Von der Vision zur Realität: Der erste Schritt von KIDS
Was als ambitioniertes Showreel begann, entwickelte sich zu einer der lehrreichsten Erfahrungen meiner bisherigen kreativen Laufbahn. Das Projekt KIDS zeigte mir nicht nur die Herausforderungen einer Videoproduktion, sondern auch, wie wichtig es ist, Erwartungen loszulassen, Fehler zuzulassen und trotzdem weiterzumachen.







KIDS?
KIDS ist für mich weit mehr als nur ein Projektname. Die Vision begleitet mich schon seit mehreren Jahren. KIDS steht für das innere Kind, das wir alle in uns tragen – neugierig sein, Dinge ausprobieren, Grenzen austesten, scheitern, aufstehen und weitermachen. Langfristig soll daraus ein kreatives Kollektiv entstehen, das Menschen aus unterschiedlichen Disziplinen zusammenbringt und gemeinsam Projekte realisiert. Filmemacher*innen, Fotograf*innen, Designer*innen, Musiker*innen oder Künstler*innen, die dieselbe Leidenschaft teilen: etwas Eigenes erschaffen. (Falls du dich gerade angesprochen fühlst, let’s connect;) )
Doch jede Vision braucht einen Anfang.




Erster Anlauf
Ende Sommer 2025 entschied ich mich deshalb, den ersten Schritt zu machen. Geplant war ein rund zwölfminütiges Showreel im Videoformat. Vier Songs, vier unterschiedliche Stimmungen und viesuelle Stile, welche meine Inspirationen und Interessen widerspiegeln sollten. Beeinflusst von Kreativen und Plattformen wie AWGE oder Lyrical Lemonade wollte ich ein Projekt schaffen, das sich auf experimenteller Art & Weise zwischen urbaner Kultur, der Stadt Zürich, künstlerischer Abstraktion und cinematischer Bildsprache bewegt.
Auf dem Papier klang das nach einem spannenden Plan.



In der Realität wurde schnell klar, dass ich den Umfang des Projekts massiv unterschätzt hatte.
Viele der Produktionen, die mich inspirieren, entstehen mit ganzen Teams im Hintergrund. Kameraleute, Produzent, Lichttechniker, Assistent und Kreative arbeiten gemeinsam an einem Endprodukt. Bei meinem Projekt war ich jedoch fast vollständig auf mich allein gestellt. Gleichzeitig rückte das Ende des Sommers immer näher und mit ihm die Herausforderung, überhaupt geeignete Wetterfenster für Drehs zu finden.
Je weiter das Projekt voranschritt, desto häufiger stellte sich Frustration ein. Immer wieder hatte ich das Gefühl, meinen eigenen Ansprüchen nicht gerecht zu werden. Besonders soziale Medien machten es schwierig, eine realistische Perspektive zu behalten. Einerseits liefern Plattformen wie Instagram oder YouTube unendlich viel Inspiration. Andererseits entsteht schnell der Eindruck, dass alles perfekt aussehen muss. Oft verglich ich meine Arbeit mit Produktionen, hinter denen jahrelange Erfahrung, grosse Budgets und ganze Teams stehen.
Rückblickend war genau das einer der wichtigsten Lernmomente.


Anfang dieses Jahres traf ich eine Entscheidung: Statt dem ursprünglichen Ideal hinterherzulaufen, wollte ich das Beste aus dem Material machen, das bereits existierte. Nicht das Projekt, das ich geplant hatte, sondern das Projekt, das tatsächlich möglich war.
Diese Veränderung der Perspektive machte vieles einfacher.
Mit jedem Dreh lernte ich dazu. Ich setzte mich intensiv mit Lichttechnik auseinander, experimentierte mit unterschiedlichen Kameraeinstellungen und entwickelte ein besseres Gefühl für Planung und Organisation. Gleichzeitig wurde mir bewusst, wie wichtig Flexibilität am Set ist. Zu viel Planung kann kreative Momente verhindern, zu wenig Planung führt schnell zu Chaos. Die richtige Balance dazwischen zu finden, war eine der grössten Herausforderungen des gesamten Projekts.
Auch in der Postproduktion verbrachte ich unzählige Stunden damit, neue Techniken zu erlernen. Besonders die Arbeit mit Fusion innerhalb von DaVinci Resolve eröffnete mir neue Möglichkeiten und zwang mich gleichzeitig dazu, Probleme eigenständig zu lösen. Oft bestand der Fortschritt nicht aus grossen Durchbrüchen, sondern aus vielen kleinen Erkenntnissen.
Eine weitere wichtige Erfahrung war die Erkenntnis, wie wertvoll ein kreatives Umfeld sein kann. Hochwertige Produktionen entstehen selten allein. Sie leben von Zusammenarbeit, unterschiedlichen Perspektiven und Menschen, die sich gegenseitig unterstützen. Genau deshalb ist die Idee eines kreativen Kollektivs für mich heute relevanter denn je. Die Erfahrungen aus diesem Projekt haben mich in der Überzeugung bestärkt, dass KIDS langfristig mehr sein soll als nur ein persönliches Projekt.
Vielleicht ist das fertige Video deshalb nicht die Umsetzung meiner ursprünglichen Vision.
Und trotzdem bin ich stolz darauf.
Nicht weil alles perfekt geworden ist, sondern weil es existiert.
(Falls dich das Projekt interessiert, lass einen Follow auf Insta liegen;) die offizielle – ausserschulische Veröffentlichung folgt)
K, byee
(mbi)
Die grösste Schwäche des Projekts lag in der anfänglichen Planung. Rückblickend war die ursprüngliche Vision für eine Einzelperson ohne Budget und ohne eingespieltes Team zu ambitioniert. Dadurch entstand ein Spannungsfeld zwischen Anspruch und Realität, das mich während des gesamten Projekts begleitete.
Besonders mein Perfektionismus stellte dabei eine Herausforderung dar. Ich orientierte mich häufig an professionellen Produktionen und vergass dabei, dass diese unter völlig anderen Voraussetzungen entstehen. Dies führte zeitweise zu Frustration und Selbstzweifeln. Gleichzeitig wurde mir bewusst, wie stark soziale Medien die eigenen Erwartungen beeinflussen können.
Trotz dieser Schwierigkeiten war genau dieser Prozess unglaublich wertvoll. Das Projekt zwang mich dazu, Prioritäten zu setzen, kreative Probleme eigenständig zu lösen und meine Erwartungen kontinuierlich anzupassen. Vor allem lernte ich, dass ein Projekt nicht perfekt sein muss, um erfolgreich zu sein.
Für zukünftige Produktionen würde ich den Umfang realistischer planen und frühzeitig versuchen, weitere kreative Personen einzubinden. Gleichzeitig möchte ich die Offenheit und Experimentierfreude beibehalten, die dieses Projekt überhaupt erst möglich gemacht haben. Denn genau darin liegt für mich die Essenz von KIDS: ausprobieren, lernen und den Mut haben, trotzdem weiterzumachen.