Unseen: 1 Tag mit Nativ
Unseen ist ein audiovisuelles Porträtformat, das einen Einblick hinter die Kulissen gewährt und Menschen in ihrem privaten Alltag zeigt. Im Fokus stehen intime, unbeobachtete Momente, die dem Publikum normalerweise verborgen bleiben.
Im Sommer entwickelte ich gemeinsam mit Noel Benz, Gründer der Uhrenmarke Provoqué, eine Pilotfolge für dieses neue Format. Ziel war es, den Lifestyle rund um die Marke authentisch zu vermitteln, ohne klassische Werbemechanismen zu verwenden. Als erster Protagonist wurde der Berner Rapper Nativ gewählt, der seit Beginn eine persönliche Verbindung zur Marke hat und die Uhren auch privat trägt. Da wir alle zum Zeitpunkt der Produktion in Biel lebten, ergab sich eine enge, unkomplizierte Zusammenarbeit. Nach einem ersten Austausch zeigte sich Nativ sofort interessiert, woraufhin die inhaltliche und organisatorische Planung begann.
Die Grundidee von Unseen besteht darin, ein offenes, skalierbares Format zu schaffen, das einerseits mit der Uhrenmarke verknüpft ist, andererseits aber Raum bietet, unterschiedliche Persönlichkeiten wie Musiker:innen, Künstler:innen oder andere spannende Akteur:innen zu porträtieren. Die Protagonist:innen werden jeweils über einen Tag hinweg begleitet, wobei bewusst Orte und Situationen gezeigt werden, die ausserhalb ihres gewohnten öffentlichen Umfelds liegen. Im Fall von Nativ bedeutet dies, ihn abseits der Bühne oder des Konzertsaals zu zeigen. So entstehen Einblicke, die sowohl für Fans als auch für ein breiteres Publikum neu und ungewohnt sind. Aus diesem Ansatz heraus entstand auch der Titel des Formats: Unseen.
Inhaltlich wird das Video durch ein Voice-over getragen, das aus einem Interview mit dem Protagonisten besteht. Zentrales Thema ist dabei der Begriff Zeit, der als verbindendes Element zwischen Person und Produkt fungiert. Der Fragenkatalog wurde im Vorfeld gemeinsam ausgearbeitet und während des Gesprächs situativ erweitert, um auf spontane Gedanken und Erzählungen eingehen zu können.
In der Postproduktion lag der Fokus auf einem prägnanten, rhythmischen Schnitt, der trotz kurzer Laufzeit inhaltliche Tiefe zulässt und die persönliche Haltung des Protagonisten transportiert. Die Bereiche Kamera, Schnitt, Color Grading, Sounddesign sowie Graphic Design wurden von mir eigenständig umgesetzt.
(vha)
Die kritische Reflexion des Projekts bezieht sich ausschliesslich auf technische Aspekte der Umsetzung. Eine zentrale Entscheidung betraf das Aufnahmeformat: Sämtliche Aufnahmen wurden im Querformat realisiert, was sich im Nachhinein als suboptimal für die geplante Hochformat-Ausspielung erwies. Zwar wurde in 6K gefilmt, in der Annahme, daraus problemlos ein vertikales 1080 × 1920-Format generieren zu können, jedoch wurden die qualitativen Verluste durch den notwendigen Bildausschnitt und die reduzierte effektive Auflösung unterschätzt. Diese Erfahrung verdeutlichte, dass hohe Sensorauflösungen nicht automatisch eine verlustfreie Formatkonvertierung garantieren.
Ein weiterer technischer Schwachpunkt zeigte sich beim Einsatz des Lavalier-Mikrofons. In mehreren Szenen – darunter auch inhaltlich zentrale Sequenzen wie das Intro – waren die Tonaufnahmen aufgrund von Bewegungsgeräuschen und Reibung nicht verwertbar. Die akustische Kontrolle am Set beschränkte sich auf ein kurzes Abhören, woraufhin die Verantwortung für die Tonüberwachung delegiert wurde. Rückblickend erwies sich dies als unzureichend, da die betreuende Person nicht über die nötige technische Sensibilität verfügte, um potenzielle Probleme frühzeitig zu erkennen.
Insgesamt war das Projekt dennoch eine wertvolle Erfahrung. Die gemachten Fehler führten zu wichtigen Erkenntnissen in Bezug auf Formatwahl, Audiokontrolle am Set sowie Verantwortungsverteilung innerhalb eines kleinen Produktionsteams und stellen eine zentrale Lernbasis für zukünftige Produktionen dar.