maskerade

Kennst du den Moment, wenn du eine Person kennenlernst und sie irgendwann die Hygienemaske abzieht und ein völlig unerwartetes Gesicht zum Vorschein kommt? Genau diesen Überraschungseffekt machen wir uns in unserer vierteiligen Videoserie «maskerade» zunutze.

«Wie witzig wärs, wenn mer eh Zeichner*in chönted finde, wo Lüt so zeichnet, wie er sie sich ohni Maske vorstellt?», fragte Rosa Sven nach einer Theaterprobe im September 2021. Damit stand der Grundstein unserer Projektidee. Da unsere «Happy Sketching»-Skills diesem Projekt nicht gewachsen sind, machten wir uns auf die Suche nach einem/einer Zeichner*in. Kurze Zeit später hatten wir den perfekten Zeichner gefunden: N’Doua Bossard, Kunststudent an der ZHdK.

Als es an die Planung der Videos ging, realisierten wir, dass unsere Idee das Potenzial hat, das Thema «Hygienemaske und Gesellschaft» auf eine innovative Art zu beleuchten. Aus einem kleinen Digezz-Projektli wurde ein riesiges Projekt. Das Ziel: Einen Zeitgeist einfangen und unterschiedlichen Menschen eine Stimme zum Thema Hygienemaske geben. Wir werfen einen Blick hinter die Maske und finden heraus, was das Masketragen in der Gesellschaft verändert hat.

Acht Monate, acht Zeichnungen, zwölf Interviews und unzählige Learnings später freuen wir uns riesig, unser Projekt mit euch zu teilen.

Wie hat sich unser Zeichner N’Doua die maskierten Personen ohne Maske vorgestellt?

Finde es heraus 👇

(mou)

Vorproduktion

Alles begann beim jungen Theater Graubünden, wo wir uns kennengelernt haben. Schnell merkten wir, dass nicht nur unsere Kreativität ähnlich tickt, sondern auch unsere Interessen in eine ähnliche Richtung gehen. Rosa erzählte Sven von der Ursprungsidee von maskerade. Diese wär nämlich anfangs noch relativ simpel. Angedacht war ein kurzes Video oder gar nur eine Fotoserie, in der lediglich die Gegenüberstellung von Zeichnung und dem wahren Gesicht gezeigt wird. Sven liess die Idee nicht los und sah ein Potenzial im Projekt, welches Rosa bis da nicht bewusst war. Wir merkten schnell, dass es eine Projektidee ist, bei der es sich lohnt, nicht nur an der Oberfläche zu kratzen.

Um dies zu erreichen, grenzten wir zuerst das Thema Maskenpflicht in einzelne Unterthemen ein. Easy peasy. Dachten wir. Stundenlang haben wir Themen aufgenommen, diskutiert, debattiert, verworfen und teilweise wieder aufgenommen. Stunden später, nach mehreren Meetings, hatten wir das Gefühl, die ultimativen Unterthemen zur Abdeckung des grossen Themas Maskenpflicht gefunden zu haben. Mit diesen Ideen gingen wir zu Expert*innen, um eine Zweitmeinung einzuholen. Und siehe da, nach fast jedem dieser Meetings mussten wir unsere “ultimativen Unterthemen” wieder umdenken. Bei jedem Meeting kamen neue Vorschläge für Unterthemen hinzu. Wir stellten gleichzeitig auch fest, dass gewisse Unterthemen ineinanderfliessen. So konnten wir beispielsweise „Kommunikation“ und „Mimik“ kombinieren.

Spätestens nachdem unsere Unterthemen zum gefühlt hundertsten Mal überdacht werden mussten, wurde uns klar, dass das Thema Maskenpflicht eine unglaublich grosse Reichweite hat und die Abdeckung sowie Eingrenzung des Themas zentral ist. Wir fühlten uns, als ob wir nach jedem Expert*innen-Meeting einen Schritt zurückmachten, die Ideen wieder neu definieren mussten und wir uns so immer weiter von unserem Ziel entfernten. Dabei mussten wir lernen, die Hilfestellungen der Expert*innen anzunehmen und einzubeziehen, ohne an der Grundidee und unserer Vision zu zweifeln. Der vermeintliche Rückschritt hat uns jedoch immer wieder Perspektive verschafft und neue Möglichkeiten aufgezeigt. Hätten wir die unzähligen Feedbacks von Drittpersonen nicht genutzt und uns an dieser Stelle entweder leichtsinnig für ein Thema entschieden oder gar aufgegeben, so hätten wir nun wahrscheinlich ein wenig aussagendes Produkt. Retrospektiv betrachtet haben wir verhältnissmässig viel Zeit in die Themensetzung und Planung investiert. Wir sind allerdings überzeugt, dass ebendieser aufwändige Prozess es uns ermöglichte, ein weitreichendes und latentes Thema in nur vier Videos mit acht vielfältigen Protagonist*innen greifbar zu machen.

