Teheran 1984

Marianne Damouzehtash verliess Zürich Anfang der 1980er Jahre und zog in den Iran. Als Schweizerin lebte sie über zwanzig Jahre mitten in der Islamischen Republik.

Marianne wuchs in Zürich auf, wurde mit 18 schwanger und zog zehn Jahre später mit ihrem Sohn in den Iran. Sie heiratete Fereydoun Damouzehtash und liess sich in Teheran nieder. Der Kontrast ist markant: die Hippie-Ära der frühen 1970er Jahre, dann die Islamische Republik.

Das ist die Geschichte meiner Grossmutter. Meine Familie spricht nicht offen darüber. Mit diesem Portrait möchte ich die Lücken füllen. Was waren ihre Hoffnungen? Ihre Sorgen? Wie sah ihr Alltag als Schweizerin in Teheran aus?

Bitte akzeptiere die statistik, Marketing Cookies um diesen Inhalt zu sehen.

(mmi)

Mit diesem Projekt wollte ich meine Lücken in AVE gezielt schliessen. Für den Major Journalismus Multimedial halte ich es für grundlegend, eigenständig mit Kamera, Schnitt und Produktion umgehen zu können.

Stoff, Figur und Konflikt waren mir früh klar. Marianne hat einen aussergewöhnlichen Charakter, den ich unbedingt filmisch festhalten wollte. Was mir fehlte, war ein präziser Aussagewunsch. Diese Unschärfe zog sich durch das gesamte Projekt, von den Interviewfragen bis in den Schnitt.

Die Fragen waren zu allgemein formuliert. Ich hatte zu viel Rücksicht genommen und die Interviews nicht konsequent genug vorbereitet. Meine Familie hatte mich gewarnt, dass Marianne nicht offen erzählen würde. Ich war überzeugt, dass unsere enge Beziehung ausreichen würde. Das war ein Fehler.

Das vergessene Stativ liess sich mit einem Bücherregal lösen. Da ich zum ersten Mal mit S-Log3 filmte, war das eine zusätzliche Herausforderung. Schwerwiegender war, dass ich die Kameraeinstellungen nicht vollständig im Griff hatte und das B-Roll-Material dadurch grösstenteils nicht verwendbar war. Ich drehte alleine und ich habe an diesem Tag viel gelernt. Gleichzeitig wäre es wertvoll gewesen, einmal mit einem erfahrenen Team zu arbeiten, um professionelle Abläufe aus der Praxis kennenzulernen.

Mariannes Aussagen haben mich überrascht. Auf die Frage nach dem Schwierigsten an ihrer Zeit in Teheran antwortete sie: «Das mit den Tieren fand ich am schlimmsten.» Den Krieg bezeichnete sie als «gewöhnungsbedürftig». Eine Szene, die nicht im Film zu sehen ist: Sie sprach über das eingeschränkte Stimmrecht von Frauen vor Gericht, versicherte mir aber, dass alle Richter immer freundlich zu ihr gewesen seien. Das hat mich schockiert.

Ich hatte drei Stunden Interviewmaterial. Marianne wich politischen Fragen konsequent aus und lenkte das Gespräch immer wieder um. Ich gebe mir die Verantwortung dafür, dass ich nicht härter nachgehakt habe. Gleichzeitig wurde mir klar, dass sie diese Gespräche möglicherweise gar nicht führen wollte. Sie stammt aus einer anderen Generation, mit einem anderen Verhältnis zur eigenen Vergangenheit. Das hätte ich früher berücksichtigen müssen.

Mit dem Endprodukt bin ich nicht vollständig zufrieden. Mehr B-Roll, externes Archivmaterial und ein klarerer Aussagewunsch hätten den Film stärker gemacht. Der rote Faden ist für mich erkennbar, ob er es für Aussenstehende ist, weiss ich nicht sicher. Ich hoffe dass sich meine technischen Fähigkeiten im nächsten Jahr verbessern werden und bin motiviert für das nächste Projekt.