu planen und vor der Umsetzung mehr mit Skizzen zu arbeiten, um solche «unnötigen» Zeitaufwände zu sparen. Umso lieber habe ich sie zumindest in diesen Digezz-Beitrag gepackt!

Beim Erstellen der Ranke hatte ich Schwierigkeiten mit Adobe Firefly, denn die KI nimmt es mit Anweisungen nicht immer genau. Zudem fehlte mir die Funktion, an einem Bild gezielt Verbesserungen anbringen zu können.

Was ich ebenfalls etwas unterschätzt hatte, war die Organisation des Drucks. Zuerst konnte ich das gewünschte Papier nicht in der richtigen Grammatur finden, dann war der Probedruck aus der Druckerei unvollständig. Von meiner Ausbildung und den späteren Jobs her war ich es gewohnt, direkt an der Quelle zu arbeiten. Dass es sich um einiges mühseliger gestaltet, wenn man mit einer externen Druckerei arbeitet, hatte ich irgendwie komplett ausser Acht gelassen. Nach dem Austesten von verschiedenen Papieren und Anbietern hat es dann aber doch noch geklappt.

Im Nachhinein war ich beim Gestalten wohl etwas zu perfektionistisch, was mich viele Nerven und Zeit gekostet hat – auf dem eher kleinen Druck sind die Detailkorrekturen nämlich kaum sichtbar. Trotzdem finde ich, dass sich der Aufwand und die Mühe ausgezahlt haben: Meine Schwester und ihr Freund sind zufrieden, und die einzigartige Einladungs-Papeterie ist versandbereit. Im Frühling folgen dann noch Menükarten, Tischkarten, Wettbewerbstalons und natürlich eine Hochzeitszeitung!