Auch der/die Chef*in ist mal ein „Möff“

Wenn du zu einem Mitarbeitergespräch geladen wirst, hat das meist einen bestimmten Grund. Wenn der Chef dann spricht, hat man zuzuhören, anzunehmen und zu antworten. Er ist ja schliesslich der Chef und weiss wie man’s macht. Doch ist dem wirklich so?

Nein. Chef*in sein muss auch gelernt sein und weil dies so wichtig ist, haben wir im Auftrag der Uni Bern dazu ein Schulungsvideo mit dem Titel «DAS MITARBEITERGESPRÄCH» produziert. Damit ganz viele zukünftige Chefs keine „Möffs“ sprich „blöden Kerle“ werden.

In internen «Leading» Kursen an der Uni Bern wird immer wieder ein bestimmtes Video verwendet. Das sollen die Teilnehmer anschauen und sich Notizen dazu machen. Wer sagt was und reagiert wie? Darf man so mit seinem Mitarbeiter sprechen? Danach werden die Notizen mit der Leitung besprochen. Damit dieses Video möglichst realitätsgetreu und modern umgesetzt werden konnte, kamen wir ins Spiel. Mit der Hilfe eines kleinen Drehteams, zwei Schauspieler (eine davon wir selbst), ist in den hohen und quietschenden Gemäuern der Uni Bern ein Schulungsvideo entstanden, dass nun wie bereits sein Vorläufer, für die nächsten 20 Jahre aus Mitarbeiter*innen unsagbar gute Chef*innen machen darf. Findet ihr die Fehler, die gemacht werden heraus? Wenn ja, was würdet ihr anders machen/sagen?

Wenn nicht, wie wäre es mit einem «Leading Kurs» an der Uni Bern? Jetzt aber erstmal viel Spass beim zusehen, lernen und dem späteren «Besser machen.»

Eindrücke vom Set dürfen natürlich auch nicht fehlen und haben mir als Reflexion und Learning stark geholfen.

Es gab auch Türen, die gar keine Türen waren. Damit aber alles echt genug aussah, musste man eben im Bild verschwinden. Auch wenn das heisst, dass man praktisch die Scheibe küssen musste..

(bas)

Kritik/Learning

 

Endlich überall dabei

Seit Beginn meiner Tätigkeit als Schauspielerin träumte ich vom eigenen Projekt. Einmal alles selbst machen. In der Schauspielschule war ich immer die, die man gefragt hat, wenn es darum ging eine Darbietung aufzunehmen. Wohl weil bei mir die Aufnahmen weniger verwackelt waren, meist mittendrin nicht von Hoch auf Querformat gewechselt wurde oder man eben spüren konnte, dass es mir häufig nicht nur um das «davor» ging. Je mehr Projekte ich als Schauspielerin hatte, desto mehr sah ich auch in den Ablauf am Set. Je grösser die Engagements wurden, desto spannender und komplexer sahen die Abläufe davor, dahinter und danach aus. Immer grösser wurde der Wunsch auch selbst mehr in die Technik des «Filmens» einzutauchen und immer grösser der Drang einmal mein eigenes erstes Filmprojekt zu realisieren. Als ich in der Uni in Bern sass, ging es plötzlich schneller als erwartet. Ein E-Mail später, war sie da. Die erste Anfrage für ein Drehprojekt. «Ob ich nicht Lust hätte gleich alles zu machen? Ich sei ja Schauspielerin», stand in der Mail. Klar, ist ja pupseinfach 😉

 

