LIMITLESS – Céline Bürgi

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Wir werden tagtäglich von unterschiedlichsten Hindernissen im Leben ausgebremst. Wie wir damit umgehen, ist alleine unsere Entscheidung. Überwinden wir sie oder bleiben wir vor ihnen stehen? Sind wir mutig oder haben wir Angst?

LIMITLESS erzählt von Sportlerinnen & Sportlern, die sich für die erste Variante entschieden haben. Sie wollen grenzenlos sein… und arbeiten jeden Tag hart, um ihren Zielen ein Stück näherzukommen.

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Céline Bürgi, 21 Jahre, Sprinterin

Als Céline Bürgi vor 13 Jahren mit der Leichtathletik begann, träumte sie von Medaillen und Podestplätzen. Dass sie aber eines Tages zu den schnellsten Sprinterinnen der Welt gehören wird, wusste damals noch niemand. Und wer die letzten Jahre miterlebt hat, glaubte wohl nicht einmal mehr daran, dass Céline jemals wieder an einer Schweizermeisterschaft teilnehmen wird. Aber zurück zum Anfang.

Céline stösst im Jahr 2008 aus dem Turnverein Blumenstein zur Leichtathletik Vereinigung Thun. Hier kann sie sich nun voll und ganz auf die Leichtathletik konzentrieren. Im Turnverein ging es damals mehr um den Spass. Nun steht langsam aber sicher auch der Erfolg im Vordergrund. Und trotzdem war Céline nie verbissen. Sie machte das, was ihr am meisten Spass machte. Sie traf im Training ihre Freunde und startete immer wieder einmal an regionalen Wettkämpfen. Auch der Weitsprung und das Kugelstossen probierte Céline immer wieder aus. Bis zur U18 trainierte Céline überwiegend polysportiv und startete fürs Team auch immer wieder in den vorher genannten (für sie exotischen) Disziplinen. Céline war sehr vielseitig talentiert, doch ihr grösstes Potenzial lag schon immer in den Sprint-Disziplinen. Sie holte sich bereits früh an den «Migros Sprint Schweizerfinalen» Silber und Bronzemedaillen, neben renommierten Athletinnen wie zum Beispiel Yasmin Giger.

Ab dem Jahr 2014 änderte sich aber plötzlich schlagartig alles! Céline erlitt einen Ermüdungsbruch im linken Fuss und musste pausieren. Eine nicht allzu schlimme Verletzung an sich, jedoch zogen sich die Probleme über all die Jahre weiter. 2015 erleidet das Sesambein im linken Fuss eine Stressreaktion, nur ein paar Monate später auch der rechte Fuss. 2016 folgen weitere Stressreaktionen in beiden Füssen und 2017 waren die Papiere für die OP eigentlich schon unterschrieben, denn es wurden beidseitig, wohl ältere, Frakturen festgestellt. Céline entschied sich dann aber im letzten Moment noch gegen eine OP, da ihr die Ärzte keine Garantie auf Heilung geben konnten. Sie musste nun ihren Füssen Ruhe geben und pausierte somit eine komplette Wintersaison. 2018 unterzog sie sich einer Stosswellentherapie, welche nur unter Betäubung der Füsse ausgehalten werden konnte. Es folgten etliche MRI-Untersuchungen und Arzttermine. Seit 6 Jahren nun besucht Céline regelmässig die Physiotherapie, damit die Schmerzen irgendwie aushaltbar sind.

Als Céline an den U23- Schweizermeisterschaften dann die Bronzemedaille über 200m gewinnt, war der Befreiungsschlag perfekt. Die vielen Stunden in der Physiotherapie haben sich ausgezahlt. Der Wille hat gewonnen und die Schmerzen wurden in den Schatten gestellt. Sie waren zwar immer noch da, jedoch wusste Céline, wie sie sie für einen kurzen Moment vergessen konnte. Der Durchhaltewillen war grösser als alles andere. Und vielleicht auch genau darum hatte niemand mit ihr gerechnet. Wer nun aber denkt, dass Céline als grosse Schweizer Sprinthoffnung galt, liegt falsch. Viele redeten wohl nur vom «Überraschungslauf». Jedoch gab dieser eine Lauf Céline so viel Selbstvertrauen, wie die gesamten letzten Jahre zusammen. Sie merkte, dass noch so viel mehr in ihr steckte und sie nun alles auf eine Karte setzen muss. Sie trainiert so hart, wie noch nie zuvor, reist 2x in der Woche nach Bern zu Jacques Cordey, Trainer von Mujinga Kambundji, holt sich Tipps fürs Krafttraining bei Patrick Saile, dem Nationaltrainer, und absolviert ihre Trainingsläufe mit den Jungs.

