Soli Deo Gloria – Musikvideo
Auch wenn ich christlich aufgewachsen bin und grossen Respekt vor jeglichen Religionen habe, bin ich nicht gerade derjenige, der regelmässig in die Kirche geht, um an Gottesdiensten Lobpreislieder zu singen. Und gerade deswegen freut es mich, dass mich dieses Projekt mit einer feierhaften Stimmung überraschte, die ich nicht erwartet hätte. Ganz anders, als das eher konservative Bild, dass ich noch aus meiner Kirche kenne.
Bei diesem Projekt trat die reformierte Kirche Illnau-Effretikon auf mich zu, weil sie ein Song produziert hat. Bei der ersten Aufführung wollten sie diesen aufzeichnen, dass sie ihn als Musikvideo verwenden können.
Zum Song
Soli Deo Gloria war ein Projekt der Kirche, welche umfangreiche Musikaspekte umfasst, die in der Kirche gelebt werden. Von einer modernen Band, über die Orgel, zur Kantorei bis zum Chor befand sich alles im Song. Da so enorm viele Akteure an dem Projekt beteiligt waren, war eine vorzeitige Koordination sehr schwierig für die Musikproduzierenden. Somit wurde es noch schwieriger für mich. Somit war es nur noch möglich, die Aufführung zu filmen, ohne vorherige Drehtage.
Glücklicherweise fand vor dem Gottesdienst am besagten Tag die Hauptprobe statt. Dies war das erste mal, wo sich die einzelnen Akteure trafen und das Lied als ganzes durchspielen konnten. Es war also auch für sie eine komplett neue Konstellation.
Release
Das Video ist noch nicht veröffentlicht, weil die reformierte Kirche das Projekt erst im März abschliessen wird. Die Kirche wird mit allen Akteuren das Lied professionell vertonen. Dieser Audio-Master wird dann auch im offiziellen Musik-Video verwendet.
Production
Im Voraus waren noch viele Sachen unklar. Die Kirche überliess mir den kompletten gestalterischen Freiraum, jedoch war es nicht möglich, das Projekt im Voraus gut zu koordinieren, da sich bei der Kirche selbst noch sehr viele Gegebenheiten änderten. Das Projekt war für mich eine Herausforderung, da mich ein paar Ängste unter Druck setzten.
Da es ein Live-Auftritt war, musste jede Einstellung schnell gewählt werden. Im Gegensatz zu geplanten Dreharbeiten, hatte ich hier äusserst eingeschränkte Kontrolle über das Bild. Dies setzte mich während dem Dreh etwas unter Stress, weil ich ständig befürchtete, dass etwas nicht funktioniert.
Meine grösste Angst bei dem Projekt war, dass ich während den beiden Durchläufen nicht genügend brauchbares Material sammeln konnte, weil ich andauernd die Perspektiven wechselte, damit das Musikvideo dann auch wirklich dynamisch wurde. Ich nutze die vorangehende Hauptprobe als Gelegenheit, so viele B-Rolls wie möglich zu machen. Dabei achtete ich darauf, dass ich möglichst viele Nah-Aufnahmen machte. Denn in diesem Rahmen hatte ich noch die Möglichkeit, so nah an die Artisten zu kommen. Während dem Gottesdienst musste ich dann auch Rücksicht auf die Zuschauenden nehmen, da der Song für sie produziert und aufgeführt wurde. Ebenfalls musste ich berücksichtigen, dass der leere Saal in den Aufnahmen nicht zu sehen war. Als Backup konnte ich am Ende des Saals eine Backup-Kamera auf einem Stativ aufstellen, auf welche ich zugreifen konnte, wenn keine vorhandenen Aufnahmen in Frage kam.
Die Dynamik des Videos stellte sich ebenfalls als Herausforderung dar. Da der Song zum ersten Mal von allen beteiligten als Ensemble durchgeführt wurde, musste ich äusserst spontan agieren. Deswegen musste ich bei den Dreharbeiten auf den Automatik-Modus setzten und nahm das Risiko in Kauf, die Kontrolle über die Aufnahme zu verlieren.
Lichtsituation
Die Licht-Situation in der Kirche war eine Katastrophe. Für den regulären Gottesdienst war das natürlich kein Problem, aber für eine Videoproduktion schlicht nicht konzipiert. Das hereinfallende Tageslicht zusammen mit den warmen Lampen in der Kirche sorgte für eine unausgeglichene Beleuchtung und eine anstrengende Vermischung aus warm und kalt, die sich je nach Perspektive stark veränderte. Dazu kam noch, dass sich die Belichtung zwischen den beiden Aufführungen aufgrund des hereinfallenden Sonnenlichtes veränderte. In der Post-Production konnte ich das relativ gut korrigieren, so dass die Aufnahmen gleichmässig wirkten. Allerdings musste ich die Korrekturen bei einzelnen Aufnahmen so stark vornehmen, dass die Aufnahmen etwas Schaden nahmen und zum Beispiel stärker rauschten, als bei anderen Aufnahmen.
