Trauma – Kurzfilm

1 Skript + viel Vorbereitung + 13 Personen + 9 Drehtage + 0 Budget + viel Postproduktion = Trauma – In etwa so lässt sich dieses etwas ausgeartete Projekt in kurz erzählen.

Einen eigenen Film drehen, das ist der Traum von vielen. Umgesetzt werden aber lediglich wenige Projekte. So manches Drehbuch verstaubt wohl irgendwo auf einem Speichermedium der Autoren. Nicht so das Skript von «Trauma».

Gemeinsam mit seinem Freund Maurus Held setzte Jan Müller sich im Sommer 2020 hin und schrieb die Geschichte dieses Films. Rund eineinhalb Jahre später erscheint nun der fertige Streifen. Dazwischen liegt eine lange Reise aus unzähligen Stunden Planung und Vorbereitung, neun Tagen am Set und vielen Tagen (und Nächten) Postproduktion.

Anspannung, Kälte und Nervosität. Brutal ist die Schlägerei auf der Brücke irgendwo im Nirgendwo – es geht um Leben und Tod. Ein letztes mal holt Colin aus und sticht mit voller Wucht auf David ein. Eine blutige Angelegenheit. Sehr zur Freude von Levin, welcher jeden Augenblick dieser Szenerie gemeinsam mit seiner Mia geniesst. Aber warum überhaupt diese Gewalt? Stirbt jemand? Was ist Fiktion und was ist Realität?

Genau um diese Fragen dreht sich die Geschichte von «Trauma».

Hier geht es zum Film:

trauma-short.com

Behind the Scenes:

Presse:

Artikel von Vilan24/Prättigauer und Herrschäftler zum Dreh in Furna (18.11.2021)

(hil)

ACHTUNG: SPOILER!

Das Skript:

Irgendwann im Sommer 2020 hatten Maurus Held und Jan Müller die Idee für einen Kurzfilm. In mehreren Sessions arbeiteten sie die Geschichte aus, unter anderem auch an einem Ausflug nach Furna im Prättigau, wo ein Grossteil der Geschichte gedreht werden sollte. Das oberste Credo dabei war stets, den Handlungsstrang nicht zu vorhersehbar zu gestalten. Nach besagtem Ausflug wurde die erste Fassung über Bord geworfen, da sie in den Augen der Autoren nicht gut genug durchdacht war und zu viele Logiklöcher aufwies.

Schliesslich kam es so, wie es meistens kommt: Die Idee, wie sie das Drehbuch verbessern konnten, kam ihnen in einem Moment, in welchem sie nicht danach gesucht haben. Die zweite Version war deutlich näher an dem, was sich die beiden vorgestellt hatten. Nach etwas Feinarbeit war das Drehbuch endlich fertig.

Die Vorproduktion:

Für Jan Müller war es klar – dieses Skript soll so schnell als möglich in Produktion gehen. Zu Beginn bestand das Team nur aus dem Cast, dem Regisseur, einem Regie-Assistenten, dem DoP, Kameraassistenten und einem Tonmeister. Schnell wurde aber offensichtlich, dass für ein Projekt, welches immer grösser wurde, eine Produktionsleitung her musste. Mit dieser folgten noch eine weitere Besetzung für den Ton und ein Hair and MakeUp-Artist. So war nun das mittlerweile 13-köpfige Team zusammen. Das Projekt schien wie ein rollender Schneeball. Je weiter er rollt, desto grösser wird er.

Für alle war ihre Set-Position neu. Einige wenige Personen hatten bereits Set-Erfahrung, welche sie in das Projekt einbringen konnten. Dies war enorm wertvoll. So wurde im Vorfeld viel untereinander ausgetauscht und Prozesse bereits vor dem Dreh geklärt. Dennoch kosten einige Schritte und Dokumente Unmengen an Zeit, wenn man sie zum ersten Mal macht. Sei es nur das Erstellen eines Call-Sheet-Templates oder herauszufinden, wie man optimal Locations scoutet. Eine Menge an sehr lehrreicher Arbeit. Zudem fand der erste Dreh inmitten der Corona-Pandemie statt. Es musste also ein Schutzkonzept verfasst werden. Arbeiten, mit welchen man sonst als Student kaum etwas zu tun hat.

Parallel dazu verliefen Arbeiten wie das Location-Scouting, auftreiben von technischen Requisiten (u. a. auch extern), einholen von Drehgenehmigungen, organisieren von Übernachtungsgelegenheiten für die Crew, Catering und allem anderen, was ein Film mit sich bringt. Und so entstand aus Einzelteilen nach und nach ein grosser Produktionsplan für den ersten Dreh.

