Tradition rebranden

Brauchen Traditionsvereine ein Rebranding? Meine bescheidene Meinung: Auf jeden Fall. Gehen Vereine nicht mit der Zeit, so gehen sie ein.

Die Sektion Rhone ist ein Traditionsverein. Dieser existiert seit 1930 und feiert damit schon bald ihr 100-jähriges Bestehen. Seit jeher kommen Generationen zusammen. Corona und das Freizeitangebot hat dazu geführt, dass sich Jugendliche nicht mehr so einfach motivieren lassen einem Traditionsverein beizutreten.

Was ist die Sektion Rhone?

Die Sektion Rhone spielt mit Trommel und Pfeife. Die Musik wird Ahnenmusik genannt und hat seinen Ursprung im Militär. Schon im Mittelalter zogen Krieger mit Trommel und Pfeife in die Schlachten und während den friedlicheren Zeiten wurde das Spiel in Oberwalliser Dörfern zu Unterhaltungszwecken gepflegt.

Jahrelang erlebte die Szene einen regelrechten Boom. Die Sektion Rhone beschloss sogar, keine neuen Mitglieder mehr zuzulassen.

Zeit für eine Veränderung: mit diesem Video wurde die Veränderung im Dezember angekündigt.

Tradition verstaubt

Während Corona ist die Ahnenmusik beinahe verstummt. Feste waren keine möglich. Im letzten Jahr dann wenigstens digital. Auch heuer sind die Aussichten nicht sehr gut. So ist es wichtig, anderweitig präsent zu bleiben. Die Sektion Rhone hat damit begonnen Geschichten zu erzählen.

Aus alt mach neu

In einem langen Prozess über die letzten Jahre ist ein komplett neuer Auftritt entstanden. Das Logo wurde überarbeitet.

Die Chronik wird mittels verschiedener Videos erzählt. Die Mitglieder sind aufgelistet, wie diejenigen eines professionellen Sportklubs. Neue Kleider wurden designt und angeschafft. Ein komplettes Rebranding halt. Von piano pianissimo bis forte fortissimo.

Ich könnte nun alles einzeln hier auflisten, aber schaut doch einfach selbst rein:

www.sektionrhone.ch

(ash)

Idee und Motivation

Dies ist nun nach dem digitalen Fest mein zweites Digezz-Projekt, dass sich voll und ganz der Ahnenmusik widmet. Dies hat einen einfachen Grund. Die Rekrutenschule habe ich als Militärtambour absolviert und bin seither passioniert, ehrenamtlich im Einsatz für die Ahnenmusik. Im Oktober 2021 habe ich die Leitung Ahnenmusik der Sektion Rhone übernommen und führe den Gesamtverein. Eine spannende, lehrreiche und begeisternde Arbeit, welche mir sehr viel Freude bereitet. Vereinsarbeit ist Lebensschule und Stammtisch zugleich. Gruppen- oder Vereinsmitgliedschaft bedeutet sehr viel mehr als Passion – es ist ein wichtiger Teil in der Entwicklung von Jugendlichen. Einerseits will ich den Jugendlichen die Begeisterung für das gemeinsame Musizieren weitergeben, dazu aber Attribute wie Durchhaltewillen, Kompromissbereitschaft, Diskussionsfähigkeit, Akzeptanz, Integration, etc. Deswegen engagiere ich mich stark für die Ahnenmusik und werde das auch in Zukunft tun.

Konzeption und Umsetzung

Die Idee entstand 2020. Erste Entwürfe vom Logo stammen vom März 2020. Die Endversion vom September 2021. Corona brachte unseren Verein zum Stillstand. Ein Rebranding, wie unseres muss also mit von der Generalversammlung abgesegnet werden. Wir hatten zwischen 2020 und 2021 keine Übungen. Wir schickten Videos an unseren Leiter – der dann im Oktober 2021 das Zepter übergab. Zur Übergabe habe ich gut 15 Weggefährte vor die Linse gebracht, die auf das Leben unseres ehemaligen Vereinsleiters zurückschauen. Da diese Idee relativ spontan war, starteten die Aufnahmen erst am 5. Oktober. Bis zur Generalversammlung am 30. Oktober entstand eine 40-minütige Hommage an unseren Vereinsleiter – der der Sektion Rhone 13 Jahre vorstand (Video auf Anfrage – da privat). Zur selben Zeit präsentierte ich den Mitgliedern Entwürfe und erste bedruckte und bestickte Rohlinge der neuen Kleider-Kollektion. Diese ist mittlerweile komplett bestickt und bedruckt. Wir liessen uns rund 100 T-Shirts, Caps, Jacken und Hoodies machen.

Ich präsentierte das neue Logo, die Website und das neue Organigramm der musikalischen Leitung. Im nächsten Jahr gehen wir in der Sektion Rhone sogar auf TikTok. Ich ging grundsätzlich ziemlich planlos vor. Hatte ich eine Idee, setzte ich sie um. So habe ich jedes Mitglied an der Generalversammlung abgelichtet. Noch fehlen gut 15 Mitglieder, die dann in diesem Jahr vor die Kamera stehen. Die seriösen Fotos verwendete ich für den Steckbrief, die „lustigen“ für Inserate oder Stories. Und mit den lustigen habe ich im Photoshop in stundenlanger Arbeit eine Türtapete erstellt, welche nun die Tür unseres Übungslokals ziert (Foto auf Anfrage – da privat).

Für die Homepage erstellte ich GIF’s, Hintergrundillustrationen. Ich digitalisierte eine VHS-Kassette aus dem Jahre 1997 für einen Rückblick in der Chronik. Die Chronik musste ich zuerst im Archiv ausgraben. Ich las Protokolle von Generalversammlungen und Sitzungen. Ich trug ein mehrseitiges Dokument an Informationen zusammen. Die Homepage basiert auf dem Baukasten WIX – so können auch andere ganz einfach einen Beitrag auf der Homepage veröffentlichen. Am Anfang war ein leeres Wix-Template. Dies füllte sich in den letzten drei Monaten nach und nach mit Inhalt. Ich musste Termine koordinieren, immer wieder gab es etwas zu optimieren. Schlussendlich ist eine Homepage und ein Auftritt entstanden, der in der Ahnenmusik neue Massstäbe setzt.

Learning und Fazit

Leidenschaft treibt. Wer sich für ein Projekt motivieren kann, dem ist die Zeitintensität egal. Ich habe sehr viel Zeit in dieses Herzensprojekt investiert und nie – nicht ein einziges Mal – hatte ich keine Lust mehr. Je mehr Zeit ich aufwand, desto mehr Ideen kamen. Wenn ich also das Beste aus einem Projekt rausholen will, dann muss ich mich für das Projekt interessieren.