Das Jahr 2020 war für die Mehrheit der Menschen ein ziemlich schlechtes Jahr. Für Céline war es aber DAS Jahr. Noch nie fühlte sie sich so gut. Trotz den schwierigen Bedingungen, die das Coronavirus geschaffen hat, macht sie Fortschritte. Gefühlsmässig sogar so viel, wie noch nie zuvor. Während des Lockdowns hatte sie nun endlich einmal genügend Zeit, um an ihren absoluten Schwächen zu arbeiten. Bereits der erste interne Vereinswettkampf im April war ein riesiger Erfolg! Sie lief mit 12.04s die 100m so schnell, wie noch nie zuvor. Es folgten weitere Bestleistungen (12.02, 11.92, 11.91, 11.90, 11.87, 11.86, 11.78, 11.75, 11.74) UNGLAUBLICH, wenn man bedenkt, dass sie im letzten Jahr eine Bestleistung von 12.16s hatte! Schon nur, dass sie in diesem so speziellen Jahr zum ersten Mal unter 12 Sekunden lief, war eine riesen Leistung. Was danach aber folgte, hatte niemand erwartet… jedoch für gut möglich gehalten.

Die Schweizermeisterschaften standen vor der Tür. Die Corona-Fälle in der Schweiz steigen von Tag zu Tag und der Wettkampf konnte nur dank strikten Massnahmen durchgeführt werden. Vor dem Rennen mussten sich alle Athletinnen die Hände desinfizieren und neben dem Wettkampf Masken tragen. Bei ca. 25 Grad war letzteres natürlich nicht sehr leistungsfördernd und erholsam, jedoch versuchte jeder und jede das Beste daraus zu machen. Céline fühlte sich fit, war jedoch sehr aufgeregt. Am ersten Tag war das Ziel: Finaleinzug über 100m. Dies schaffte Céline und nun liebäugelte man auch das erste Mal mit einer Medaille. Die Konkurrenz war jedoch enorm stark und es musste einfach alles passen! Und dann geschah das Unglaubliche: Céline lief tatsächlich auf den 3. Rang und somit holte sie sich die Medaillen! Wieder einmal hat sie es allen gezeigt! Dieser Tag war so unglaublich emotional und Céline spürte nach diesen 3 Läufen ihre Beine und Füsse schon sehr. Nun musste sie sich, so gut wie nur möglich, erholen, denn am nächsten Tag trat sie mit sehr grossen Chancen auf eine Medaille auch noch über 200m an!

Neuer Tag, neues Glück. Und es sollte ein guter Tag werden. Die Vorläufe über 200m wurden gestrichen, da sich viele Athletinnen noch krankheits- oder verletzungsbedingt abgemeldet haben. Somit startete der Tag gleich mit dem Halbfinale. Eine nicht allzu einfache Aufgabe, denn man hatte einen Lauf weniger, um das Renngefühl zu finden und in den Wettkampf zu kommen. Man musste auf den Punkt bereit sein, denn nur die Schnellsten der Halbfinals kamen auch direkt ins Finale. Das schaffte sie aber und stand eine Stunde später im grossen Finale über 200m. Was danach folgte, konnte man kaum in Worte fassen. Céline lief in einer neuen persönlichen Bestleistung (trotz 2.0m Gegenwind) tatsächlich zum Schweizermeistertitel! Sie konnte es kaum glauben und brauchte ein paar Minuten, bis sie es auch wirklich realisieren konnte! Mit den Erfolgen an dieser Schweizermeisterschaft hat sie es nun endlich geschafft, dass auch die grössten Kritiker zu ihr rauf schauten. Mit ihren tollen Ergebnissen wurde sie nur Wochen später erstmals für das Schweizer 4x100m-Nationalkader aufgeboten. Ihr Ziel, im nächsten Jahr an den Europäischen Meisterschaften teilzunehmen, rückt immer näher. Bleibt sie auf Kurs, wird sie dieses Ziel mit Sicherheit erreichen. Und das nur, weil sie stets alle Hürden überwunden und die Grenzen des Unmöglichen überschritten hat.

(spu)

Ideenfindung

Ich liebe Emotionen. Noch mehr liebe ich es aber, Emotionen bildlich festzuhalten oder darzustellen. Ich liebe ausserdem den Sport und so lag es auf der Hand, dass ich irgendeinmal diese beiden Leidenschaften verfliessen lassen werde. Ich will mit LIMITLESS Geschichten erzählen. Geschichten von Sportlerinne und Sportlern aus unterschiedlichsten Sportarten. Geschichten von Sportlerinnen und Sportlern, welche unterschiedlicher nicht sein könnten. Überall finden wir Grenzen vor. Und vor allem in der Sportwelt werden wir immer öfters Zeuge davon, dass Grenzen überschritten werden. Auch solche, welche man nie für möglich gehalten hat. Und genau diese Momente, will ich festhalten, oder wieder aufblühen lassen. Sie sind es mehr als Wert, der Welt gezeigt zu werden! LIMITLESS erzählt Geschichten von Menschen, welche Unglaubliches geleistet haben oder in ihrer Sportart eine neue Liebe gefunden haben. Sport bringt uns alle zusammen und lässt uns die schlechten Dinge im Leben für einen kurzen Moment vergessen. Eine Eigenschaft, welche gerade in diesem schwierigen Jahr umso wichtiger wurde.

