Tierfotografie – Jede Woche auf der Lauer
Während dieses Semesters hat mich die Kamera praktisch jedes Wochenende begleitet, ob beim Spazieren, auf Wanderungen, in Tierparks oder an abgelegenen Plätzen tief in der Natur. Ausgerüstet mit einer geliehenen Sony A7 IV und einem massiven 500mm-Teleobjektiv habe ich versucht, die Schweizer Tierwelt einzufangen. Dieser Bericht beleuchtet den enormen Aufwand hinter der Bildselektion von Tausenden von Aufnahmen, die körperliche Herausforderung der Handheld-Fotografie und die gestalterische Rettung anspruchsvoller Motive durch das RAW-Format in Adobe Lightroom.
Schon zu Beginn des Semesters stand für mich fest: Ich möchte Digezz nutzen, um mich intensiv mit einem Bereich auseinanderzusetzen, der extrem viel Geduld erfordert und für den ich grosse Leidenschaft empfinde, nämlich der Wildtierfotografie. Mein Ziel war es, Tiere in ihrem natürlichen oder naturnahen Umfeld so ungestellt und scharf wie möglich zu dokumentieren. Um dafür überhaupt die nötige Reichweite zu haben, lieh ich mir von der Fachhochschule eine Sony A7 IV sowie das Tamron AF 150-500mm f/5-6.7 meiner Mutter aus. Damit ging es über Monate hinweg fast jedes Wochenende raus: in den Tierpark, an die Reuss, zuhause in den eigenen Garten und hoch in die Berge beim Wandern im Engadin und in Arosa.
Die Kamera wurde, neben viel Geduld und Durchhaltevermögen, zu meinem ständigen Begleiter. So hiess es für mich oft stundenlang abzuwarten, bis sich der perfekte Moment von allein ergab. Das Ergebnis ist eine vielseitige Bilderserie, welche die Ruhe der Natur, aber auch die Dynamik der Tiere transportiert. Für mich ist dies ein unglaublich lehrreiches Langzeitprojekt und für die Leser ein faszinierender Einblick in die heimische Fauna.










Dass Tierfotografie auch ein körperlicher Ausdauersport ist, unterschätzt man schnell. Wer stundenlang durchs Unterholz streift oder steile Bergwege im Engadin hochwandert, merkt jedes Gramm der Ausrüstung. Da ich fast ausschliesslich ohne Stativ, also direkt aus der Hand fotografiert habe, wurde das Setup zur echten Belastungsprobe. Das Tamron-Objektiv allein wiegt nämlich schon fast 2kg.










Gegen Ende des Semesters und nach Tausenden von Klicks schaute ich auf eine gigantische Datenmenge. Da wurde mir erst bewusst, wie viel Arbeit in der Postproduktion noch vor mir lag. Trotz der Anstrengung hat mich das Projekt aber bis zum Schluss extrem gepackt. Am Ende ist eine Bilderserie entstanden, die nicht nur die Schönheit der Tiere zeigt, sondern für mich persönlich einen riesigen Lernfortschritt im Umgang mit extremen Brennweiten bedeutet.










Weitere Tieraufnahmen gibt es hier in meiner Galerie:)
(mbi)
Das Projekt hat mir über das gesamte Semester hinweg wahnsinnig viel Freude bereitet. Man entwickelt mit der Zeit einen ganz neuen Blick für die Natur und lernt, sich extrem ruhig und fokussiert zu bewegen. Technisch war die Sony A7 IV aus der Schule ein absoluter Traum und der Autofokus ist extrem treffsicher. Auch mit Lightroom kam ich nach meinen ersten Erfahrungen immer besser und intuitiver klar.
Was ich jedoch völlig unterschätzt habe, war die riesige Menge an Daten. Weil ich über ein ganzes Semester fast jedes Wochenende unterwegs war, vom lokalen Zoo bis zu den Bergketten in Graubünden, habe ich viel zu viele Bilder gemacht. Mehrere Tausend Aufnahmen zu sichten, rigoros auszusortieren und die echten Highlights herauszufiltern, hat mich wochenlang beschäftigt.
Die grösste körperliche Hürde war das Gewicht des Equipments. Das Tamron 150-500mm ist ein fantastisches Objektiv, aber es ist beinahe 2kg schwer. Da ich mich (die meiste Zeit) gegen ein Stativ entschieden hatte, um mobil zu bleiben, musste ich alles aus der Hand halten. Man kann das Objektiv bei 500mm Brennweite einfach nicht ewig stillhalten, ohne dass die Muskeln zittern und jede minimale Bewegung führt sofort zu Verwacklungen. Das verlangte mir körperlich einiges ab.
Technisch gab es beim Editieren zwei grosse Aha-Momente. Zum Glück hatte ich die Kamera so eingestellt, dass sie die Bilder sowohl als JPEG als auch im RAW-Format speichert. Bei der Bearbeitung in Lightroom wurde mir der Wert von RAW-Dateien erst so richtig bewusst, da sie in der Postproduction unendlich viel mehr Spielraum bieten.
Das war besonders bei zwei Herausforderungen meine Rettung:
- Das Color Grading beim Steinbock: Bei den Aufnahmen im Engadin hatte ich mit einem extremen Grünstich im Bild zu kämpfen, der durch das reflektierende Licht der Wiesen und Felsen entstand. Das Color Grading war hier eine echte Knochenarbeit. Nur dank der RAW-Datei konnte ich den Weissabgleich und die Farbkanäle so biegen, dass das Fell des Steinbocks wieder natürlich aussah.
- Das Low-Light-Drama beim Kampf: In den Bergen gelang es mir, Steinböcke beim Kämpfen zu fotografieren. Allerdings war die Sonne zu diesem Zeitpunkt schon untergegangen und das Licht extrem schlecht. Dank des RAW-Formats konnte ich die dunklen Partien extrem aufhellen und mit der Denoise-Funktion in Lightroom das entstandene Rauschen effektiv bekämpfen, ohne die Schärfe der aufeinanderprallenden Hörner zu verlieren.
Rückblickend war dieses Semesterprojekt eine harte Schule in Sachen Geduld, Postproduction und Zeitaufwand. Das schwere Teleobjektiv ohne Stativ zu halten, war eine Challenge für sich. Doch wenn man am Ende das scharfe Auge eines Greifvogels oder das majestätische Duell zweier Steinböcke auf dem Bildschirm sieht, weiss man, dass sich jedes Gramm Schleppen und jede Stunde in Lightroom gelohnt haben.