Dank der langen Planungsphase hatten wir eine sehr klare Vorstellung, wie das Setting unseres Drehs sein sollte. Wir wollten eine Location, die einen ruhigen Hintergrund bot, der trotzdem locker und artsy wirken sollte. Zwar hatten wir mehrere gute Optionen gefunden und diese jeweils besichtigt, jedoch stimmten entweder die Daten, der Preis oder das Licht nicht. Folglich wurde die Suche relativ aufwendig. Nach einem ersten Treffen mit unserem Zeichner N’Doua kam dann die Idee auf, an der ZHdK zu filmen. N’Doua studiert Art Education an der ZHdK und hat somit Zugang zu den meisten Räumlichkeiten. Am selben Tag konnten wir die Räumlichkeiten besichtigen und wir wussten direkt, dass wir die perfekte Location gefunden haben. Doch wir haben uns zu früh gefreut. Die ZHdk lehnte unsere Reservierungsanfrage ab, mit der Begründung, dass nicht alle aus dem Team Student*innen der ZHdK seien. Ein Rückschlag, der uns hart traf. Doch so schnell gaben wir nicht auf. Kurzerhand telefonierten wir mit Ulrike Mothes und schilderten ihr unser Problem. Ein persönliches Schreiben an die ZHdK später erhielten wir dann doch noch die Erlaubnis. Ein grosses Dankeschön an Ulrike Mothes und die zuständigen Personen der ZHdK, dass sie uns diese Zusammenarbeit ermöglichten.

Als die Location endlich stand, starteten wir mit der Raumplanung. Damit wir uns wertvolle Zeit an den Drehtagen sparen, planten wir einen Probedreh im Fernsehstudio der FHGR. Wir stellten alle Kameras auf, testeten unterschiedliche Einstellungen und tüftelten solange herum, bis wir mit dem Licht zufrieden waren.

Auch bei der Wahl der Protagonist*innen konnten wir wiederum auf unsere Planungsarbeit zurückgreifen. Dadurch, dass wir die Themen und die Personas im Voraus klar definiert haben, war die Suche nach den passenden Personen deutlich vereinfacht. Natürlich gibt es insbesondere bei fixen Drehtagen immer den Faktor Mensch, den man einbeziehen muss. So haben uns beispielsweise zwei Protagonist*innen kurz vor dem Dreh abgesagt und wir mussten praktisch über Nacht neue Interviewpersonen finden.

Neben der Koordination den Protagonist*innen beschäftigte uns auch der Umgang mit ihnen respektive der Dreh stark. Am meisten Respekt hatten wir vor den Statements der Protagonist*innen. Es war wichtig, dass die Antworten kurz, aber auf den Punkt gebracht und in sich geschlossen sind. Da wir uns für die Beiträge das klare Ziel von maximal vier Minuten Länge gesetzt hatten, sahen wir dies als eine grosse Herausforderung. Um sich dieser zu stellen und adäquat vorzugehen, haben wir bei mehreren erfahrenen Medienschaffenden um Rat gefragt. Unter anderem Simona Valicotti und Sarah Christen, die uns ihre Erfahrungen mit Social Media Interviews gerne weitergegeben haben. Ein grosses Dankeschön an beide!

Wichtig für die Interviews war das Vorgespräch mit den Protagonist*innen. Dies haben wir mit fast allen Protagonist*innen gemacht, wobei sich dies vor allem bei den Expert*innen als sehr nützlich erwies. Da das Thema, wie bereits erwähnt, sehr weitreichend ist, konnten wir so den Expert*innen einen Rahmen stecken, den wir beim Dreh durch Fragen lenken konnten. Dadurch konnten wir zwischen den ‘Laien’- und den ‘Expert*innen’-Aussagen Brücken schlagen. Dies erwies sich insbesondere für die Post-Production, als grosse Hilfe.

Zu Beginn arbeiteten wir auf Rosas IPad mit Good Notes. Dann mit einem Google Doc. Doch das Chrüsimüsi in unserem Kopf war bereits genug Chaos, weshalb wir schnell auf Canva wechselten. Zusätzlich erstellten wir ein gemeinsames Notionboard.

Hier kannst du einen Blick hinter die Kulissen werfen:

Produktion

Wir teilten im Voraus die Aufgaben auf. Sven stellt die Fragen und ist für den Ton zuständig, Rosa stellt bei Bedarf Zusatzfragen und ist zuständig für alle sieben Kameras.

