Der Set-Ton
Wie genau bekommen die im Film die Dialoge so clean hin? Ist es wirklich nur das Lavalier?
Nein! Hier kommt der Boomer ins Spiel.
- Stehe per Zufall im Klassenzimmer rum, wenn deine Freund*innen über ihr absolut insanes Filmprojekt reden.
- Werde hellhörig wenn sie erwähnen, dass sie an gewissen Drehtagen zu wenige Menschen haben, die das Audio handeln.
- Lächle sie unangenehm an, bis sie fragen ob du helfen willst.
- Tauche auf dem Set auf.
- Halte mit all deiner Kraft und Seele die Boom.
- Gratuliere! Du bist ein Boomer.
Das Befolgen dieser sechs simplen Schritte führte dazu, dass ich viele Erfahrungen im Bereich Set-Ton sammeln durfte. Dafür schloss ich mich dem interaktiven Filmprojekt «Nachhall» an, das dieses Semester von einigen meiner Kommiliton*innen ins Leben gerufen wurde.



Der Ton wurde während der Dreharbeiten hauptsächlich über Lavaliermikrofone der Schauspielenden aufgenommen. Diese verkabelten wir jeweils zu Beginn des Drehtages. Immer wieder gab es jedoch Szenen, in denen Kleidung raschelte oder Dialoge und Bewegungen nicht ausreichend hörbar waren.
Für solche Fälle hatten wir die Tonangel. Mit ihr konnten wir den Ton besonders sauber und natürlich aufnehmen. Teilweise führten wir die Angel sogar von unten, um gezielt Schritte einzufangen. Gerade in Szenen mit viel Bewegung war die Tonangel oft die Rettung.
Zusätzlich mischten wir den Ton direkt am Set über das neueste Zoom-Aufnahmegerät. Damit nahmen wir gleichzeitig auch Stereo-Ton auf. Natürlich durfte dabei auch der Roomtone jeder Location nicht fehlen.
Immer wieder traten technische Schwierigkeiten auf. Auch ein spontaner Sprint zur nächsten Tankstelle, um Batterien zu besorgen, blieb uns nicht erspart. Die Probleme konnten jedoch gemeinsam im Team schnell gelöst werden, und ich profitierte enorm vom Wissen der gesamten Crew.
(mbi)
Bereits mehrfach durfte ich den Ton bei Interviews oder beim Sammeln von Atmo-Geräuschen für verschiedene Beiträge übernehmen. Das Audio für einen Spielfilm mit zu gestalten, war für mich jedoch Neuland.
Einen Einblick in diesen Bereich zu erhalten, war für mich ein grosses Privileg. Auf dem Set von Nachhall herrschte zudem eine sehr angenehme Atmosphäre, was das Lernen besonders erleichterte.
Die grösste Herausforderung war die Koordination zwischen Tonangel, Licht, Kameras und Schauspielenden. Teilweise drehten wir auf engem Raum, während gleichzeitig wichtige Dialoge und Kamera Schwenks geschahen. Die Tonangel musste dabei möglichst nah an die Schauspielenden gebracht werden, ohne ins Bild zu geraten.
Hinzu kamen immer wieder Störungen bei den Lavaliermikrofonen. Deshalb mussten wir während einzelner Szenen auf andere Mikrofone ausweichen, diese austauschen und neu verkabeln.
In Zukunft würde ich gerne bei noch mehr Drehtagen an unterschiedlichen Locations dabei sein. Einmal drehten wir draussen, was ich besonders spannend fand. Es gab praktisch immer störende Nebengeräusche. Die Entscheidung, ob ein Take wegen eines schreienden Kindes oder eines vorbeifahrenden Fahrzeugs wiederholt werden musste, war oft schwierig.
Auch in die Postproduktion würde ich gerne vertieft Einblick erhalten. Schon während des Drehs fragte ich mich häufig, was später genau mit den Audiospuren passiert. Waren die Störgeräusche tatsächlich so problematisch? Haben die Pegel wirklich nie übersteuert? Solche Fragen würde ich gerne genauer verstehen.
Insgesamt konnte ich sehr viel über Set-Ton lernen und einen Bereich kennenlernen, mit dem ich zuvor kaum Berührungspunkte hatte.