Als mein Dorf zum Content-Projekt wurde
Social Media Management für das Dorffest Fislisbach 2026
Ein Dorffest klingt zuerst nach Bratwurst, Musik und Festbänken. Für mich klang es irgendwann auch nach Canva-Dateien, Reels, Captions, Storys und sehr vielen offenen Tabs.
Für das Dorffest Fislisbach 2026 durfte ich über mehr als ein Jahr hinweg die Social-Media-Kommunikation mitgestalten und betreuen. Was klein begann, entwickelte sich Schritt für Schritt zu einem umfassenden Projekt: vom Logo über den Aufbau der Instagram- und Facebook-Kanäle bis hin zu Beiträgen rund ums Programm, Reels, Storys, Live-Eindrücken und der Kommunikation während und nach dem Fest.
Schon in einem früheren Digezz-Projekt beschäftigte ich mich mit dem Dorffest. Damals erstellte ich einen KI-Leitfaden für Eventmarketing am Beispiel des Fislisbacher Dorffests. Ein Jahr später war ich dann selbst mittendrin: vom Kindergartenkind, das vor 17 Jahren das Dorffest besucht hatte, zur Studentin, die das Social Media fürs Fest managt.
Vom iPad auf die Festplakette
Am Anfang stand das Logo. Meine Mutter, die im OK für die Kommunikation zuständig ist, hatte mit KI erste Entwürfe generiert. Gemeinsam wählten wir eine Richtung aus, danach bearbeitete ich das Logo in Adobe Illustrator auf dem iPad. Ich passte Formen an, bereinigte Details, ergänzte Datum, Ort und Schriften.
Plötzlich wurde aus meinem Entwurf ein offizielles Logo. Schneller als gedacht landete es auf T-Shirts, Festplaketten, Flyern, Bannern, dem Festbier und Festwein, der Website und in der Festzeitung. Hätte ich das vorher gewusst, wäre ich wahrscheinlich noch wochenlang in Detailkorrekturen versunken.
Kein Hochglanz, sondern Fislisbach
Parallel dazu baute ich die Social-Media-Kanäle auf. Instagram und Facebook mussten nicht nur schön aussehen, sondern vor allem informieren, Vorfreude schaffen und zum Dorffest passen. Kein Hochglanzfestival, wie ich es vom Zurich Film Festival gewohnt war, sondern ein Fest von Fislisbach für Fislisbach.
Während der Vorbereitungszeit entstanden Posts zu Festplaketten, Sponsoren, Beizli, Bars, Streetfood, Festzeitung, Programm, Aufbauarbeiten, Dorf-Märt und Countdown. Dabei zeigte sich einmal mehr, wie viele Aufgaben hinter der Kommunikation eines solchen Anlasses stecken. Es ist Redaktionsplanung, Informationssortierung, Gestaltung, Textarbeit, Timing und Community-Gefühl gleichzeitig, und das alles alleine.
Wenn KI hilft und nervt
Für die Umsetzung nutzte ich vor allem Canva, Adobe Illustrator, Instagram/Meta und verschiedene KI-Tools. ChatGPT war mein wichtigster Sparringpartner für Struktur, Captions, Varianten und Formulierungen. Claude und Gemini nutzte ich zusätzlich für visuelle Ideen, Postvarianten und weitere Perspektiven.
Die KI half mir, schneller zu denken. Gleichzeitig nutzte ich das Projekt bewusst auch als Experimentierfeld für neue KI-Tools. Besonders positiv überrascht hat mich Claude Design, das mir bei visuellen Konzepten und Layoutideen teilweise bessere und kreativere Ansätze lieferte, als ich erwartet hätte. Gleichzeitig merkte ich aber auch: Wenn man nicht aufpasst, wird der Output generisch.
Rotterdam ruft, Fislisbach feiert
Die intensivste Phase war die Festwoche selbst. Das Dorffest startete am Mittwoch, 3. Juni 2026, und ich war auf Studienreise in Rotterdam. Ein grosses Dankeschön geht deshalb an meine Freundin, die in dieser Zeit die Live-Storys übernahm. Ich arbeitete aus der Ferne mit geplantem Content, Fotos und Videos, die mir andere schickten. Das funktionierte, war aber nicht ideal.
Ab Freitag war ich selbst am Fest. Dort merkte ich erst richtig, was diese Rolle bedeutet: Ich war gleichzeitig Besucherin und Social-Media-Verantwortliche. Während andere den Abend genossen, filmte ich, fotografierte, sichtete Material und fragte mich ständig: Was muss jetzt raus? Was zeigt die Stimmung am besten? Wen darf ich nicht vergessen?
Was die Zahlen nicht zeigen
In den letzten 90 Tagen erreichte der Instagram-Kanal 368’201 Aufrufe, 12’103 erreichte Konten, 7’763 Interaktionen und 5’906 Profilaufrufe. 394 Personen klickten auf den Link zur Dorffest-Website. Kurz nach dem Fest stand der Kanal bei 694 Followern, nur sechs entfernt von der 700er-Marke.
