Kürzi Kakao: Werbecommercial

Schokolade, die einem auf der Zunge zergeht. Der süsse Geschmack im Mund… alleine der Gedanke an den beliebten Zuckersnack lässt einem das Wasser im Munde zusammenlaufen. Doch wie kann man den leckeren Geschmack und den süssen Duft mit Bildern einfangen?

Dieser Herausforderung haben wir uns gestellt und in Zusammenarbeit mit Kürzi Kakao 4 Spots zu den unterschiedlichen Schokosorten erstellt. Ein Werbecommercial im Studio zu drehen, hat nicht nur die Schokolade unter den Spotlights zum schmelzen, sondern auch uns ziemlich ins Schwitzen gebracht. Denn was als Endprodukt so einfach aussieht, ist in der Realität doch etwas anspruchsvoller. Die Produktion haben wir in einem «Behind the Scenes» Video festgehalten.

Das Ergebnis selbst macht Lust auf die exklusiven Schokosorten von Kürzi Kakao.

Und hier noch ein «Before-After» Video, dass unsere Postproduction-Schritte visualisiert:

(hil)

Idee

Ursprünglich wollten wir einfach mal ein Werbecommercial Video im Studio drehen. Die ästhetischen Videos, die uns immer auf Instagram und Youtube vorgeschlagen werden, waren unsere Inspiration und unser Ziel. Zu Beginn stellten wir uns eher etwas in Richtung Kaffee vor und planten bereits eine Kontaktaufnahme mit einem Café in Bern. Über einen Job von Selina kamen wir dann auf den Hersteller Kürzi Kakao. Durch deren Ästhetische Verpackung, die Firmenphilosophie und den vorzeigbaren Instagramkanal, fiel unsere Wahl schließlich auf deren Schokolade als Produkt. Die Challenge: Durch Bilder das Gefühl, den Duft und den Geschmack der unterschiedlichen Schokosorten einfangen und an den Zuschauer rüberbringen.

Ziele

  • Studioaufbau / Studiofilmen
  • Ultra Slow Motion Aufnahmen
  • Makroaufnahmen
  • Greenscreen
  • Sehr viel Postproduction
  • Lichteinsatz im Studio
  • Audioeinsatz
  • 4x 20-30 sekündige Clips
  • Behind the Scenes Video (Vergleich Making off im Studio -> Endshot) Social-Media optimiert

Ablauf/Vorgehen 

Produkt definieren

Wie bereits erwähnt wechselte unsere Wahl von Kaffee zu Kakao. Kürzi Kakao bot sich dabei ideal als Partner an, da die unterschiedlichen Schokosorten sehr verschiedene Videos ergeben. Wir entschieden uns für die Sorten Haselnuss, Hibiskus/Ingwer und Kokosnuss. Auf Kundenwunsch hin, fügten wir noch die vierte Sorte, dunkle Schokolade, hinzu.

Inspirationen auf Instagram & Youtube anschauen

Fast täglich spamten wir uns gegenseitig auf Instagram mit Videos zu, deren Stil wir adaptieren wollten. Algorithmus sei dank, wurden uns auch zahlreiche Video vorgeschlagen, die Behind the scenes aufzeigen und wir konnten dadurch gut recherchieren, wie wir unsere Aufnahmen umsetzen können.

Shotideen sammeln

Schließlich sammelten wir die schönsten Shotideen in einem gemeinsamen Google Doc und suchten insbesondere nach Ideen zu unserem Produkt, der Schokolade.

Umsetzungsmöglichkeit und benötigtes Material brainstormen

Nebst der Ideensammlung versuchten wir auch gleich Umsetzungsmöglichkeiten zu sammeln und begannen mit dem Erstellen einer Materialliste. So wurde schon früh klar, dass sehr viel Material für den Dreh benötigt werden würde.

Storyboard erstellen

Nach der ersten Ideensammlung ging es an die Ausarbeitung eines Storyboards. Auch dies erfolgte via gemeinsamen Google Drive. Nebst der Szenenplanung beinhaltete das saubere Storyboard auch Vermerke zu Kameraeinstellungen, Anmerkungen für die Postproduktion und eine Auflistung des benötigten Materials oder Zusatzhilfen. Wir hatten das Gefühl, ein gutes Storyboard erstellt zu haben. Nachträglich wurden wir eines Besseren belehrt. Es hätte noch viel detaillierter ausgearbeitet werden sollen. Uns fehlten Informationen zum Hintergrund (Greenscreen oder weiss?) und auch die Gliederung war für den Dreh zu unstrukturiert. Eine Aufteilung nach Schokosorten reichte nicht. Aufgrund des hohen Vorbereitungsaufwands on set, wäre ein genauer Drehplan nötig gewesen.

