Liebe zum Detail – Ein Werbefilm für Hugo Boss
Wenn ein Kunde einen Hugo-Boss-Store betritt, beginnt für ihn mehr als ein Einkauf. Es beginnt ein Erlebnis.
Genau dieses Erlebnis wollten wir, im Rahmen unseres Studienprojekts auf einen Werbefilm verdichten. Entstanden ist ein dialogfreier Werbefilm, der ausschliesslich durch Bilder, Musik und Schnittrhythmus erzählt wird.
Wie der Kontakt zustande kam
André arbeitet im Hugo Boss Outlet in Landquart. Aus dieser Verbindung heraus entstand die Idee, im Rahmen des Moduls «Konvergent Produzieren / Digezz» einen Werbefilm für die Marke zu realisieren. Der Store Manager war von Beginn an offen für unser Vorhaben. In einem gemeinsamen Termin besprachen wir Konzept, Drehablauf und organisatorische Rahmenbedingungen. Wichtig war beiden Seiten: Der Film ist kein offizieller Werbespot, sondern entstand für Studienzwecke und die interne Verwendung bei Hugo Boss.
Konzept und Idee
Im Zentrum unseres Konzepts steht das vollständige Kundenerlebnis.Vom Betreten des Stores bis zum zufriedenen Verlassen. Unser «Kunde», gespielt von unserem Mitstudenten Fabian Finger, betritt den Laden, schaut sich um, wird von einem Mitarbeiter beraten, probiert einen Anzug an, wird auf Mass abgesteckt und entscheidet sich schliesslich für diesen. Mit einem Handschlag endet das Erlebnis, der Kunde verlässt zufrieden den Store.
Das Ganze sollte ohne Dialog funktionieren. Die Geschichte erzählt sich allein durch Bildsprache, Aufnahmen von der Gestik und Abläufen. Visuell strebten wir einen edlen, hochwertigen Look an.Gleichzeitig wollten wir mit pointierten, musikalisch getakteten Schnitten verhindern, dass die fast zwei Minuten zäh wirken. Die Liebe zum Detail, sowohl in der Produktinszenierung als auch in der Beratung war dabei unsere zentrale Botschaft.
Vorbereitung
Bevor wir überhaupt drehten, trafen wir uns über mehrere Tage zur Vorbereitung. Wir sammelten visuelle Inspiration, erstellten Moodboards und legten den Look des Films fest. Parallel testeten wir Kameras und Objektive, um am Drehtag möglichst routiniert arbeiten zu können. Ein detailliertes Storyboard half uns, jede Szene im Vorfeld klar zu definieren. Diese Vorarbeit, die sich am Set extrem auszahlte.
Equipment
Wir entschieden uns für ein Setup mit zwei Kameras, um den Drehtag effizient zu nutzen und denselben Ablauf gleichzeitig aus unterschiedlichen Blickwinkeln festhalten zu können:
- Hauptkamera: Sony A7 IV (Giulia Buchli)
- Zweite Kamera: Sony A7R V (André Cerqueira)
- Objektive: 24–70 mm f/2.8 und 16–35 mm f/2.8
- Stabilisierung: Gimbal (in der Praxis verworfen – mehr dazu in der Kritik)
- Licht: ausschliesslich das vorhandene Storelicht
Der Drehtag
Da der Store während der Öffnungszeiten weiterhin Kunden empfing, begannen wir bereits vor Ladenöffnung. Trotzdem reichte die Zeit nicht aus und wir mussten parallel zum laufenden Betrieb weiterdrehen. Möglichst unauffällig und ohne dass Kundinnen oder Kunden ins Bild gerieten. Diese Doppelbelastung, inszenieren und gleichzeitig improvisieren war eine der grössten Herausforderungen.
Eine weitere Hürde stellte das Licht dar. Die Storebeleuchtung ist stark warm-gelblich und auf das Inszenieren der Kleidung optimiert, nicht jedoch auf Hauttöne. Das führte dazu, dass Fabian und der beratende Mitarbeiter im Rohmaterial deutlich gelbstichig wirkten, ein Problem, das wir erst in der Postproduktion lösen konnten.
Auch die Choreografie zwischen Model und Mitarbeiter brauchte mehrere Anläufe. Bewegungsabläufe, die im Storyboard logisch wirkten, mussten am Set immer wieder feinjustiert werden, damit sie natürlich aussahen.
Postproduktion
Den Schnitt setzten wir in Adobe Premiere Pro um. Beide hatten wir bereits Vorerfahrung, mussten uns aber für ein Projekt dieser Grössenordnung neu einarbeiten. Die Postproduktion zog sich über mehrere Tage und war zeitlich der aufwendigste Abschnitt des gesamten Projekts.
Im Color Grading lag der Fokus darauf, den warm-gelblichen Storelook zu neutralisieren und gleichzeitig einen edlen, leicht kühleren Hugo-Boss-Look zu etablieren – ohne dabei die Produktfarben zu verfälschen. Eine Gratwanderung, die uns viel über Farbkorrektur gelehrt hat.
Den Soundtrack generierten wir mit Suno, einem KI-Tool für Musikproduktion. Da wir keine lizenzfreie Musik fanden, die den gewünschten Charakter traf, produzierten wir einen Track, der exakt zu Bildsprache und Schnittrhythmus passt. Dieser experimentelle Einsatz von KI-generierter Musik war für uns ein spannender Lerneffekt im Sinne des Digezz-Gedankens.
Hier ist das Video zu sehen:
(mbi)
Was gut funktioniert hat:
Der Drehtag selbst lief erstaunlich rund. Wir hatten uns vorab gut abgestimmt, teilten ähnliche visuelle Vorstellungen und konnten am Set effizient als Team arbeiten. Das fixe Storyboard zahlte sich aus. Szene für Szene konnten wir abhaken. Auch die Entscheidung, mit zwei Kameras gleichzeitig zu drehen, war richtig: Für denselben Ablauf hatten wir zwei unterschiedliche Einstellungen und konnten im Schnitt deutlich freier arbeiten.
Was nicht so gut lief:
Wir wollten womöglich zu viel. Hugo Boss ist ein grosser Name und dem wollten wir gerecht werden, manchmal vielleicht zu krampfhaft. Das Licht im Store war eine echte Hürde, die wir mit besserer Vorbereitung (eigene Lichter, Diffusoren) hätten umgehen können. Auch der Verzicht auf den Gimbal rächte sich an einigen Stellen: Gewisse Aufnahmen sind leicht wackelig oder nicht ganz scharf. Im Nachhinein hätten wir uns mehr Zeit nehmen sollen, den Gimbal vorgängig richtig einzurichten und das Arbeiten damit zu üben.
Zeitmanagement: Nach dem Dreh haben wir uns zu viel Zeit gelassen. Der Schnitt schob sich nach hinten und gegen Ende kamen wir in Stress. Eine Lektion, die wir für die nächsten Projekte mitnehmen.
Was wir gelernt haben: Eine gründliche Planung ist das A und O. Storyboard, Moodboards und das Gespräch mit der Ansprechperson vor Ort haben den Drehtag massiv erleichtert. Im Schnitt und vor allem im Color Grading konnten wir beide ein grosses Stück dazulernen. Und nicht zuletzt haben wir gemerkt, wie wichtig es ist, sich realistische Ziele zu setzen: lieber etwas Schlankeres richtig gut umsetzen, als sich am eigenen Anspruch verheben.