Memo, Callsheet und Materiallisten bereit, Crew und Locations gebucht – auf gehts!

Anmerkung: Dies war der Vorproduktionsprozess kurz gefasst. Es gab jeweils die selben Arbeiten vor allen 3 Dreheinheiten wieder zu erledigen. Aber klar, von der Vorarbeit konnte dann viel profitiert werden.

Die Produktion:

Furna (12.-15.11.2020): Der erste Dreh fand sehr abgelegen im Prättigau auf der Rohnentobelbrücke statt. Dass das Ganze so abgeschottet von der Umwelt stattfand, war eine Herausforderung. Schon alleine für die Kommunikation untereinander gab es Hürden – kein Mobilfunkempfang. Zum Glück entschieden wir uns im letzten Moment Funkgeräte mitzunehmen. So konnte zwischen Materiallager, Catering-Plätzen und Set kommuniziert werden. Zudem fand ein Grossteil der Dreharbeiten einige Kilometer vom Maiensäss (dem Zuhause eines Teils der Crew & Materiallager) statt. Vor Ort gab es kein Strom, kein Wasser und es war saukalt (s/o an Maurus und Lairan, welche ihre Rolle barfuss spielten). Und trotzdem wurden hier mehr als 12 Stunden pro Tag gedreht. Ein Hoch auf die unkomplizierte Crew, das erforderte viel Durchhaltewillen.

Zudem war es der erste Dreh. Wie es beim Filmen aber üblich ist, geht nie alles nach Plan. Erst mussten wir uns «warmlaufen» und herausfinden, wie wir am besten vorankommen können. Zudem herrschte stets Zeitdruck, da die Sonne nur wenige Zeit an gewisse Plätze schien, wo wir sie benötigten. Das bedeutete auch, dass der Drehplan stets angepasst werden musste. Konkret bedeutet das zum Beispiel: Tagwache um 5 Uhr, Wrap nach 22 Uhr bei teilweise -5 Grad Celsius. Die Zeit war leider auf vier Tage reduziert, und zudem mussten einige Abendszenen im Keller des Maiensäss gedreht werden. Man kann es hier nicht genug erwähnen, wieviel Biss und Flexibilität alle Mitglieder bewiesen. Die Crew spielte sich ein, der Cast kam in seine Rollen – das braucht aber seine Stunden. Bis zum Ende der Drehs waren aber die Workflows verinnerlicht und so hatten wir knapp, aber ohne Puffer alles abgedreht, was wir benötigten.

Alvaneu Bad/Chur (02.-04.06.2021): In Alvaneu-Bad haben wir unser zweites grosses Set gefunden. Im Innenraum des AirBnB’s spielten zwei Szenen des Films. Da die Wohnung sehr gross war, konnten wir für jedes Departement ein «Arbeitszimmer» einrichten. Dies gab wesentlich mehr Luft. Eine Challenge hier war das Set-Design, denn wir mussten einige Sachen wie z.B. Fernseher, Pflanzen oder Stubentisch von Chur nach Alvaneu schleppen. Dies erforderte einiges an logistischer Planung. Neben des technischen Equipments kam nun also auch noch Set Design dazu. Wir fühlten uns, als ob wir noch eine halbe Logistikerlehre absolvierten. Zudem fand am ersten Tag eine Aussenszene auf dem Rosenhügel in Chur statt, parallel dazu wurde in Alvaneu vorbereitet. Dass hier jeweils alles am richtigen Ort war, grenzte fast an ein Wunder. Der Dreh war sehr angenehm. Unser Drehplan war um einiges optimierter als der erste. Sicherlich konnte von den Fehlern beim ersten Mal gelernt werden. Des weiteren hatten wir nun auch mehr Pufferzeit zur Verfügung. So konnte eigentlich immer pünktlich gedreht und «gewrappt» werden. Die Stimmung auf dem Set war dementsprechend hier auch ruhiger.

Chur (18.-19.11.2021): Der mit Abstand entspannteste Dreh fand im November 2021 statt. Wir hatten anfangs einige Schwierigkeiten, einen Drehort für die Psychiater-Szene zu finden, jedoch stellte Cast-Mitglied Anne-Sophie Walt freundlicherweise ihre private Wohnung zur Verfügung. Diese gestalteten wir dann zu einem Büro um. Beim Dreh konnten wir von all den vorherig gesammelten Erfahrungen profitieren und kamen erstmals ohne Zeitdruck mit allen Szenen durch. Extra für diese Szene kam zudem ein neuer Schauspieler dazu. Das Team war eingespielt. Am ersten Tag wurde vorbereitet, am zweiten gedreht. Hier hatten wir zudem auch beim Equipment reduziert. So gab es kein Platzmangel, obwohl es sehr eng war. So arbeiteten wir zufrieden unseren letzten Tag durch.