Kontaktaufnahme mit Kunde (Schokolade sponsoren lassen)

Nachdem das Konzept stand und die Videos zumindest in unserem Kopf sichtbar waren, organisierten wir uns den Kontakt zur Kundin und informierten sie über unser Vorhaben. Sie war sofort Feuer und Flamme und schickte uns umgehend einige Samples, sowie Kakaobohnen & -Butter für den Dreh. Das Projekt verkauften wir ihr eher als Schulprojekt, da wir uns zum ersten Mal einem solchen Studiodreh widmeten und behielten dadurch die vollumfängliche Entscheidungsfreiheit über die Videos. Wir würden ihr dann die fertigen Spots zur Verwendung zusenden. Lediglich was die Schokosorten betrifft, nahmen wir ihren Wunsch an, auch für die dunkle Schokolade ein Video zu erstellen.

Drehtage fixen

Etwas optimistisch planten wir lediglich 1 Drehtag für den kompletten Dreh. Grund dafür war auch der Kostenfaktor, da wir noch externes Material ausleihen wollten. Als Drehort wählten wir das Produktionsstudio im SRF.

über Kameratechnik informieren

Auf den Seiten der Filmemacher, die wir bereits über unsere Recherche gefunden haben, schauten wir, welche Kameras und Objektive sie verwendeten. Zusätzlich kontaktierten wir einen Dozenten mit Fragen zum geeigneten Objektiv, der uns wiederum an Studenten aus dem oberen Semester verwies, die kürzlich einen ähnlichen Dreh gemacht hatten. Schliesslich entschieden wir uns für einen Dreh mit der Sony A7 SIII sowie dem Laowa 100mm F2.8 2:1 Ultra Macro APO E Mount Objektiv und einem Laowa Macro Probe 24m F14, welches wir alles über Zumirent mieten konnten. Für die behind-the-scenes Aufnahmen verwendeten wir unsere eigenen Kameras, Sony A7 und Lumix S5.

gesamtes Material organisieren

Nebst der Technik mussten wir auch zahlreiche Lebensmittel für den Dreh organisieren, sowie Materialien wie eine Drehplatte, Plastik als Schutz vor der Sauerei, eine Elektroherdplatte etc. Die Materialorganisation stellte sich als zeitaufwändig heraus. Beim Dreh bemerkten wir dann auch, dass gewisse Lebensmittel nicht so toll aussehen, wie wir es wollten. Beispielsweise war die Erdbeermilch nicht rosa oder Choco Drinks zu hell und dünnflüssig. Aus diesem Grund verwenden wohl auch viele für solche Drehs Farbe anstelle von Lebensmittel. Materialtechnisch gibt es noch zu vermerken, dass wir saisonbedingt leider keine Hibiskusblüten für den Dreh mit der Hibiskus Schokolade erhalten haben.

Drehtag 1

Beim Dreh selbst wurde uns schnell bewusst, dass die Endergebnisse einfacher aussehen als der Dreh selbst tatsächlich ist. Trotz dem grossen Raum hatten wir schnell ein Chaos, nicht nur mit den Lebensmitteln, sondern auch mit den vielen Kabel aufgrund des benötigten Lichts. Die Lichtstative und das Kamerastativ der Behind the scenes Kamera waren nebst dem Kabelsalat fiese Stolperfallen. Auch haben wir uns nicht das einfachste Produkt ausgesucht. Da für die Schokoshots flüssige Schokolade nötig ist, war der Vorbereitungsaufwand mit Schmelzen sehr mühsam. Die Sauerei darf man sich denken.  Wir hatten grosse Schwierigkeiten mit dem Ausleuchten der Produkte, sprich dem Platzieren der Lichtquellen. Zusätzlich wechselten wir etwas oft zwischen den Objektiven hin und her und der ganze Dreh wirkte aufgrund unserer Shotlist sehr chaotisch. Eine weitere große Schwierigkeit war das Fokussieren der bewegenden Objektive (z.B. Nüsse in die Luft werfen). Zusätzlich mussten wir sehr an den Kameraeinstellungen feilen, um kein Bildrauschen zu haben, was uns aufgrund der ausreichenden Lichtquelle und guten Kamera sehr fragwürdig erscheint. Obschon wir das Gefühl hatten, genaue Vorstellungen von den Endvideos zu haben, wirkte der erste Dreh etwas durcheinander und unstrukturiert.

