Das Weingut Chalet Sol – 1’125 m ü. M.
Hier oben ist es generell 5 bis 10 Grad kühler als im Unterland. Nichts desto trotz steht hier in Oberiberg, genau genommen 1’125 m ü. M., das Chalet Sol. Dort hat der Hobby-Winzer Franz Reichmuth seit etwa vier Jahren sein eigenes Weingut. In diesem Jahr hat er nun 50 weitere Reben gepflanzt, um die Weinproduktion auf seine Pension hin zum laufen zu bringen.
Die erste grosse Ernte
Im letzten Herbst gab es von den bestehenden Trauben zum ersten Mal genug Ertrag, um Wein herzustellen. Er und seine Frau haben sich mithilfe eines befreundeten Winzers eingelesen, was es alles zu tun gibt, um eigenen Wein herzustellen.
Auch wenn Franz lieber roten Wein trinkt, gibt es beim Chalet Sol Weissweintrauben, genau genommen «Solaris» Trauben, weil sie auf dieser Höhe besser kommt. Nachdem die Reben im Jahr 2022 nur knapp über 40 Gramm Ertrag gaben, konnte im Jahr 2025 erstmal genug abgelesen werden um die Herstellung zu starten. Los geht’s!








Im letzten Jahre gab es also 6 ganze Flaschen des ersten Hausweins. Im Januar konnten wir dann bereits davon degustieren. Der Geschmack ist – für den ersten Versuch – schon sehr gut gewesen.




Branding des ersten Weins
Um dem ersten eigenen Wein alle Ehre zu erweisen, bat Franz mich darum, eine Weinetikette für die kleine Charge zu gestalten.
Wir hirnten lange, wie das Weingut und der Wein heissen könnte. Das Weingut Chalet Sol ist eine Wortschöpfung von mir. Sie ist eine Mischung aus «Chalet Sonnenhaus», das Haus in dem Franz wohnt und den Solaris-Trauben, die er gesetzt hatte.
Franz erfand den Weinnamen «Roggo Leh», zusammengesetzt aus dem Roggenstock und der Lehriedstrasse, an der er wohnt.
Nun war klar, was zu tun ist. Sofort wagte ich mich ans Brainstorming und hatte gleich eine Idee: Der Oberiberger Hausberg, unter dem der Wein gepflanzt und gekeltert wird, soll das Symbol der ersten Flasche werden. Der Roggenstock.
Ich zeichnete in Illustrator die Landschaft mit der Aussicht auf den Roggenstock im Low-Poly Style nach und machte mehrere Versionen, in denen ich mit Farben, Akzenten und Verschiedenen Schriftarten spielte.
Vorderseite Entwürfe






Die ersten Entwürfe sagten dem Winzer Franz, zu meinem bedauern, nicht sehr zu. Er hatte sich eine etwas klassischere Weinetikette gewünscht. Ich versicherte ihm: diese entwürfe sind moderner und innovativer als die Weinetiketten die du dir vorstellst. Dieser Stil passt besser zu einer Einzigartigkeit, sprich ein Wein auf diser Höhe. Ausserdem sei eine klassischere Weinetikette eine gute Idee für die Charge im neuen Jahr 2026.
Er liess sich also von mir weichklopfen und wir einigten uns auf die hellgelbe Version mit etwas gedeckteren Farben, als ich ursprünglich geplant hatte. Ausserdem konnte ich mir nun einen periodischen Gestaltungsauftrag einer Weinetikette an Land ziehen.
So sahen die ersten zwei Mockups aus:


Vorderseite final:
In der finalen Version habe ich noch einige cleans gemacht, das «Franz Reichmuth präsentiert» entfernt und eine Sonne hinter dem Roggenstock platziert, als Symbol für das Sol in Chalet Sol.

Produktfotos:
Rückseite Entwürfe
Für die Rückseite der Etikette habe ich mir jenste Weinetiketten angeschaut um herauszufinden, was alles auf eine solche Etikette gehört. Offiziell gehören die Füllmenge, der Produktionsort, der Alkoholgehalt und einige Produktspezifikationen dazu.
Die meisten Infos konnte mir Franz geben. Den Spruch, der unten auf der Etikette steht, habe ich noch vom der Hausfassade des Chalet Sonnenhaus übernommen: «König ist der Hirtenknabe, grüner Hügel ist sein Thron; über seinem Haupt die Sonne ist die grosse, goldne Kron»
Es ist sowohl ein bedeutender Spruch für Franz als Besitzer des Chalets als auch passend zum optischen Thema mit der Sonne und dem Hügel. Um auf den Wein einzugehen, habe ich noch eine abstrakte Weissweintraubenranke in Illustrator gemalt für den Hintergrund.
Vom Volumengehalt und der Füllmengenangabe habe ich jene verschiedene Designvorschläge erstellt. Beim aussuchen haben mir sowohl viele Freunde als auch Mitarbeitende bei der Druckerei und Vorstufe (Polygrafinnen) geholfen.






