Working Crime – Zwischen Nähe und Distanz

True Crime boomt und hat sich zu einem der beliebtesten Unterhaltungsgenres entwickelt. Die Thesis untersucht die Einflüsse von räumlicher und zeitlicher Distanz auf die Rezeption von True Crime-Inhalten. Im Lehrprojekt hingegen sprechen fünf Menschen, die beruflich täglich mit Verbrechen konfrontiert sind, über ihren Alltag und darüber, was es mit einem macht, wenn man diesem Thema so nah ist.

Thesis

Auch als Podcast ist True Crime beliebt. In solchen Podcast-Folgen werden schwere Gewaltverbrechen erzählt, meist mit vielen Details und Emotionen. In meiner Bachelorthesis beschäftigte ich mich mit folgender Forschungsfrage: Welchen Einfluss haben die räumliche und zeitliche Distanz eines Kriminalfalles auf Angstempfinden und Involvement der Rezipient:innen von True Crime-Podcasts?

In einer experimentellen Befragung hörten Teilnehmende einen kurzen True Crime-Podcast. Konkret hörten sie eine von vier verschiedenen gekürzten und abgeänderte Versionen des Falls «Mord im Zollikerberg (1/3)» von «Unter Verdacht – der Schweizer Crime Podcast». Abgeändert wurden Zeit und Ort, heisst: Gruppe 1 hörte den Originalfall aus der Schweiz, welcher sich 1993 ereignete. Gruppe 2 hörte eine abgeänderte Version des Schweizer Falls, welcher sich 2021 ereignete. Gruppe 3 hörte, dass das Verbrechen 1993 in Norwegen geschah und Gruppe 4 Norwegen, aber 2021. Alle Teilnehmenden, die nicht das Original hörten, wurden am Schluss darauf hingewiesen, dass die Erzählungen auf dem Mord im Zollikerberg von 1933 basierten, und ihre Fall-Version abgeändert war.

Die vier Gruppen wurden auf Unterschiede in Angstempfinden und Involvement untersucht. Es lässt sich festhalten, dass die räumliche und zeitliche Distanz keinen grossen Einfluss zu haben scheint. Eine leichte Tendenz lässt darauf schliessen, dass ein räumlich naher Fall (Schweiz) bei den Rezipient:innen möglicherweise mehr Involvement auslöst als ein räumlich distanzierter Fall (Norwegen).

Lehrprojekt

Rund um jedes Verbrechen leisten unterschiedlichste Personen und Berufsfelder viel Arbeit im Hintergrund. Sie sichern Spuren, klären Verbrechen auf, kommunizieren mit Medien, sorgen für Sicherheit oder wollen Taten bereits im Voraus verhindern. In der Videoreihe «Working Crime» sprechen fünf Menschen über ihren Beruf, in dem sie täglich mit Verbrechen in Berührung kommen.

Diese Folgen sind dabei entstanden:

«Im Labor» mit Nadine Weingart, Kriminaltechnikerin bei der Kantonspolizei Bern.

«Im Vollzug» mit Anya Friedrich, Leiterin Sicherheit in der JVA Witzwil.

«Im Einsatz» mit Daniel Wächter, Mediensprecher im Nebenamt und Content Creator bei der Kantonspolizei Aargau.

«Im Gespräch» mit May Beyli, forensische Psychologin und Leiterin der Fachstelle Forensic Assessment & Risk Management an der Psychiatrischen Universitätsklinik Zürich.

«In Medien» mit Jürg Mosimann, ehemaliger Gerichtsreporter beim Blick, dann Mediensprecher bei der Kantonspolizei Bern und nun Pensionär und Krimiautor.

Ein grosses Dankeschön an Alle, die das Projekt unterstützt und sich Zeit dafür genommen haben. Das ist nicht selbstverständlich!