Spielzug statt Einsatzbefehl – das Konzept eines taktischen Kartenspiels

Sie riskieren täglich ihre Gesundheit, um anderen zu helfen – oft ohne dafür eine Gegenleistung oder Dank zu erwarten. In Blaulicht übernimmst du die Rolle von Einsatzkräften und bewältigst deine eigenen Notfallsituationen.

Die Idee:

Alles begann mit einer nicht ganz so ernst gemeinten Idee. Bereits seit meiner Kindheit bin ich selbst begeistert von Kartenspielen, ob «Uno Flip», «Phase 10» oder gewöhnliche Jasskarten – in meiner Tasche findet man eigentlich immer ein Kartenspiel vor. Nach einem langen Tag in der Feuerwehr, voller Atemschutzübungen und mit schmerzenden Muskeln, schoss mir plötzlich eine Frage in den Kopf. Es gibt unzählige Fernsehsendungen über Polizisten, Ermittler, Sanitäter und Feuerwehrangehörige, und doch kann ich im Kopf nicht ein einziges Kartenspiel nennen, das von Einsatzkräften handelt. Warum?

Nun im Nachhinein wage ich zu sagen, dass dies daran liegen könnte, dass es gar nicht so einfach ist ein funktionierendes Kartenspiel zu entwickeln, das sich rund um Blaulichtorganisationen dreht, und gleichzeitig kein Vorwissen verlangt. Doch ich nahm mir vor, das zu ändern.

Blaulicht – so funktioniert’s:

🎯Ziel des Spiels:

Die Spieler:innen versuchen durch das erfolgreiche Bewältigen von Einsätzen möglichst viele Punkte zu sammeln. Das Spiel endet, sobald der erste Einsatz abgeschlossen wurde und die laufende Runde beendet ist.

⚙️ Vorbereitung:

  • Jede Person erhält 7 Karten (8 bei zwei Personen).
  • Die restlichen Karten bilden die beiden Nachziehstapel.
  • Die erste Karte des Stapels wird offengelegt.
  • Alle Spieler:innen ziehen eine Notfallkarte und legen sie offen vor sich ab.
  • Die Anforderungen für das benötigte Team können der Liste entnommen werden.

 🔨 Aufbau der Einsätze:

Jeder Einsatz besteht aus drei Stufen (vier bei 6-8 Spieler:innen). Die Stufen müssen chronologisch bewältigt werden. Stufe 1 besteht aus 4 Karten, die alle miteinander abgelegt werden müssen. Hat man diese Stufe überstanden, darf man auch bei anderen Personen Karten ablegen. Stufe 2, 3 (und 4) beinhalten jeweils zwei Karten, die einzeln abgelegt werden müssen.

🧸Spielzug:

  1. Eine Karte ziehen (vom Nachzieh- oder Ablagestapel).
  2. Eine Karte ausspielen:
    – auf den eigenen Einsatz
    – oder (ab Stufe 2) auf den Einsatz eines Mitspielers
  3. Karte ablegen

    Sobald ein Spieler nur noch drei Karten in der Hand hält, darf die Hand wieder auf sieben erhöht werden.

🤜🤛 Einsätze anderer sabotieren:

Sobald Stufe 1 abgeschlossen wurde, dürfen Karten bei anderen Spieler:innen abgelegt werden, um ihnen Punkte zu stehlen. Es darf pro Zug nur eine Karte gelegt werden. Zudem dürfen keine bereits gelegten Karten entfernt werden.

🏁 Spielende:

Sobald eine Person ihren Einsatz vollständig abgeschlossen hat, wird die aktuelle Runde zu Ende gespielt. Danach werden alle Punkte gezählt.