Aus alt wird (einfach) neu

Ein Mitarbeitergespräch als Video, was in diesem Unternehmen intern als wichtiger Übungszweck diente und immer ausführlich besprochen wurde, sollte neu geschrieben, gespielt und gedreht werden. Die Konversation spielt sich zwischen einem Chef und seinem Mitarbeiter ab. Wobei der Chef sich durchgehend falsch verhalten soll. Nicht zu offensichtlich, dennoch erkennbar. Die aktuelle Version wurde mir später zugeschickt. Sie war, wie vorausgesagt, «etwas in die Jahre gekommen». Bild, Ton und vor allem die Kameraeinstellungen sahen sehr dürftig aus. Von den Kleidern, dem Auftreten und der Aussprache der Protagonisten ganz zu schweigen. Ich schätze, der Dreh des alten Filmes entstand wohl, bevor einige von uns das Licht der Welt erblickten. Diese Version zu Überbieten wird wohl nicht so schwer sein. Die Kamera muss einfach übernommen werden. Da ich schlecht vor und gleichzeitig hinter der Kamera stehen kann, so dachte ich. Den Rest kriege ich sicher alleine hin. So lerne ich endlich das Schnittprogramm besser kennen. Aber so einfach wie gedacht, war nichts neu gemacht. Ich sah am Anfang nicht, wie aufwändig das Schreiben eines Drehbuches, das Zusammensuchen des Teams und das permanente Absprechen mit den Vorstellungen des Kunden ist, bevor ein Dreh überhaupt umgesetzt werden kann.

 

Wenn alles nach Plan laufen würde.

Wäre das Leben ja Langweilig nicht wahr?

Schon frühzeitig nahm ich Kontakt mit dem Auftraggeber auf und klärte erste Dinge. Da wurde mir erst richtig bewusst, was es alles zu beachten gibt und dass nun auch ein Leistungsdruck auf mir liegt. Es ist ja nicht nur ein „Übungsprojekt“. Ich begann mir einen Plan zu schreiben und startete mit der Suche nach einem kleinen Drehteam. Die Mitstudentin Joanne Belser hat sich mir angeschlossen und übernahm das Licht, die Kamera und der Ton vor Ort. Es vergingen ca. 2 Monate bis ich verlässliche und fixe Zusagen sowie alle nötigen Informationen hatte, um meinen ersten Drehplan erstellen zu können. 1-2 Wochen vor dem Dreh stand alles. Die Rollen waren verteilt, der zweite Schauspieler organisiert, das Drehbuch geschrieben, der Text abgesprochen, neu überarbeitet und auswendig gelernt. Die Chefin, der Mitarbeiter und eine Kamerafrau fuhren mit dem Auto sowie dem gesamten Drehequipment ans Set. Durch das wir zuvor die Räumlichkeiten ansehen konnten, konnten wir uns gut vorbereiten und das richtige Drehequipment mitnehmen. Der Dreh lief gut und die Postproduktion war, dank einer fundierten Organisation am Set gut umsetzbar. Danach sollte noch die selbst geschriebene OFF-Stimme eingesprochen und die etwas schwierigen Lichtverhältnisse im Unigebäude mit dem Color Grading korrigiert werden. Auch dies nahm mehr Zeit in Anspruch als geplant.

 

Learnings

Wenn man auf einmal viele Rollen am Set erfüllen muss, dessen Verantwortung man selber trägt, ist es eine Kunst im darstellenden Spiel zu bleiben. Die Augen, Ohren und Hände sind wachsam und überall.

Ich habe bemerkt, dass wir bisher keinerlei Informationen über die Erstellung einer «Dreh-Offerte» erhalten haben, dass die Dramaturgie einer Szene sowie das Drehbuch schreiben selbst viel mehr Recherche in Anspruch nahm als vorausgedacht. Dass ich die Postproduktion immer ca. doppelt so lange einzurechnen habe, wie die Zeit am Set. Ausserdem, habe ich gelernt, wie wunderbar es ist, wenn Mitstudierende gewillt sind zu helfen und dass «über sich selbst lachen» eine grosse Gabe ist.

 

Dank

Einen grossen Dank möchte ich Joanne Belser aussprechen, die mir immer hilfsbereit zur Seite stand. Sei es als Kamerafrau oder als hilfreiche Hand, wenn ich mal blind im Schnittprogramm ein Tool gesucht habe. Es sei ihr daher vergönnt, weiterhin beherzt über mich lachen zu dürfen. Zudem möchte ich Jan Simon Christen danken, der sich in die Rolle des Mitarbeiters schmiss und sich die Zeit genommen hat, den Text zu lernen. Zu guter Letzt geht ein grosser Dank an Herrn Michel und die Uni Bern, die uns das Drehen vor Ort ermöglicht haben und mir ihr Vertrauen gaben, diesen Auftrag erfolgreich umzusetzen.