Konzertfotografie – Der Sprung ins kalte Wasser
Im Mai habe ich mich zum ersten Mal an die Konzertfotografie gewagt und durfte dabei ROYAL STRY, die Band meiner Schwester, beim Auftritt fotografieren. Dabei wurde ich direkt ins kalte Wasser geworfen: Die Location war ein umfunktioniertes Fotostudio, das für das gewählte Konzertambiente viel zu dunkel ausgeleuchtet war. Dieser Bericht zeigt, wie das Projekt zu einer echten technischen Herausforderung wurde, warum lichtstarke f/1.4-Festbrennweiten meine Rettung waren und wie ich mich bei meiner allerersten Bildbearbeitung in Adobe Lightroom durch verrauschte RAW-Dateien gekämpft habe.
Mit dieser Herausforderung im Hinterkopf zog es mich im Mai nach Kriens im Kanton Luzern. Auf dem Plan stand kein Standard-Event, sondern das Live-Konzert meiner Schwester Céline, die zusammen mit Phil als «ROYAL STRY» auf der Bühne stand. Ausgerüstet mit einer Sony A7 III und drei lichtstarken Objektiven hatte ich das klare Ziel vor Augen, die intime, musikalische Stimmung des Abends so authentisch wie möglich einzufangen. Die Kamera sollte einfach ein natürlicher Begleiter des Abends sein und die Momente einfangen, die sich spontan ergeben. Das Ergebnis ist eine Fotostrecke, welche die Emotionen und die dichte Stimmung des Konzerts transportiert, für die Musiker als schöne Erinnerung und für alle anderen als atmosphärischer Einblick.
Vor Ort habe ich dann aber ziemlich schnell gemerkt, dass ich permanent unter Strom stehe und die Bühne abscanne, um den perfekten Frame zu finden. Zudem hatte ich Angst davor, dass die Fotos unscharf sein könnten, da das Licht auf der Bühne sehr schwach war. Ich habe deshalb auf Serienaufnahme eingestellt, sodass ich von jedem Moment direkt sechs Bilder habe. Schliesslich hatte ich keine Zeit, die soeben geschossenen Bilder anzuschauen, nur um sicher zu gehen, dass sie scharf sind. Gegen Ende des Konzerts, nachdem ich die Anzahl gemachter Bilder sah, habe ich mich dann aber bewusst dazu gezwungen, weniger, dafür aber gezieltere Fotos zu machen.
Für mich war dieses Projekt in vielerlei Hinsicht eine echte Premiere: Es war das erste Mal, dass ich ein Live-Konzert fotografiert habe. Da ich zuvor noch nie mit Adobe Lightroom gearbeitet hatte, stand ich direkt vor der nächsten Challenge. In der Nachbearbeitung war mir schnell klar, dass ich einen einheitlichen, knackigen Look kreieren wollte, der den Bildern trotz der schwierigen Bedingungen einen roten Faden verleiht. Das bedeutete für mich, ich musste mich intensiv damit auseinandersetzen, wie man unterbelichtete RAW-Dateien rettet und das digitale Bildrauschen in den Griff bekommt.
Am Ende ist eine Bilderserie entstanden, die nicht nur die Stimmung des Abends festhält, sondern für mich persönlich auch den erfolgreichen Sprung in ein völlig neues kreatives Feld bedeutet.












(mmi)
Der Einstieg ins Projekt gelang mir problemlos. Schon nach kurzer Zeit merkte ich, wie viel Freude es mir bereitet, flüchtige Momente auf der Bühne festzuhalten. Gleichzeitig war die technische Seite des Projekts für mich komplettes Neuland. Adobe Lightroom hatte ich zuvor noch nie verwendet. Nach einer kurzen Eingewöhnungsphase fand ich mich jedoch gut zurecht, da die Software intuitiv aufgebaut ist und viele Funktionen logisch strukturiert sind. Mittlerweile bin ich total fasziniert davon, was man mit Adobe Lightroom alles machen kann!
Deutlich unterschätzt habe ich hingegen den Aufwand der Bildauswahl. Mehrere Hundert Aufnahmen zu sichten, konsequent auszusortieren und die stärksten Bilder herauszufiltern, nahm wesentlich mehr Zeit in Anspruch als erwartet. Zudem hatte ich jedes Bild einmal als JPEG- und einmal als RAW-Datei gespeichert. Häufig musste ich zu dunkle Bilder zuerst aufhellen, um deren Bildqualität und Ausdruck überhaupt erst einschätzen zu können.
Eine weitere Herausforderung stellte das Fokussieren bei extrem wenig Licht dar. Trotz moderner Kameratechnik und dem Sony-Objektiv FE 50mm F1.4 GM sowie dem FE 85mm F1.4 GM II erwies es sich als schwierig, die Schärfe bei den Künstlern präzise zu setzen. Einige Bilder wurden dadurch leicht unscharf, glücklicherweise hatte ich aber mehr als genug Alternativen.
Die grösste und völlig unerwartete Hürde war die Location selbst. Der Konzertsaal befand sich in einem umfunktionierten Fotostudio. Problematisch war dabei weniger der Raum als vielmehr das bewusst gewählte Lichtkonzept. Auf der Bühne sorgte lediglich eine schwache, statische Beleuchtung für Stimmung, während grosse Teile des Raumes nahezu vollständig im Dunkeln lagen. Diese Bedingungen machten die Nachbearbeitung besonders anspruchsvoll. Viele Aufnahmen waren stark unterbelichtet und mussten in Lightroom deutlich aufgehellt werden. Dadurch trat erhebliches Bildrauschen zutage. Um die Bildqualität zu verbessern, setzte ich regelmässig die Denoise-Funktion ein. Dabei musste jedoch sorgfältig abgewogen werden: Eine zu starke Rauschreduzierung liess Gesichter und Oberflächen schnell künstlich wirken. Es erforderte viel Geduld und Fingerspitzengefühl, für jedes Bild die richtige Balance zwischen Detailerhalt und Rauschminderung zu finden.
Auch mein Equipment wurde durch die schwierigen Lichtverhältnisse unterschiedlich stark gefordert. Das Sigma 70–200 mm f/2.8 erwies sich trotz seiner eigentlich guten Lichtstärke als nur eingeschränkt geeignet. Besonders bei längeren Brennweiten gelangte zu wenig Licht auf den Sensor, wodurch die ISO-Werte stark anstiegen und die spätere Bearbeitung zusätzlich erschwert wurde.
Zu den klaren Gewinnern des Abends zählten hingegen das Sony FE 50 mm F1.4 GM sowie das Sony FE 85 mm F1.4 GM II. Dank ihrer grossen Offenblende konnten sie das vorhandene Licht optimal nutzen und ermöglichten Aufnahmen, die mit anderen Objektiven kaum realisierbar gewesen wären. Der Verzicht auf einen Zoom bedeutete allerdings auch mehr körperlichen Einsatz, denn statt die Brennweite anzupassen, musste ich mich selbst ständig neu positionieren.
Rückblickend entwickelte sich die anfängliche Schwierigkeit zu einem wichtigen Bestandteil des Projekts. Die extrem reduzierte Beleuchtung zwang mich dazu, sowohl technisch als auch gestalterisch das Beste aus der Situation herauszuholen. Gleichzeitig verlieh genau dieses schummrige Licht den Bildern ihren besonderen Charakter. Die entstandene Serie wirkt dadurch geschlossen, authentisch und atmosphärisch, und transportiert jene Konzertstimmung, die den Abend ausgemacht hat.