An den Drehtagen selber wurde uns erneut bewusst, wie wertvoll unsere intensive Vorbereitungszeit war. Dank des Briefings, der Raumplanung, mehreren Fragebogen und dem Drehplan waren wir praktisch auf alles vorbereitet.

Die „normalen“ Interviews drehten wir an zwei Samstagen an der ZHdK. Morgens um 7 Uhr starteten wir mit dem Aufbau des ganzen Equipments, richteten eine Ladestation und einen Verpflegungsbereich für die Protagonist*innen (und uns natürlich) ein. Die Ladestation erwies sich als unglaublich nützlich, da die Akkus der Sony A6500 sehr schnell entladen. An dieser Stelle ein Dankeschön an Felix Pingerra, der extra eine Stunde vor seinem Interview nach Zürich reiste, um unseren Licht-, Kamera- und Tonaufbau mit seinem Expertenauge zu beurteilen.

Eine Aufzählung des ganzen Filmequipments würde den Rahmen dieser Kritik sprengen. Ein riesen Dankeschön an alle Personen der Ausleihe für die Unterstützung! Insbesondere Simon und Jannis.

Nach nur kurzer Zeit waren wir (N’Doua, Sven, Rosa) ein eingespieltes Team. Wir planten pro Interviewperson eineinhalb Stunden ein, was genau richtig war. Ausser bei Dr. Kiko, unserem Spitalclown, der uns während zwei Stunden bestens unterhielt. Es wäre wohl witzig gewesen, eine zusätzliche Kamera nur auf uns gerichtet aufzustellen. Es war schwierig, sich trotz Lachanfall zu konzentrieren. Die Aufnahmen von Rosas Gimbal hätte nicht einmal ein Stabilizer-Effekt noch retten können. 😀

Es war auf jeden Fall eine Challenge, alle sieben Kameras aufeinander abzugleichen. Obwohl wir bewusst nur mit Sonykameras filmten, zeigten die Monitore der einzelnen Kameras die Farben jeweils anders an. Zudem waren einige Vollformat Kameras und einige nicht. Dummerweise bemerkte Rosa am zweiten Samstag nicht, dass bei der Frontalkamera plötzlich ein Farbprofil aktiv war und somit war die Aufnahme extrem gesättigt. Bei einzelnen Kameras ist die Schärfe zudem nicht optimal, da der Fokusassistent zu stark eingestellt war und somit kaum zu unterscheiden war, was scharf ist und was nicht.

Da Sven das Interview führte, jedoch für den Ton zuständig ist, pegelten wir den Ton der Lavaliermikrofons bewusst ein wenig tiefer, damit er nicht sofort überdreht, wenn die Personen beispielsweise laut lachen. Dies bedeutete mehr Arbeit im Sound Design.

Für die Expert*innen-Interviews reisten wir quer durch die Schweiz. Wir packten in unseren Rucksack zwei Kameras, zwei Stativs, den schwersten Lichtkoffer, den man ausleihen kann (nicht empfehlenswert, wenn man mit der ÖV reist oder seinen Rücken gerne hat) und einem Tonset. Die Interviews liefen dank den Briefings im Voraus problemlos ab.

Ein RIESEN Dankeschön an alle Protagonist*innen, Expert*innen und natürlich N’Doua ohne den das Projekt nie das geworden wäre, was es heute ist.

Postproduktion

Bevor wir mit der Post-Production starten konnten, synchronisierten wir alle Dateien. Gar nicht so einfach bei sieben Kameras und vier Tonspuren. Dann haben wir die ganzen Interviews durchgehört und die besten Quotes sorgfältig selektioniert. In einem späteren Schritt haben wir uns die zusammengehörenden Quotes angehört und nach einem roten Faden gesucht. An dieser Stelle haben wir unsere Grundidee mehrfach angezweifelt, da wir uns plötzlich unsicher waren, ob die Idee mit der Zeichnung überhaupt verständlich ist. Die Schwierigkeit war ohne Offtext in möglichst kürzester Zeit zu vermitteln, dass die Interviewten ohne Maske gezeichnet werden. Wir tüftelten an mehreren Ideen und entschieden uns schlussendlich für eine Texttafel.

Beim Bearbeiten mussten wir dann feststellen, dass unsere Dolly-Zoom-Idee nicht wie gewünscht herauskam. Wir haben vor dem Dreh mehrmals getestet, wie wir den Vertigo Shot am besten hinbekommen. Wir dachten, dass wir es danach im Griff haben. Da haben wir uns wohl getäuscht und sind demnach ein wenig enttäuscht mit den Aufnahmen. Nichtsdestotrotz haben wir sie in den Clips integriert, weil wir nach wie vor finden, dass der Effekt perfekt zum Maskenausziehen passt.

