the more the merrier

Die Ausgangslage meiner Arbeit war das Ziel, mir die Fotografie mit Aufsteckblitz anzueignen und ein vertieftes Verständnis für Lichtsetzung, Kontraste und kontrollierte Lichtsituationen zu entwickeln. Da ich zuvor kaum mit Aufsteckblitz gearbeitet hatte, wollte ich diese Technik bewusst praktisch erlernen und verschiedene Einstellungen sowie gestalterische Möglichkeiten erproben. Ausgehend von diesem technischen Lernziel habe ich ein fotografisches Konzept entwickelt, das mir erlaubte, mit harten Lichtverhältnissen, starken Schatten und einer inszenierten Bildästhetik zu arbeiten.

Auf dieser Grundlage entstand ein inhaltliches Konzept, das sich kritisch mit einem System auseinandersetzt, das durch künstlich erzeugte Bedürfnisse einen endlosen Kreislauf des Konsums erzeugt. Die Arbeit richtet ihre Kritik nicht an das Individuum, sondern an globale wirtschaftliche Strukturen, Mega-Korporationen und Konzerne, die durch emotionale Manipulation falsche Bedürfnisse schaffen. Dieses Thema eignete sich besonders gut für eine visuelle Umsetzung mit hartem Blitzlicht, da es eine schonungslose, entlarvende und zugleich glamouröse Bildwirkung ermöglicht.

Die fotografische Umsetzung basiert auf bewusst inszenierten Arrangements, in denen organische und künstliche Elemente aufeinandertreffen. Blumen fungieren als Sinnbild für Natur, Fragilität und Vergänglichkeit, während Plastik für Künstlichkeit, Überproduktion und Dauerhaftigkeit steht. Durch die enge Anordnung dieser Elemente entsteht ein Gefühl von räumlicher Verdichtung und subtiler Atemnot. Diese Enge dient als Metapher für die Ohnmacht, die Konsument*innen innerhalb konsumgetriebener Systeme erfahren können, sowie für die Belastung von Mensch und Umwelt durch wirtschaftliche Interessen.

Technisch habe ich mit einem manuell eingestellten Aufsteckblitz gearbeitet und bewusst auf automatische Programme verzichtet. Die Lichtstärke wurde mithilfe von Messungen und wiederholtem Experimentieren angepasst. Durch das gezielte Variieren von Blitzleistung, Abstand und Lichtwinkel konnte ich schrittweise den gewünschten Editorial-Look entwickeln. Charakteristisch für diesen Look sind harte Kontraste, ausgeprägte Schatten und eine direkte, fast aggressive Lichtwirkung, die an Mode- oder Paparazzi-Fotografie erinnert und das konzeptionelle Anliegen visuell verstärkt.

Im Arbeitsprozess entstanden zahlreiche Bildvarianten mit unterschiedlichen Kombinationen aus Blumen, Farben und Plastikmaterialien. Aus dieser Vielzahl habe ich eine gezielte Auswahl getroffen, die das Spannungsverhältnis zwischen Organischem und Künstlichem am deutlichsten transportiert. Diese Fotografien wurden anschliessend für den Druck vorbereitet, unter anderem durch die Aufbereitung der Bilddaten in Adobe Bridge, um Kontraste, Farbstimmung und Tonwerte präzise zu kontrollieren.

Für die finale Umsetzung habe ich mich für einen Druck auf Plastikfolie entschieden. Dieses Material unterstreicht den künstlichen, glänzenden Charakter der Arbeit und ergänzt die Bildaussage auf einer materiellen Ebene. Nach dem Druck wurden die Arbeiten sorgfältig zugeschnitten und mit einem weißen Hintergrund hinterlegt, um die weißen Bildanteile sichtbar zu machen und eine klare Präsentation zu gewährleisten.

Rückblickend hat mir dieser Arbeitsprozess ermöglicht, technische Experimente gezielt mit einer inhaltlichen Fragestellung zu verbinden. Die Auseinandersetzung mit Aufsteckblitz-Fotografie, kombiniert mit konzeptionellen und materiellen Entscheidungen, hat meine fotografische Praxis erweitert und zu einer Arbeit geführt, die technische Lernziele und kritische Bildaussagen miteinander verknüpft.

(vha)

Rückblickend hätte ich mir mehr Zeit lassen sollen, insbesondere für die Bildbearbeitung und die finale Auswahl der Fotografien. Eine längere Arbeitsphase hätte es mir ermöglicht, mehr Bilder auszuarbeiten und für den Druck vorzubereiten, was die Serie insgesamt gestärkt hätte. Zudem hätte ich gerne ein weiteres Print-Produkt umgesetzt. Neben den großformatigen Drucken auf Plastikfolie hätte ein kleines Print-Produkt zum Durchblättern dem Projekt eine zusätzliche, kühlere Ebene gegeben und einen besseren Überblick über die gesamte Bildserie ermöglicht.