Tiere und Menschen vor der Kamera — ein Vergleich (Bilder zu gross)

Fotografieren bedeutet immer, auf ein Gegenüber zu reagieren. Aber wie unterschiedlich dieses Reagieren sein kann, wird erst richtig klar wenn man sowohl Tiere als auch Menschen fotografiert. In diesem Projekt habe ich beides gemacht und bewusst unter denselben Bedingungen verglichen: einmal im Studio/Zuhause bei Katzenbesitzer mit Softbox, einmal draussen mit natürlichem Licht.

Pferd & Reiterin im Wald

Das Shooting im Wald war das anspruchsvollste der Tier-Serie. Das natürliche Licht zwischen den Bäumen wechselt ständig, harte Lichtflecken wechseln sich mit tiefen Schatten ab, was die Belichtung zur Herausforderung macht. Dazu kommt, dass ein Pferd eine eigene Energie hat und man als Fotografin lernen muss, diese zu lesen anstatt zu kontrollieren. Interessant war dabei, dass bereits hier ein Mensch im Bild war. Aber die Dynamik war eine völlig andere als bei einem reinen Portraitshooting: Im Vordergrund stand die Verbindung zwischen Tier und Mensch, nicht die Person alleine.

Hund outdoor

Hunde sind dankbare Motive. Sie sind präsent, ausdrucksstark und reagieren auf ihre Umgebung. Bei beiden Outdoor-Shootings habe ich versucht, die Persönlichkeit der Tiere einzufangen: mal verspielt und in Bewegung, mal ruhig und direkt in die Kamera.

Katze outdoor

Katzen im Freien zu fotografieren ist eine Übung in Geduld. Sie folgen keiner Anweisung und interessieren sich herzlich wenig für die Kamera, was die Bilder aber oft umso authentischer macht. Ich habe bewusst auf natürliches Licht gesetzt und versucht, das Tier in seiner gewohnten Umgebung zu zeigen.

Katzen indoor mit Softbox

Das Indoor-Shooting fand in der Wohnung der Tierbesitzerin statt. Ich habe meine Softbox mitgebracht und das Licht vor Ort aufgebaut. Das bedeutete: fremde Räumlichkeiten, wenig Platz, und zwei Tiere die in ihrer gewohnten Umgebung waren während ich mich erst orientieren musste. Das Licht konnte ich kontrollieren, den Rest nicht.

Hund outdoor & indoor

Beim zweiten Hunde-Shooting haben wir den Ort gewechselt, von draussen nach drinnen, aber ohne Softbox. Ausschliesslich natürliches Licht, auch im Innenbereich. Das war eine bewusste Entscheidung und gleichzeitig eine Herausforderung: Drinnen ist das Licht weicher und gedämpfter, die Schatten fallen anders, und man arbeitet oft an der Grenze der verfügbaren ISO. Das Ergebnis ist stimmungsvoller aber auch anspruchsvoller als mit künstlichem Licht. Man kann nichts kontrollieren, nur suchen wo das Licht am schönsten fällt.

Portrait outdoor

Der Wechsel vom Tier- zum Menschenshooting fühlt sich zunächst einfacher an. Man kann reden, erklären, korrigieren. Aber genau das bringt eine neue Herausforderung mit sich: Menschen denken nach. Sie fragen sich wie sie aussehen, ob die Pose stimmt, ob sie natürlich wirken. Diese Selbstwahrnehmung kann die Natürlichkeit die man sucht paradoxerweise erschweren. Draussen mit natürlichem Licht habe ich versucht, eine lockere Atmosphäre zu schaffen und die Person in Bewegung zu zeigen. Genau wie bei den Tieren, nur dass ich diesmal mit Worten führen konnte.

Portrait indoor, Softbox im eigenen Studio

Dieselbe Softbox, aber diesmal in meinem eigenen Studio. Ich kannte jeden Winkel, wusste wo das Licht am besten fällt und musste mich nicht erst zurechtfinden. Der Unterschied zur Katzen-Wohnung war sofort spürbar: mehr Ruhe, mehr Kontrolle, mehr Raum um kreativ zu sein. Ein Mensch im Studio weiss, dass er fotografiert wird, das kann Anspannung erzeugen, aber auch Konzentration und Präsenz. Im Vergleich zum Katzen-Shooting war die grösste Umstellung: Ich musste nicht mehr warten bis das Motiv stillhält, sondern aktiv kommunizieren und eine Verbindung aufbauen.

Tiere vs. Menschen — was ich gelernt habe

Beide Welten fordern dasselbe Grundprinzip: Vertrauen aufbauen. Bei Tieren passiert das durch Geduld und Ruhe, bei Menschen durch Kommunikation und Humor. Technisch sind die Bedingungen dieselben aber die Herangehensweise ist fundamental anders.