Wir merkten schnell, dass wir es nicht rechtzeitig oder wenn, dann eher schlecht als recht schaffen, den Film und die Clips zu schneiden. Deshalb haben wir uns entschieden, uns auf die Social Media gerechten Clips zu konzentrieren.

Da wir in einer Folge auf das Thema „Schwerhörigkeit/Gehörlosigkeit“ aufmerksam machen, war es uns natürlich wichtig, dass all unsere Videos untertitelt sind.

Sound Design: (Sven)

Wie bereits erwähnt haben wir den Ton tendenziell zu leise aufgenommen. Dies führte dazu, dass die Hintergrundgeräusche beim Auspegeln logischerweise ebenfalls lauter wurden. In erster Linie haben wir versucht, dieses Geräusch möglichst herauszunehmen. Da ich einen Tag fast ohne Pause am Ton gearbeitet habe, hatte ich keinen Vergleichswert mehr. So kam es, dass der Ton bei einem späteren, objektiven Hören viel zu roboterhaft und unecht klang, da es kaum Hintergrundgeräusche hatte. So machten wir einen Kompromiss zwischen einem normalen Grad an Hintergrundgeräusch und der störenden Lüftung, ohne dass die Stimmen Alienhaft klingen.

Color Grading: (Rosa)

Das Color Grading stellte sich als sehr aufwendig heraus. Wir haben mit sieben Kameras gefilmt und wollten natürlich alle sieben auch verwenden. Das heisst jedes einzelne Bild musste mehrmals angepasst werden. Obwohl wir das Studio an der ZHdK zwar gut ausgeleuchtet haben, waren die Lichtverhältnisse aufgrund des zusätzlichen Tageslichts stets unterschiedlich. Das oben erwähnte Farbprofil, welches aus Versehen aktiviert war, war nur sehr mühsam zu neutralisieren. Das Thema „Maske“ verfolgte mich auch beim Color Graden, denn wenn man mit Splitscreen arbeitet, muss man logischerweise die Bilder auch separat color graden. Auch wenn ich schon ein paar Mal mit DaVinci Resolve color gradete, dauerte es eine Weile, bis ich zurecht kam. Am Ende wollte und konnte ich keine Farben mehr sehen und nervte mich sogar ab meinem Vornamen. 😉

Blick in die Zukunft & Fazit

Bereits während der Vorproduktionsphase hatten wir ein Meeting mit Marius, um potenzielle Käufer*innen der Videoserie zu besprechen. Auf Empfehlung und dank seiner Unterstützung haben wir unser Konzept beim SRF, watson und 20 Minuten gepitcht. Das Konzept kam sehr gut an und die Medienunternehmen waren sehr interessiert. Da das Projekt stark von den Aussagen der Protagonist*innen abhing, sagten sie, dass wir uns erneut melden dürfen, sobald wir mindestens eine Folge fertig haben. Aktuell sind wir das Projekt bei ebendiesen Unternehmen am Pitchen und warten freudig auf eine Antwort. Hier findet ihr das Pitchdeck.

Wir werden maskerade auf jeden Fall weiterverfolgen. Ideen und Filmmaterial haben wir definitiv genug.

An dieser Stelle gilt es mehrere Dankeschöns auszusprechen:

  • Unseren Laptops, die im Schnitt erstaunlich gut mit unseren 7 Kameras zurechtkamen
  • Der Ausleihe, die uns mehrfach das halbe Sortiment ausgeliehen hat
  • An das Streetfoodfestival in Chur, dass uns während den Schnitttagen die nötige Energie verlieh
  • An unsere Mamis, die stets an uns glaubten (eifach wills jede Hollywoodstar amigs au seid ;))
  • An Martini Bianco dafür, dass er so unglaublich gut mit Eis und Zitrone schmeckt
  • An Pommes mit viel (Sriracha-)Mayo und Ketchup

Alles in allem sind wir echt stolz, haben wir dieses Herzensprojekt neben allen anderen zeitintensiven Projekten aus anderen Modulen und den etlichen Theaterproben durchgezogen. Wir sind überzeugt, dass wir unser Ziel erreicht haben. Dass wir den unterschiedlichsten Menschen eine Stimme zum Thema Maskenpflicht geben konnten. Dass wir einen Zeitgeist einfangen konnten und die Zuschauer*innen zum Nachdenken anregen können. Den Blick hinter die Maske hat sich auf jeden Fall gelohnt.