Post-Production
Der Schnitt stellte sich als einiges zeitaufwendiger heraus, als angenommen. Da der Rhythmus nicht konsequent gehalten werden konnte, wichen die beiden Durchgänge teilweise sogar mehrere Sekunden voneinander ab. Die beiden Durchläufe musste ich in mehrere Häppchen zerlegen und immer wieder manuel nachsynchronisieren.
Danach musste ich die einzelnen B-Rolls aus den Hauptproben auch ebenfalls synchronisieren und an die richtige Stelle bringen. Am Schluss arbeitete ich mit einer Timeline mit 10 Spuren an Videomaterial. Um den Überblick zu behalten, entwickelte ich ein System und wies verschiedenen Clips andere Farben zu.
Cover
Da der Song auch auf Streaming-Plattformen veröffentlicht wird, benötigt der Song auch ein Cover, welches ich ebenfalls gestaltet habe. Auch hierbei erhielt ich keinerlei Vorgaben und durfte mich frei austoben.

Idee

Am Cover inspirierte ich mich an dem Musikkonzept, welches die Kirche für das Projekt verfasste. Dabei bildete der Körper eines Schmetterlings das Bindeglied der verschiedenen Musik-Genres in der Kirche.
Ich wollte etwas Experimentelleres produzieren und entschied mich, das Cover mit ProCreate zu illustrieren. Dort wollte ich ein Bild mit Wasserfarbe imitieren. Die verschiedenen Elemente setzte ich auf einzelne Ebenen. Dies gab mir die Flexibilität, in Photoshop das Cover für verschiedene Medienträger zu gestalten. Denn Video-Plattformen setzten bekanntlich auf 16:9, während Streaming-Dienste auf ein 1:1-Cover setzen.
(vha)
Kamera
Bei der Produktion setzte ich zur Kamerastabilisierung ein Gimbal ein. Die Arbeit damit war allerdings einwenig enttäuschend. Bei einem so dynamischen Live-Event wie diesem müssen Einstellungswechsel äusserst effizient passieren. Auch wenn der Gimbal auf hohe Empfindlichkeit eingestellt war, reagierte er oft träge und kosteten – auch wenn es nur ein paar Sekunden sind – jedes mal Zeit. Auch eine Vergrösserung / Verringung der Brennweite setzte Vorsicht und Feingefühl voraus. Etwas, dass in solch dynamischen Situationen keinen Platz hat.
Audio
Im Frühling wird mir die Kirche ein Audio-Master zur Verfügung stellen, welches für das offizielle Musik-Video verwendet werden soll. Aus diesem Grund entschied ich mich dazu, während dem Dreh auf eine Audio-Aufnahme zu verzichten und mit dem O-Ton zu arbeiten, weil ich das Projekt im Nachhinein vertonen wollte. Für die Erstellung eines Live-Cuts erwies sich diese Entscheidung jedoch als grosser Fehler. In der Post-Production hatte ich sehr wenig Flexibilität. Die Totale war zu Hallig und ich musste auf den O-Ton meiner mobilen Kamera setzten. Im Schnitt musste ich gelegentlich zwischen den beiden Aufführungen hin und her wechseln, weil der Ton nicht immer gut brauchbar war.
Post-Production
Die Totale und meine mobile Kamera waren farblich nicht korrekt aufeinander abgestimmt. Ausserdem musste ich bei der mobilen Kamera auf den Automatik-Modus setzten. Dies war eine bewusste Entscheidung und das würde ich auch heute noch so machen. Veränderten sich die Lichtverhältnisse erheblich und die Kamera überkompensierte Einstellungen (wie z.B. der Weissabgleich) erheblich. Die Bilder wirkten teilweise extrem unterschiedlich. Somit hatte ich enorme Arbeit, bei der Farbkorrektur in der Post-Production.
Beim Schnitt hatte ich viele Unsicherheiten und erstellte bei jedem Zwischenschritt eine Kopie, damit ich Zurückgreifen kann. Glücklicherweise war dies schlussendlich nicht nötig. Ausserdem markierte ich bei jeder Aufnahme eine Start- und End-Markierung, um zu wissen, bis wo die Aufnahme brauchbar ist. Rückblickend war dies überhaupt nicht nötig, weil ich es ja sehe, wenn ich ein Video verlängere und es dann nicht mehr bauchbar ist. Aufnahmen, die zwar brauchbar waren, aber ich nicht verwenden wollte, löschte ich nicht, sonder deaktivierte ich in der Timeline, falls ich später zurückgreifen wollte. Mit dieser Entscheidung bin ich sehr zufrieden, weil ich immer die Flexibilität hatte, eine Einstellung doch noch zu verwenden, wenn ich sie doch wollte.
Cover
Mit dem Cover bin ich sehr zufrieden. Ich konnte den Stil, den ich erzielen wollte sehr gut erreichen. Es war auch das erste mal, dass ich mit digitalen Wasserfarben gearbeitet habe. Mir fiel es sehr schwer, zu wissen, was welche Pinsel-Einstellung macht und wie diese im Endeffekt waren. Vor allem zu Beginn die Erfahrung mit dem Programm. Im Verlauf der Illustration konnte ich den Einsatz jedoch sehr gut meistern.