Rückseite final:
Die finale Version ist eine stimmige Mischung aus vielen ursprünglichen Designs. Alle waren sich aber einig: Der Berg muss auch noch drauf, als widerkehrendes Element von der Vorderseite.
Ein besonderes Dankeschön möchte ich an Yvonne Kenel von der Druckerei Kälin richten, die mir geholfen hat, mikrotypografische Cleans an der Etikette vorzunehmen. Ausserdem hat sie die Etiketten auch gleich gedruckt.

Produktfotos
Vorderseite:

Rückseite:

Fotoshooting im Chalet Sol
Nachdem die Etiketten gedruckt waren, haben Franz und ich sie sorgfältig auf die Weinflaschen geklebt. Ich habe dann mit meiner Sony A74, meinem Tamron 28-75mm Objektiv und meinem Godox V1 Blitz ein Fotoshooting mit den Flaschen gemacht. Die rustikale Holzoptik des Chalets und eine vom Winde verwehte Traubenranke vor dem Haus haben meinem Shooting wunderschön in die Karten gespielt.





















Stolz und Freude machen sich breit
Der Winzer Franz hält seinen ersten Wein voller Stolz und Freude in den Händen. Im Hintergrund sieht man den Weinkeller, den er mit dem Chalet mitgekauft hatte. Als er eingezogen war hatte er wohl nicht geahnt, was dieser Weinkeller noch für eine tiefere Bedeutung bekommen würde.
Und auch er musste nun zugeben, dass das Etikettendesign wie die Faust aufs Auge passt.







Ausblick: Neubepflanzung Weinberg
Und so geht es nun weiter. Auf seine Pension hin, die er dieses Jahr feiern darf, hat Franz 50 weitere Solaris Weinreben vor sein Chalet, direkt unter den Roggenstock gepflanzt. Unterstützt hat ihn dabei sein Bruder Wisi, der als Gärtner noch einige Inputs geben konnte und ihn moralisch bei der Gartenarbeit unterstützt hat.




















Kreativ Garten goes Weinberg
Da es so ein schöner Tag war und sich die Gelegenheit bot, schoss ich für Wisi und sein Gartenbau Unternehmen ebenfalls ein paar schöne Fotos bei der Arbeit.






Auch bei der Arbeit selbst habe ich noch einige Bilder geschossen um den ganzen Prozess festzuhalten.