Die Test-Phase:

Im Verlauf des Semesters führte ich drei Testspiele durch. Diese waren äusserst hilfreich, da gewisse Fragen und Unklarheiten erst beim Spielen auftreten. Durch das erste Testing konnte ich besonders Kleinigkeiten anpassen. So fügte ich Joker hinzu und musste mich selbst noch bezüglich einigen Spielmechaniken entscheiden. Ich achtete bei den Testings darauf, dass ich diese mit unterschiedlichen Zahlen an Personen durchführte. So stellte sich beim erneuten Austesten heraus, dass das Spiel – besonders mit zwei Spieler:innen – viel zu passiv ist und so keinen Spass bereitet. Jeder Testlauf half mir also dabei das Spiel selbst besser zu verstehen und so das meiste Potenzial aus dem Kartenspiel herauszuholen.

Next Steps:

Ich werde das Kartenspiel nochmal mit verschiedenen Personen testen und es gegebenenfalls anpassen. Des Weiteren möchte ich mich das nächste Semester auf das Design der Karten, das Layout der benötigten Listen und der Spielregeln konzentrieren. Nach dem Feinschliff möchte ich natürlich den passenden Ort finden, um das Spiel drucken zu lassen. Ich freue mich bereits jetzt darauf, das gedruckte Deck erstmals in den Händen zu halten.

(vha)

Grundsätzlich wusste ich dass ich mir mit diesem Projekt sehr viel vorgenommen hatte. Zunächst beabsichtigte ich, das ganze Kartenspiel in diesem Semester zu konzipieren und es gleichzeitig bereits zu gestalten. Dennoch unterschätzte ich den Arbeitsaufwand enorm. Nach jedem Testdurchlauf des Spiels passte ich die Regeln oder das Konzept ziemlich drastisch an, was dazu führte, dass ich auch den Prototypen stetig anpassen und ergänzen musste. Dadurch – und besonders auch durch die Übernahme von weiteren Digezz Projekten wie Medienmacher:innen, kam ich teils nur sehr langsam voran. So konnte ich bisher erst mit den digitalen Skizzen der Karten starten und muss im Bezug zum Design des Spieles noch einige Aufgaben durchführen, bis ich ein fertiges Deck an Karten habe.

Das Grundgerüst des Spiels stand innerhalb weniger Tage. Doch obwohl ich mir wirklich viel Mühe dabei gegeben habe, das Spiel sehr gut durchzudenken, stellte sich in den Testspielen heraus, dass das Spiel viel zu passiv war. Die Personen fanden die Idee spannend und auch das Prinzip interessant, doch die verschiedenen Teams, die bei jedem Notfall zusammengestellt werden müssen, und der damit einhergehenden hohen Anzahl an benötigten Karten im Deck, führten dazu, dass die Testspieler:innen ständig Karten zogen und nur darauf warteten, dass sie eine erhalten, die sie nutzen können.

Aufgrund der hilfreichen Rückmeldungen in der Test-Phase krempelte ich den Ablauf und das Konzept von Blaulicht also nochmal komplett um. Dies hat mir gezeigt, wie wichtig es ist, ein Kartenspiel ausgiebig zu testen.  Im kommenden Semester werde ich also nochmal ein paar Spieltests durchführen, bevor ich mich komplett dem Design widme. Die Motive der Karten zeichne ich mit Procreate. Aktuell gehe ich auch noch davon aus, dass ich die Karten selbst dann in InDesign herstellen werde. Jedoch kann es auch sein, dass ich zu einer anderen Plattform wechseln werde, die für diesen Zweck besser geeignet ist.

Abschliessend lässt sich nur sagen: Auch wenn mich die Entwicklung von Blaulicht sehr viel Zeit und Nerven gekostet hat, so bin ich noch immer sehr begeistert von der Idee. Ich freue mich also darauf, das Kartenspiel weiter ausarbeiten und realisieren zu können. Gleichzeitig habe ich auch einen enormen Respekt für Spieleentwickler gewonnen, denn gute Spiele wirken simpel, sind in Realität jedoch weit davon entfernt. Ich hoffe, dass ich mit dem Spiel Einsatzkräfte eine kleine Freude bereiten kann. Und wer weiss, vielleicht findet das erstgedruckte Deck ja mysteriöserweise seinen Weg in den Aufenthaltsraum unserer Feuerwehr?