La vie en son – Audio zur Doku
Als leidenschaftlicher Audio Producer erwartete mich mit der Anfrage von Giack und Luki gefühlt die Königsdisziplin des Metiers: das Vertonen und Mixen einer Reisedokumentation in Spielfilmlänge.
Prozess
Was mir direkt klar wurde: Struktur ist bei diesem Projektumfang matchentscheidend. Deshalb gliederte ich die Arbeit in Etappen, um alle Tasks im Überblick zu behalten.
- Projektorganisation: Audio-Export-Gliederung nach Audioquellen (unterschiedliche Mikrofone)
- Erster Mix: High-Level Komponente (VoiceOver, Musik, O-Ton) mittels Lautstärkenautomation, Kompression und Equalizing aufeinander abstimmen
- Audio-Restauration: Probleme im O-Ton (Störgeräusche wie Wind oder Verzerrung) fixen
- Transitions: Übergänge zwischen Szenen mit Volume Fades konstruieren / Settingwechsel mit Reverb stimmungsvoll gestalten
- Foley: Ergänzung von Szenen mit zusätzlichen Stock-Soundeffekten, um das Gesehene auditiv zu unterstützen
- Schlussmusik: Mixing des Schlusssongs
- Finaler Mix
- Mastering: Limiting und Lautstärkenautomation, um den EBU R128 Lautstärkenstandard zu erreichen

Einen Monat später stand ein Dokfilm, der sich nicht nur sehen, sondern auch hören lassen kann 🙂
Resultat
Da der Film noch nicht öffentlich publiziert ist, kann ein Link dazu via Mail an giacumin01@gmail.com oder lukas@luckylukefilms.ch angefragt werden.
(vha)
Challenges
Während dieses Projekts lag die Herausforderung oftmals weniger im eigentlichen Mix, sondern im Umgang mit der schieren Komplexität des Projektfiles. Mit über 400 Spuren in Logic Pro wurde die Übersicht schnell zum limitierenden Faktor. Ohne eine saubere Strukturierung nach Audioquellen, Szenen und Funktionsgruppen wäre es kaum möglich gewesen, effizient zu arbeiten oder gezielt Anpassungen vorzunehmen. Rückblickend war diese frühe Investition in Ordnung entscheidend dafür, dass das Projekt nicht im Chaos endete.
Der Import der Audiodaten aus dem Premiere-File verlief hingegen überraschend reibungslos. Dank früherer Erfahrungen mit ähnlichen Workflows konnte ich die Exporte sauber vorbereiten und ohne grössere Reibungsverluste in Logic weiterverarbeiten. Das nahm früh Druck aus dem Prozess und erlaubte es mir, den Fokus schnell auf die inhaltlichen und klanglichen Aspekte zu legen.
Die mit Abstand grösste Hürde stellte das Audio-Cleanup dar. Mit 5+ Mikrofonquellen, aufgenommen in sehr unterschiedlichen Umgebungen und Qualitätsstufen, war es eine Herausforderung, einen homogenen Klang zu erzeugen, der sich über die gesamte Länge der Dokumentation konsistent anfühlt. Rauschen, Wind, leichte Verzerrungen oder wechselnde Raumcharakteristiken verlangten nach viel Detailarbeit und teils auch Nachvertonungen. Ziel war dabei nie Perfektion, sondern eine klangliche Einheit, die den Inhalt trägt, ohne vom Bild oder der Geschichte abzulenken.
Der iterative Austausch mit Giack und Luki erwies sich als zentraler Bestandteil des Projekts. Zwei Feedbackrunden halfen dabei, dramaturgische Schwerpunkte im Sound klarer herauszuarbeiten und Feinjustierungen vorzunehmen. Gleichzeitig zeigte sich hier auch die Realität von Filmproduktionen: Last-Minute-Änderungen am Vortag der Premiere gehörten genauso dazu.
Fazit
Die Arbeit an einem langen Format machte mir deutlich, wie stark saubere Vorbereitung, klare Workflows und ein strukturierter Austausch den Unterschied ausmachen, oder eben in exponentiell grösseren Schwierigkeiten enden könnten. Auch die zeitliche Einschränkung und die des Rohmaterials halfen, den Prozess so effizient wie möglich zu gestalten und nur dort den «Doktor zu machen», wo es für die Story wirklich wichtig war.