Während der Neubepflanzung habe ich ebenfalls den ganzen Prozess gefilmt. Aus dem Material möchte ich im nächsten Semester einen Dokumentationsfilm erstellen, in dem auch die Ernte und Herstellung des Weins Inhalt sein soll.
(mbi)
Rückblickend bin ich mit meinem Digezz-Projekt rund um das Weingut Chalet Sol sehr zufrieden. Aus einer kleinen Idee – nämlich einer Weinetikette für den ersten eigenen Hauswein meines Vaters – wurde ein ziemlich vielseitiges Projekt mit Branding, Illustration, Etikettendesign, Fotografie und sogar ersten Vorarbeiten für eine spätere Filmdokumentation. Besonders schön finde ich, dass das Projekt nicht einfach fiktiv war, sondern ein echtes Produkt mit echter Geschichte dahinter.
Trotzdem lief natürlich nicht alles komplett glatt. Zu Beginn war ich sehr überzeugt von meiner eigenen Designidee. Der Low-Poly-Stil mit dem Roggenstock passte für mich perfekt: modern, eigenständig und nicht einfach eine klassische 0815-Weinetikette. Franz hatte aber anfangs eher etwas Traditionelleres im Kopf. Rückblickend hätte ich seine Vorstellung vielleicht noch etwas genauer abholen und stärker in den Prozess einbauen können. Ich habe ihn zwar schlussendlich überzeugen können, aber bei einem echten Auftrag ist es schon wichtig, nicht nur die eigene kreative Vision durchzuboxen, sondern die Wünsche des Auftraggebers sauber mitzudenken.
Auch beim Gestaltungsprozess hätte ich teilweise etwas strukturierter arbeiten können. Ich habe sehr viele Versionen ausprobiert, mit Farben, Schriftarten, Akzenten und Layouts gespielt und mich oft intuitiv weiterbewegt. Das hat zwar gut funktioniert, aber ich hätte meine Entscheidungen noch bewusster dokumentieren können. Gerade bei so einem Projekt wäre es spannend gewesen, noch genauer festzuhalten, warum welche Farbe, welche Schrift oder welche Komposition besser funktioniert als eine andere.
Ein grosser Lerneffekt war für mich die Zusammenarbeit mit der Druckerei. Besonders der Austausch mit Yvonne Kenel von der Druckerei Kälin war sehr wertvoll. Sie hat mir bei den mikrotypografischen Feinheiten geholfen und mir gezeigt, wie viel kleine Details ausmachen können. Abstände, Schriftgrössen, Zeilenumbrüche oder optische Gewichtungen fallen einem zuerst vielleicht gar nicht so stark auf, aber genau diese Dinge entscheiden am Ende, ob eine Etikette wirklich professionell wirkt. Das war für mich extrem lehrreich, weil ich gemerkt habe, dass gutes Design nicht nur aus der grossen Idee besteht, sondern sehr oft in den kleinen, sauberen Details liegt.
Auch das Fotoshooting war ein grosses Learning. Ich konnte mit meiner Sony A74, dem Tamron 28–75mm Objektiv und dem Godox V1 Blitz viel ausprobieren und praktische Erfahrungen mit Blitzfotografie sammeln. Gerade bei Produktfotos habe ich gemerkt, wie stark Lichtsetzung, Reflexionen und Umgebung das Bild beeinflussen. Die rustikale Holzoptik des Chalets und die Traubenranke vor dem Haus haben zwar sehr schön mitgespielt, aber ohne bewusst gesetztes Licht wären die Fotos sicher weniger hochwertig geworden. Für mich war es spannend zu sehen, wie viel man mit einem Blitz herausholen kann, wenn man ihn gezielt einsetzt.
Beim Shooting hätte ich trotzdem noch etwas geplanter vorgehen können. Viele Bilder sind eher spontan entstanden, was zwar gut zur Situation passte, aber für ein nächstes Mal würde ich vorher eine klarere Shotlist machen. So hätte ich noch gezielter zwischen Produktfotos, Detailaufnahmen, Making-of-Bildern und Porträts unterscheiden können. Gerade weil das Projekt später vielleicht noch in eine Dokumentation übergehen soll, wäre eine bewusstere Planung sicher hilfreich gewesen.
Ein weiterer Punkt ist mein Zeitmanagement. Während der Neubepflanzung habe ich zusätzlich gefilmt, mit dem Gedanken, daraus später einen Dokumentationsfilm über das Weingut, die Ernte und die Weinherstellung zu machen. Dieses Filmmaterial konnte ich in diesem Semester aber noch nicht schneiden. Rückblickend hätte ich mir dafür entweder früher ein klareres Zeitfenster setzen oder den Umfang des Projekts noch realistischer einschätzen müssen. Gleichzeitig ist das aber nicht komplett negativ, weil ich damit bereits wertvolles Material gesammelt und für das nächste Semester vorgearbeitet habe. Das Projekt ist dadurch nicht einfach abgeschlossen, sondern kann sinnvoll weitergeführt und ausgebaut werden.
Insgesamt nehme ich aus dem Projekt sehr viel mit. Ich konnte Branding, Illustration, Typografie, Druckvorbereitung, Fotografie, Blitztechnik und Storytelling miteinander verbinden und an einem echten Produkt anwenden. Gleichzeitig habe ich gelernt, dass solche Projekte nicht nur von der kreativen Idee leben, sondern auch von Kommunikation, Kompromissen, technischen Details, Zeitplanung und sauberer Umsetzung.
Für zukünftige Projekte möchte ich den Auftraggeber früher und klarer in den Prozess einbinden, meine gestalterischen Entscheidungen besser dokumentieren, Shootings bewusster planen und den zeitlichen Aufwand für zusätzliche Projektteile realistischer einschätzen. Trotzdem bin ich stolz auf das Ergebnis. Die Etikette passt zum Wein, zum Ort, zu Franz und zum Chalet Sol. Und genau das war am Ende das Ziel.