Noch wichtiger als die Zahlen war für mich aber etwas anderes: Während des Festes sagten mir mehrere Personen, dass sie über Instagram erfahren hätten, was wann wo stattfindet. Der Kanal war also nicht nur Dekoration, sondern ein echter Informationskanal für die Dorfgemeinschaft.
Besonders gefreut hat mich auch, dass viele Festbeizen und Bars selbst tolle Videos produzierten und wir mehrere gemeinsame Collab-Posts umsetzen konnten. Dadurch entstand das Gefühl, dass nicht nur ich Inhalte veröffentlichte, sondern viele Beteiligte gemeinsam zur Kommunikation des Dorffests beitrugen. Während des Festes erhielt ich zudem immer wieder Komplimente für die Social-Media-Arbeit. Zu sehen, wie viel Freude die Menschen an den Beiträgen hatten und wie sie sich darin wiederfanden, war für mich mindestens so wertvoll wie die erreichten Zahlen.
Hier der Link zum Instagram-Account: https://www.instagram.com/dorffestfislisbach/ oder schau dir in der Galerie ein paar Impressionen meiner Arbeit an:














(mbi)
Besonders gut funktionierten Inhalte, die nah am echten Festgefühl waren. Der Dankespost und ein Reel vom Aufbau erzielten besonders viele Interaktionen, obwohl ich dafür weniger Zeit investierte als in andere Inhalte. Das zeigte mir: Menschen reagieren weniger auf perfekte Programmankündigungen, sondern auf Emotion, Vorfreude und echte Momente.
Der Aufwand war viel höher, als ich am Anfang dachte. Fast 30 Beizli, Bars und Foodstände, ein grosses Musikprogramm, Dorf-Märt, Kinderangebote, Sponsoren, Helfende, Festzeitung, Plaketten, Verlosung und laufend neue Inputs aus dem OK mussten irgendwie in verständliche Kommunikation übersetzt werden.
Schwierig war auch, dass ich fast alles alleine machte. Das gab mir Freiheit, aber manchmal fehlte eine klare Feedbackperson. Bei mutigeren Ideen, zum Beispiel Meme-Content oder Interviews mit Besuchenden, blieb ich oft im Denkmodus hängen. Vielleicht, weil mich im Dorf viele kennen. Vielleicht auch, weil mir jemand fehlte, der sagte: «Das ist gut, poste es.»
KI war in diesem Projekt extrem hilfreich, aber auch eine Stolperfalle. Sie half mir beim Sortieren, Formulieren und Variieren. Gleichzeitig kann sie keine lokale Stimmung ersetzen. Ein Dorffest hat einen eigenen Ton. Es braucht Wissen über das Dorf, über Namen, Menschen, Stimmungen und kleine Details.
Ausserdem hätte ich alles, was möglich war, früher vorbereiten sollen. Während der Studienreise in Rotterdam wollte ich zum Beispiel noch einen «Morgen startet das Dorffest»-Post machen. Ich hatte zu wenig Zeit und liess ChatGPT die Grafik erstellen. In dem Moment war das praktisch. Heute sehe ich ähnliche KI-Grafiken überall im Internet. Genau das ärgert mich.
Beim nächsten Mal würde ich deshalb früher eigene Vorlagen entwickeln und Behind-the-Scenes-Content von Anfang an einplanen. Aufbauarbeiten, Vorbereitungen, Freiwillige und leere Festplätze vor dem Start machen ein Event lebendig. Ein paar Drohnenaufnahmen vom Aufbau haben gezeigt, wie stark dieser Content sein kann. Auch Interviews oder kurze Stimmen von Besuchenden hätten dem Kanal noch mehr Nähe gegeben.
Für ein nächstes Event würde ich zudem eine Feedbackperson bestimmen, die schnell mitentscheidet. Nicht als Kontrolle, sondern als Sicherheit. Gerade während eines Live-Events hilft es, wenn jemand kurz sagt: «Ja, mach das.» Zusätzlich könnte ich mir vorstellen, mit einer jüngeren Person zusammenzuarbeiten, die sich für Social Media interessiert und vor allem bei spontanen Videos mithilft.
Was hängen bleibt
Social Media für das Dorffest Fislisbach war für mich ein echtes Praxisprojekt: unperfekt, intensiv, manchmal stressig, aber sehr lehrreich. Ich habe gelernt, wie wichtig Planung, Wiedererkennbarkeit, Timing und lokale Sprache sind. Vor allem aber habe ich gelernt, dass gute Eventkommunikation nicht nur informiert. Sie macht ein Gefühl sichtbar.
Und genau das zeigte sich während des Festes deutlich: Die Follower mochten nicht unbedingt den perfektesten Content, sondern den nahbaren, echten und manchmal unperfekten. Vielleicht war genau das am Ende der beste Beweis dafür, dass der Kanal zum Dorffest passte.