Materialsichtung

Dementsprechend bemerkten wir bei der Materialsichtung, dass die Shots wohl nicht für 4 einzelne Spots ausreichen würden. Nach langem hin und her überlegen waren wir uns einig, dass wir uns nicht mit dem ersten Versuch zufrieden geben möchten und einen weiteren Drehversuch starten wollen.

Storyboard optimieren

Beim ersten Dreh haben wir so viel gelernt, dass wir die Erkenntnisse für die Planung des zweiten Drehs sogleich umsetzen wollten. Das Storyboard wurde komplett optimiert. Für jeden Clip erarbeiteten wir einen genauen Drehplan, welcher Shot auf welchen folgt und wie das Endvideo entsprechend aussehen sollte. So konnten wir auch stimmige Transitions vorab planen. Zusätzlich füllten wir die Postproduktion Sparte viel detaillierter aus, um in der Postproduktion gezielt arbeiten zu können. Auch definierten wir die Hintergrundfarbe einheitlicher, da wir beim ersten Dreh wild zwischen green, weiss und schwarz wechselten. Als schließlich die genauen Storyboards pro Clip standen, ordneten wir die Aufnahmen wie einen Drehplan. So konnten wir sicherstellen, dass wir nicht ständig zwischen den Hintergründen wechseln müssen und der Drehablauf so geplant war, dass die Schokolade nicht plötzlich schon kaputt ist, obwohl wir sie noch brauchen oder die geschmolzene Schokolade nicht schon wieder verhärtet, obwohl uns noch Aufnahmen fehlen. Diese detaillierte Planung liess uns optimistisch an den 2. Dreh rangehen.

gesamtes Material erneut organisieren

Und erneut galt es: Die grosse Materialorganisation. Obschon der 2. Drehtag nur 10 Tage auf den ersten folgten, machten wir uns nochmals an die Organisation. Zur Optimierung besorgten wir eine Kochplatte, denn das Schmelzen mit Kerze & Schale war sehr mühsam, und kontaktierten sogar einige Floristen für Hibiskusblüten – was leider saisonal bedingt ins Wasser gefallen ist. Da uns bei den ersten Aufnahmen der Fokusbereich zu gering schien, wollten wir diesen Dreh mit Selinas Panasonic Lumix S5 und dem Makroobjektiv 24-105mm f/4 probieren.

Drehtag 2

Bereits der Aufbau am 2. Drehtag liess uns optimistisch stimmen. Wir merkten, dass wir viel gelernt haben und gingen viel ordentlicher und strukturierter vor. Durch den genauen Drehplan verlief der Dreh sehr strukturiert und schnell hatten wir Shot für Shot im Kasten. Um sicher zu gehen, dass nicht noch ein weiterer Dreh nötig sein würde, schauten wir das gefilmte Material jeweils sofort auf dem Laptop an. Leider hatten wir auch dieses mal ziemliche Schwierigkeiten mit dem Fokus sowie Bildrauschen. Der Autofokus wollte nicht so recht wie wir wollten und ab 180 fps mussten wir den sowieso manuell einstellen. Jeder Shot brauchte mehrere Versuche. Wir lernten, dass für solche Makroshots definitiv ein zusätzlicher Bildschirm nötig ist, um den Schärfebereich ideal zu erkennen.

Materialsichtung

Bei der erneuten Materialsichtung stellten wir erfreut fest, dass sich der 2. Drehtag sehr gelohnt hat. Die Befürchtungen mit dem Rauschen und Fokusproblem waren doch nicht so schlimm wie zuerst angenommen. Nun hatten wir genügend Aufnahmen, um 4 Clips schneiden zu können.