Ich machte mich also auf die Suche nach Sportlerinnen und Sportlerin, die etwas Besonderes zu erzählen haben. Von Anfang an war klar, dass ich meine beste Freundin Céline fragen werde, ob sie mitmachen würde. Sie sagte sofort Ja, was mich natürlich unheimlich freute. Ich kenne sie, seit wir klein sind und ich habe jeden Schritt in ihrem Leben miterlebt. Dass sie ihre Geschichte nun aber nicht nur mir, sondern auch der Öffentlichkeit anvertraut, ist eine grosse Ehre. Und das genau ich diese Aufgabe übernehmen darf, ehrt mich natürlich noch viel mehr.

Konzeption / Vorbereitungen

Mein Ziel war es nicht, einen Werbespot oder irgendetwas Ähnliches zu erstellen. Und doch kam ich auf die Idee, da ich eigentlich einen Nike Werbespot drehen wollte. Das Ganze entwickelte sich dann aber in eine ganz andere Richtung und ich wollte plötzlich nur noch Célines Geschichte erzählen. Deshalb setzte ich mir auch kein Zeitlimit. Ich erstellte jedoch einen «Shotplan», damit wir so grob wussten, was wir drehen wollten. Die Dreharbeiten wollten wir unbedingt noch im Sommer durchführen, da es für die Sportart einfach am besten passt. Zudem war es das erste Mal, dass ich meine neue Sony Alpha a7 III benutzte – ein grosser Moment für mich! Endlich konnte ich coole Slowmotion-Videos drehen!!! Zudem benutzte ich eine DJI Mavic Mini Drohne.

Realisation

Für die Dreharbeiten zog ich meine Schwester bei, da ich unbedingt Bewegtaufnahmen machen wollte. Ich zog mir also meine Rollschuhe an und drehte zum Einwärmen ein paar Runden. So hatte ich nun wirklich noch nie zuvor ein Video gedreht. Es hat aber unheimlich Spass gemacht – obwohl es ab und zu ein bisschen waghalsig war. Der Aufwand hat sich aber wahrhaftig gelohnt! Wir drehten den ganzen Tag (bei 30 Grad und kaum Schatten war das ein richtig anstrengender Tag). Danach hatte ich enorm viel Material, welches nun in aller Ruhe gesichtet werden musste. Ich suchte mit auf Artlist die passende Musik und fing mit dem Schnitt an. Zum ersten Mal beschäftigte ich mich ausserdem detaillierter mit dem Colorgrading und weiteren Special Effects. An den Schluss schnitt ich Videos der Saison 2019, welche mit dem Höhepunkt aufhörten. Rückblickend hätte ich nun noch einige Monate warten sollen, da die Saison 2020 noch viel aufregender war! Ich bin mit dem Endprodukt nun aber mehr als zufrieden und auch sehr stolz!

Den Off-Text nahm ich, bzw. Céline, mit meinem Rode Go und Adobe Audition auf. Es ist soooo wichtig, wie jemand spricht. Die Tonhöhe und Akzentuierung macht so viel aus! Nach ein paar Stunden haben wir es aber auch geschafft, eine tolle deutsche plus eine englische Version zu vertonen.

Die Untertitel habe ich in Englisch hinzugefügt, da es professionell aussieht und die Sportwelt so international ist! So kann Céline das Video nun auch persönlich für alle möglichen Sachen weiterverwenden.

Digezz-Beitrag

Ich wollte das fertige Video nicht einfach auf Digezz stellen, sondern die Geschichte auch textlich festhalten. Deshalb habe ich mich mit Céline zusammengesetzt und die letzten Jahre niedergeschrieben.

Learnings

  • Das Video ist nun ein bisschen zu lang. Das nächste Mal evtl. einen klaren Drehplan erstellen und auch schon im Vorhinein planen, wie lange das Video ca. werden soll.
  • Slowmotion Videos sind echt cool und für diese Art von Videos auch ziemlich passend. Jedoch passt Slowmotion nicht überall und sollte auch nicht zu viel verwendet werden.
  • Der Schnitt und der Off-Text brauchen enorm viel Zeit. Es gibt Menschen, die sich überhaupt nicht gerne hören. Dann ist es enorm schwierig, dass der Off-Text gut tönt. Ich habe ihr die Sätze dann aber vorgesprochen, damit sie es so gut wie möglich nachmachen konnte – so, wie ich es gerne haben wollte.
  • Untertitel zu erstellen braucht ausserdem viel mehr Zeit als erwartet! Es hat sich aber gelohnt!
  • Alles in allem habe ich für das Video mindestens 25 Stunden gebraucht (Konzeption, Vorbereitungen, Dreh, Schnitt, Postproduction, Off-Text, Untertitel, englische Version). Es hat sich für mich aber mehr als gelohnt! Trotzdem finde ich es immer wieder imposant, wie viel Zeit man schlussendlich für ein «so kurzes Video» wirklich braucht!