Material: Trotz teilweise drei Autos voller Material und mehreren Drehorten ging nie etwas verloren – nicht einmal Kleinteile. Zudem gab es keine Defekte. Diese Logistik sauber zu bewältigen forderte viel Aufmerksamkeit von der Crew.

Covid & Wetter: Wir hatten grosses Glück immer drehen zu können, wenn auch immer geplant. Zeit und Puffer für alternative Drehs wäre keine da gewesen. Das Pokern ging auf. Zudem sind wir froh, dass auch das mehrseitige Schutzkonzept seine Wirkung zeigte und wir vor und nach den Drehs nie einen Covid-Fall zu beklagen hatten.

Die Postproduktion:

Editing: Der Editing-Prozess gestaltete sich anfangs etwas schleppend. Insgesamt hatten wir ungefähr 5 TB an Material gesammelt, da wir in RAW gedreht hatten. Da niemand von uns ein genug grosses Speichermedium besass, mussten wir uns etwas neues zulegen. Die Lösung dafür war eine 8 TB interne SSD, welche wir in ein Gehäuse für den mobilen Gebrauch legten. Als alle Daten an einem Ort waren, konnte der Schnittprozess starten. Wir legten für jede Szene eine Footage- sowie eine Edit-Sequenz an. In den Footage-Sequenzen suchten wir die Einstellungen heraus, die wir benutzen wollten. In den Edit-Sequenzen schnitten wir dann die einzelnen Szenen. Schliesslich wurden all diese Sequenzen zu einer grossen Master-Sequenz zusammengefügt, um die Übersicht behalten zu können. Die Schwierigkeiten im Edit-Prozess waren insbesondere, die verschiedenen Lichtsituationen auf der Brücke zu matchen. Auch merkten wir, dass wir den Schauspielern teilweise zu unpräzise Angaben zu ihren Körperhaltungen gegeben hatten. Dies erschwerte es, einzelne Einstellungen flüssig zu schneiden. Einige Einstellungen erforderten etwas digitale Nachhilfe, bspw. in Form von Skyreplacements, oder eingesetzten Muzzle-Flares. Auch mussten wir ein Screen-Replacement bei einer Einstellung umsetzen.

Grading: Nach dem Edit wurde die Master-Sequenz zu einem XML-File umgewandelt, welches anschliessend in DaVinci Resolve koloriert wurde. Die Herausforderung bestand vor allem darin, die sehr unterschiedlichen Szenen zu matchen. Zudem gab es in den Szenen selbst grosse Unterschiede. Es liess sich vieles ziemlich einfach machen, da RAW-Dateien vorhanden waren. Vieles heisst aber eben nicht alles. Einige Orte (wie z.B. der Keller) stellten eine grössere Challenge dar, um das ganze realistisch aussehen zu lassen. Mit unzähligen Masken und unendlich vielen Stunden Grading wurden aber auch diese Szenen schön eingefärbt. DaVinci’s Color-Manage-Workflow erleichterte die Arbeit allgemein aber sehr. Faszinierend, was dabei herauskommt, auch wenn man noch nicht grosse Erfahrungen mit DaVinci Resolve hat (nun ist Erfahrung vorhanden).

Abbinder: Ein Abbinder schwarz auf weiss wäre zu basic gewesen, dies meinte zumindest diese Person, welche für den Abbinder zuständig war. In Cinema 4D wurde deshalb ein Projekt erstellt. Mit Glasreflektionen, Glow bei Schriften, Lichtern und weiteren Effekten wurden Stunden verbracht. Alleine das Rendern des Abspanns nahm 30 Stunden in Anspruch.

Musik: Eigens für den Film wurde Musik komponiert. Die grösste Herausforderung war die passende Instrumentalisierung zu finden. Etwas, was nicht zu düster und dennoch nicht zu hell in der Klangfarbe war. Es wurde neben Synthesizern und Gitarren vor allem Sounds aus der Ableton-Bibliothek eingesetzt. Nebst dem Titel-Track entstanden für andere Szenen drei weitere Songs. Die Arbeit war vor allem eine Herausforderung, da noch wenig Erfahrung im Workflow des Musikmachen für Film vorhanden war. Um kein Chaos entstehen zu lassen, wurden die einzelnen Sequenzen in eigene Projekte verlagert. Nach und nach ergab sich das Resultat.