Musik suchen

Die Musikfindung war gar nicht so einfach. Auf Artlist filterten wir nach unterschiedlichen Moods und 20-30 Sekunden Länge. Schliesslich entschieden wir uns für einen Song, der unser Intro mit der Lichtfahrt passend unterstreicht. peppige Beats hat, aber auch verlangsamungen für die SlowMotion Szenen. Zusätzlich suchten wir Audio SFX um noch Soundeffekte für einzelne Sequenzen (Nüsse die fallen, Flüssigkeiten) einzubauen.

Rohschnitt

Wir dachten, die Organisation und der Dreh waren schon sehr aufwändig. Doch nun kam der eigentlich aufwändigste Teil: Die Postproduction. Diese startete mit dem Rohschnitt, bei dem wir uns abwechselten. Shawna sortierte erstmal alle Aufnahme nach Sorte und labelte mit entsprechenden Farben. Selina schaute diese dann durch und hängte die Shots gemäss Storyboardreihenfolge aneinander. Schliesslich folgte das Schneiden auf den Rhytmus was manchmal gar nicht so einfach war, da unsere Laptops kaum mit den grossen Datenmengen umgehen konnten.

Postproduction

Abwechseln arbeiteten wir an der Postproduktion. Im Team funktionierte das super, da wir die Videos beide mit neuen Ideen ergänzten und uns so kreativ auslebten und auch immer wieder absprachen. Durch die gemeinsame Ordnerstruktur war es kein Problem, ortsunabhängig und von verschiedenen Geräten aus am selben Projekt zu arbeiten. Die Farbkorrekturen nahmen wir gleich fortlaufend vor, da das Endergebnis so gleich sichtbarer wurde und wir damit motivierter im Schnitt arbeiten konnten. Fast alles machten wir in Premiere Pro. Wir arbeiteten viel mit Masken und Effekten. Für das Outro stellten wir Standbilder in Photoshop frei und fügten die PNGs wieder im Videoschnittprogramm ein. Den Hintergrund-Effekt erstellten wir in After-Effects. Rauch fügten wir auch in Premiere Pro ein.

Feinschnitt

Nach dem Rohschnitt hatten wir noch eine Liste mit offenen To-Dos und Punkten, die wir nicht ganz so hinkriegten. Diese fehlten uns also noch für den Feinschnitt. Dafür holten wir uns Hilfe von unserem Postproduction-Dozenten, sowie Mitstudenten, googelten sehr viel und verbrachten viel Zeit mit Youtube-Tutorials.

Thumbnails erstellen

Da das Outro bei allen Videos stand, erstellten wir mit der Standbild-Funktion einfach einen Screenshot im Premiere-Pro und verwendeten die Schlussbilder als Thumbnails. Für das Digezz-Foto drapierten wir die Schokolade nochmals hübsch im Zimmer zu Hause und knipsten das Projektbild so ab. Die Bearbeitung erfolgte in Lightroom.

Endergebnis der Kundin präsentieren

Und am Ende des sehr aufwändigen Projekts waren nicht nur wir, die wir eher perfektionistisch veranlagt sind, happy, sondern auch die Kundin freute sich unglaublich über das Endergebnis.

Learnings

  • Der Aufwand hinter einem solchen Studiodreh ist im Endprodukt meist nicht erkennbar und wird definitiv unterschätzt.
  • Einen Dreh mit 4 verschiedenen Produkten aufs mal zu machen, wird schnell chaotisch.
  • Die Hintergrundfarbe sollte fix als Papier in der richtigen Farbe organisiert werden, um Greenscreens zu ersparen.
  • Bei einem Studiodreh sieht die Shotlist/das Storyboard anders aus.
  • Sehr viel Technisches (Fokussieren / Slowmotion).
  • Viele Effekte in der Postproduktion.
  • Lichteinsatz im Studio.
  • Lebensmittel sehen im Film nicht immer so schön aus wie man es erwartet – da wird viel gefaked.
  • Wie man eine Kokosnuss knackt.

Fazit

Obschon es die Videos auf unsere Portfolios geschafft haben, werden wir wohl beide keine Studiovideographinnen. Vielleicht lag es aber auch an dem nicht einfachen Produkt. Die Videos, die im Internet kursieren, sehen immer so einfach aus, doch das ganze Making-off ist definitiv next level. Besonders wenn man sich noch ein eher schwieriges Lebensmittel wie die Schokolade aussucht.