Vom alten Backbuch zum animierten Schoggi-S Rezept
Ausgehend von einem historischen Familienrezept habe ich ein Rezept meines Ururgrossvaters rekonstruiert und gestalterisch umgesetzt. Das Ergebnis ist ein 45-sekündiges Animationsvideo, das Rezept und Hintergrundgeschichte kombiniert.
Die Grundlage des Projekts bildet ein altes Rezeptbuch meines Ururgrossvaters Heinrich Wettstein, geboren 1887 in Egg ZH. Er wuchs in einer Bauernfamilie auf, arbeitete später als Bäcker und führte gemeinsam mit seiner Frau Mina und ihren neun Kindern ein einfaches Leben im Zürcher Oberland. 1928 übernahm er eine Bäckerei in Grüningen.
Aus dieser Zeit ist ein Rezeptbuch mit hunderten handschriftlichen Rezepten erhalten geblieben. Besonders auffällig ist, dass mehrere unterschiedliche Handschriften enthalten sind, deren Herkunft nicht eindeutig geklärt ist. Das Buch wurde innerhalb der Familie weitergegeben und gelangte schliesslich zu meiner Grossmutter.
Historische Rezepte entschlüsseln
Die Rezepte im Buch sind notizenartig. Oft bestehen sie nur aus Zutaten und Mengenangaben. Diese sind in alten Masseinheiten wie Pfund oder Loth angegeben. Konkrete Zubereitungsschritte fehlen häufig.
Ein zusätzlicher Aufwand bestand darin, die alte Schrift überhaupt zu entziffern. Gemeinsam mit meiner Grossmutter, die diese Schrift besser beherrscht, konnte ich die Inhalte teilweise übersetzen und nachvollziehen. Dadurch wurde es möglich, einzelne Rezepte überhaupt erst verständlich zu machen.


Auswahl und Rekonstruktion des Rezepts
Für das Projekt habe ich mich für das Rezept der Schokoladen-S entschieden. Um dieses umzusetzen, habe ich das historische Rezept mit heutigen Rezeptvarianten verglichen und die Mengenangaben entsprechend angepasst.
Das Rezept enthält unter anderem gemahlene rohe Mandeln, was in modernen Varianten eher unüblich ist. Diese Besonderheit machte die Rekonstruktion interessant, führte aber auch dazu, dass mehrere Testläufe nötig waren, bis das Ergebnis überzeugte.
Rekonstruiertes Rezept in moderner Form
Die finale Version besteht aus gemahlenen Mandeln, Zucker, Eiern und Kakaopulver. Optional werden die Eier getrennt, das Eiweiss aufgeschlagen und unter die Masse gehoben, um eine luftigere Konsistenz zu erreichen. Anschliessend wird die Masse in S-Formen auf ein Blech gespritzt und bei 160 Grad etwa 12 Minuten gebacken.

Vom Rezept zum Animationsvideo
Auf Basis des Rezeptes entstand ein 45-sekündiges Animationsvideo. Zuerst entwickelte ich ein grobes Storyboard, das sowohl die Herkunft des Rezepts als auch die Zubereitung kombiniert.
Die Gestaltung erfolgte in Adobe Illustrator. Dabei habe ich bewusst eine Mischung aus selbst erstellten Elementen und KI-generierten Hintergründen verwendet, um komplexere Szenen schneller visuell umsetzen zu können. Gleichzeitig war es eine Herausforderung, einen konsistenten Stil über alle Szenen hinweg zu halten.
Die Animation baute ich anschliessend in Adobe After Effects auf und setzte sie Schritt für Schritt um. Die Szenen kamen dann als gesamtes Video zusammen und für die Erläuterungen erstellte ich noch ein Voice-over.
Hier ist das finale Video:
(mbi)
Ich bin sehr zufrieden mit der Wahl des Projekts, da mich das Thema persönlich stark interessiert hat und ich meine Grundkenntnisse in After Effects in einem grösseren Projekt anwenden konnte. Die Auswahl des Rezepts sowie die Recherche und Übersetzung der alten Inhalte haben insgesamt gut funktioniert.
Wichtig war mir, das Rezept auch selbst auszuprobieren und anzupassen, damit es am Ende wirklich funktioniert. Das hat mehr Zeit gebraucht als erwartet, da die Abläufe kaum beschrieben sind und sich auch die heutigen Backbedingungen stark von früher unterscheiden. Am Schluss hat das Rezept aber gut funktioniert und schmeckt auch im Alltag einfach.
Bei der Gestaltung war für mich lange nicht klar, ob das Video nur das Rezept zeigen soll oder auch die Geschichte meines Ururgrossvaters. Mit einfachen Storyboards konnte ich dann eine klare Struktur entwickeln, die beides verbindet. In Adobe Illustrator habe ich bewusst eine Mischung aus KI-generierten und selbst erstellten Elementen verwendet, um vor allem Hintergründe einfacher umzusetzen. Das hat allerdings mehr Zeit gekostet als gedacht, besonders weil es schwierig war, einen einheitlichen Stil über alle Szenen hinweg zu halten.
Danach ging es an die Animation in After Effects. Da ich noch nie ein so umfangreiches Projekt umgesetzt habe, gab es einige Schwierigkeiten und viele Dinge musste ich mehrfach anpassen. Oft war es nötig, zuerst im Illustrator Anpassungen zu machen, bevor die Animation sauber funktionierte. Auch wenn nicht alle Bewegungen perfekt sind, konnte ich mein Ziel erreichen und viel über After Effects und den gesamten Workflow lernen.
Rückblickend hätte ich gerne etwas mehr Zeit in die Animation selbst investiert, statt so viel in Illustrationen und Korrekturen zu stecken. Trotzdem war genau dieser Prozess sehr lehrreich und hat mir gezeigt, wie ein mehrszeniges Animationsprojekt aufgebaut wird und welche Schritte dafür nötig sind.