Sounddesign & Audiomix: Nach etlichen Stunden sortieren und synchronisieren konnte am Ton gearbeitet werden. Der grösste Fehler war, nicht von Beginn an zu synchronisieren, was rund 3 Tage Extra-Arbeit bedeutete. Mit hunderten Soundeffekten und Ambi-Tracks wurden die Timelines ausgeschmückt. Wo Libraries nicht genügend passende Soundeffekte hatten, wurde selbst Hand angelegt. Salat und Kleider wurden «zweckentfremdet» und weiterverarbeitet. Mit gut 90 Spuren allein für die Soundeffects war es nicht ganz einfach, sich im Projekt zurechtzufinden. Jedoch gelang auch das. Die Dialoge bereiteten einige Probleme. Bedingungen, wie Strassen oder Laufen auf Kies machten unnötigen Lärm. Zum Glück gibt es Tools, mit welchen man den Dialog isolieren kann, was weiterhalf. Zu guter letzt folgte das Mixen und Mastern. Anschliessend ging es nach unzähligen Stunden zum rendern.

Website: Um das Projekt zu komplettieren wurde eine eigene Website erstellt. Diese besteht aus HTML, CSS, Bootstrap, Flexgrids und wie sie alle heissen. Sie wurde also hart gecodet. Die Challenges hier bestanden vor allem darin, das ganze Responsive zu gestalten. Zudem kostete das Aufsetzen des Servers einige Zeit. Auch hier konnte viel Know-How gewonnen werden.

Fazit:

Unzählige Nerven hat dieses Projekt, an welchem mehr als ein Jahr gearbeitet wurde, gekostet. Mit 14 Beteiligten war es nicht immer einfach, sauber und klar zu kommunizieren. Dies klappte jedoch immer besser. Mit der Zeit hatten alle Leute die richtigen Informationen und Files zur richtigen Zeit. Und so konnte dann auch gearbeitet werden. Wir sind überglücklich, dieses Projekt endlich abzuschliessen. Für diesen Film wurde viel geopfert. So manchen Abend wurde nicht herumgechillt, keine Leute getroffen, so manchen Tag gab es kein Skifahren und kein draussen erleben, damit dieser Streifen fertig wurde. Jedes einzelne Mitglied der Gruppe investierte unbezahlbar viel Zeit und Energie in dieses Projekt. Was die Finanzen betrifft: Es grenzt schon fast an ein Wunder, dass wir alles produzieren und postproduzieren konnten. Die grössten Kosten bestanden aus Übernachtungsgelegenheiten , Verpflegung und einigen Verbrauchsmaterialien. Diese konnten privat gedeckt werden.

Dies zeigt, was mit unglaublicher Motivation und Durchhaltewillen machbar ist. Klar könnte man hier und da etwas besser machen – aber irgendwann kommt der Punkt, an dem man abschliessen muss. Ein grosses Danke geht an all diese Leute, welche dieses Projekt unterstützt haben. In nächster Zeit gibt es wohl einige Tage frei und wir freuen uns, wiedermal unbeschwerter durch das Leben zu gehen. Aber das wird sicher nicht das letzte Mal sein, dass wir so etwas machen.

Aber eben, erst mal chillen. In diesem Sinn vielen Dank für den Support an alle und an den Leser: Viel Spass mit dem Resultat, mit welchem wir überglücklich sind.

Credits:

Simon Hörler – LEVIN (nicht MMP)

Lairan Koch – DAVID (nicht MMP)

Maurus Held – COLIN (nicht MMP)

Anne-Sophie Walt – MIA

Mathias Walt – PSYCHOLOGE (nicht MMP)

Drehbuch – Maurus Held (nicht MMP)

Drehbuch – Jan Müller

Regie – Jan Müller

Kamera – Edwin Parayampillil

Regieassistenz – Mirko Gutierrez

Kameraassistenz – Dominik Villoz

Kameraassistenz – Luc Billaud

Fokus – David Indumi

Produktionsleitung – David Indumi

Maske – Patrick Hermann

Maske – Anne-Sophie Walt

Ton – Raphael Bieri

Ton – Linus Küng

Catering – Bruno Müller (nicht MMP)

Catering – Linus Küng

Schnitt – Jan Müller

Schnitt – Edwin Parayampillil

Musik – Mirko Gutierrez

Grading – Dominik Villoz

Sounddesign – Linus Küng

Sounddesign – Raphael Bieri

Sounddesign – Mirko Gutierrez

VFX – Jan Müller

VFX – Edwin Parayampillil

VFX – Dominik Villoz

Titeldesign – Luc Billaud

BtS – Dominik Villoz

BtS- Lairan Koch (nicht MMP)

Artikel – David Indumi

Artikel – Jan Müller

Website – Patrick Hermann