Was mich am meisten überrascht hat: Unter denselben Bedingungen entstehen völlig unterschiedliche Bilder. Nicht weil das Licht anders ist, sondern weil das Motiv anders reagiert. Eine Katze schaut weg wenn sie will, ein Mensch schaut weg weil er unsicher ist. Ein Hund rennt weil er Energie hat, ein Mensch bewegt sich weil ich ihn dazu auffordere. Diese kleinen Unterschiede verändern alles.

(mbi)

Der direkte Vergleich zwischen Tier- und Menschenfotografie war die grösste Lernerfahrung dieses Projekts. Was ich anfangs als einfache Gegenüberstellung geplant hatte, entpuppte sich als vielschichtiger als erwartet.

Die grösste Herausforderung war das Katzen-Indoor-Shooting. Katzen lassen sich nicht dirigieren, sie entscheiden selbst ob sie bleiben oder nicht. Wir haben versucht sie mit Leckerli an Ort und Stelle zu halten, aber auch das hat nicht immer funktioniert und die Bilder in diesen Momenten wirkten oft erzwungen statt natürlich. Dazu kam, dass die Katzen mit den Requisiten gespielt haben. Die Blumen wurden zum Spielzeug und mein Kunstfell wurde kurzerhand angebissen. Das war einerseits nervig, andererseits haben genau diese ungeplanten Momente manchmal die authentischsten Bilder geliefert. Ich habe gelernt, solche Situationen weniger zu bekämpfen und mehr mitzuspielen. Schwierig war auch die Technik der Kamera richtig einzustellen. Da man mit einem Blitz nicht eine unendlich hohe Verschlusszeit einstellen kann, war es schwierig die Katzen in Bewegung zu fotografieren ohne dass die Bilder verschwommen wirkten.

Auch outdoor war die Katzenfotografie anspruchsvoll. Ohne Spielzeug als Ablenkung wären die Tiere einfach weggelaufen. Das bedeutete ständige Bewegung und viele verworfene Bilder. Im Vergleich dazu waren die Hunde deutlich kooperativer: Sie folgen, sie reagieren auf Stimme, und sie bleiben in der Nähe. Das macht die Arbeit technisch einfacher, obwohl Hunde in Bewegung natürlich ihre eigenen Herausforderungen mitbringen, vor allem bei schnellen Aktionsaufnahmen. Da muss man auch immer die richtigen Kameraeinstellungen machen dass die Bilder keine Bewegungsunschärfe drinnen haben.

Bei den Tieren habe ich gelernt zu warten, den richtigen Moment zu lesen anstatt ihn zu erzwingen. Diese Geduld hat mir auch bei den Portraitshootings geholfen: Ich habe weniger eingegriffen und mehr beobachtet, was die Bilder natürlicher gemacht hat.

Die Menschenfotografie war anders herausfordernd. Am Anfang eines Shootings gibt es oft eine merkwürdige Phase bis beide Seiten in den Fluss kommen. Die Person ist noch unsicher, ich bin noch am Einschätzen. Mit der Zeit löst sich das, aber diese erste Phase kostet Energie und manchmal auch gute Bildmomente. Was mich persönlich am meisten fordert: Posing-Ideen parat haben und der Person klar sagen können wie sie stehen oder sich bewegen soll. Das ist eine Fähigkeit die ich noch weiter entwickeln möchte, nicht nur fotografisch denken, sondern gleichzeitig als Regisseurin agieren.

Das Indoor-Shooting mit Softbox war der aufschlussreichste technische Vergleich. Bei den Katzen musste ich das Licht in einer fremden Wohnung aufbauen und mich anpassen. Bei den Menschen konnte ich im eigenen Studio die volle Kontrolle nutzen und die Person gezielt ins Licht führen. Gleiche Technik, völlig unterschiedliche Erfahrung.

Eine praktische Erkenntnis aus diesem Projekt: Ich habe nicht bei allen Shootings konsequent BTS-Fotos gemacht, was die Prozessdokumentation im Nachhinein erschwert hat. Wo kein BTS vorhanden war, habe ich Screenshots aus Photoshop oder Bride als Ersatz genutzt. Bei zukünftigen Shootings werde ich von Anfang an ein paar Minuten einplanen, um die Situation und das Setup festzuhalten.

Was ich beim nächsten Mal anders machen würde: Für Katzen-Shootings gezielter planen, weniger Requisiten, dafür mehr Geduld einkalkulieren und die Erwartungen entsprechend anpassen. Bei Portraitshootings möchte ich mir vorher eine Liste mit Posing-Ideen zusammenstellen, damit ich in der Situation nicht suchen muss sondern einfach abrufen kann. Und die Vergleichs-Shootings würde ich noch gezielter unter identischen Bedingungen planen, gleiche Location, gleiche Tageszeit, gleiches Licht für Tier und Mensch.