sonder studio: Start in die Selbständigkeit

Der Arbeitsmarkt im Grafikdesign ist nicht einfach und neben dem Studium eine flexible Anstellung zu finden ist oft schwierig. Statt auf die passende Gelegenheit zu warten, begann ich gemeinsam mit zwei Kollegen selbständig Aufträge zu akquirieren und unsere Arbeit selbst zu organisieren. Dies war die Geburtsstunde von sonder studio – unsere Kollektivgesellschaft für visuelle Kommunikation.

Die Gründung

Als wir sonder studio gründeten, stand nicht einfach ein einzelnes Designprojekt im Zentrum, sondern der Aufbau einer gemeinsamen gestalterischen Praxis. Plötzlich ging es nicht nur um Entwürfe und Kundenarbeit, sondern auch um alles, was Selbständigkeit überhaupt möglich macht: eine Kollektivgesellschaft gründen, ein Corporate Design aufbauen, eine Website lancieren, Social Media bespielen, Kund:innen akquirieren, Meetings führen und den administrativen Überblick behalten. Genau diese Vielschichtigkeit machte das Projekt für mich so spannend.

Entwicklung eines Markenauftritts

Ein wichtiger Teil der Arbeit war der Aufbau von sonder studio als Marke in Form eines visuellen Erscheinungsbildes. Dazu wurde eine reduzierte Website mit WordPress umgesetzt, die durch eine auffällige Animation ergänzt wurde. Ich arbeitete auch an zusätzlichen Anwendungen wie dem Instagram-Kanal, Visitenkarten, Flyern und weiteren Werbemitteln. Für die Werbeflyer wurden Stereogramme entwickelt – optische Täuschungen, in denen ein verborgenes 3D-Motiv sichtbar wird. Die Auflösung dazu konnte auf unserer Website entdeckt werden.

Unsere Präsenz nach aussen musste nicht nur gestalterisch funktionieren, sondern auch professionell, wiedererkennbar und aufmerksamkeitsstark sein.

Das Organisatorische

Genauso zeitintensiv war die organisatorische Seite. Mit der Gründung unserer Kollektivgesellschaft kamen viele Aufgaben dazu, die über das Gestalterische hinausgehen. Dazu gehörten nicht nur Offerten, Rechnungsstellung, Terminplanung und Projektkoordination, sondern auch die formale Anmeldung der Kollektivgesellschaft und die Auseinandersetzung mit den administrativen Grundlagen der Selbständigkeit. Wie treten wir nach aussen auf, wie organisieren wir Zuständigkeiten, wie strukturieren wir gemeinsame Projekte, welche Programme benötigen wir und wie schaffen wir eine verlässliche Grundlage für die Zusammenarbeit zu dritt. Auch unsere wöchentlichen Teammeetings waren Teil davon. In diesen Besprechungen klärten wir offene Aufgaben, besprachen neue Anfragen, verteilten Zuständigkeiten und hielten die nächsten Schritte für laufende Projekte fest.

Wie erreicht man Kunden?

Ein weiterer wichtiger Teil der Arbeit war die Kundenakquise. Da wir nicht auf bestehende Strukturen zurückgreifen konnten, mussten wir selbst sichtbar werden und aktiv Kontakte knüpfen. Dafür gingen wir unter anderem an Events, suchten das Gespräch mit potenziellen Kund:innen und tauschten uns mit anderen selbständigen Designer:innen aus, um von ihren Erfahrungen zu lernen. Auch über Social Media bauten wir eine Präsenz auf, die durch Reposts von Bekannten verbreitet wurde. Kundenakquise bedeutete deshalb nicht nur, neue Aufträge zu suchen, sondern auch, ein Netzwerk aufzubauen und herauszufinden, wie wir Sonderstudio langfristig etablieren können.

Die ersten Schritte sind getan, aber dieser Bereich ist noch lange nicht abgeschlossen. Gerade in der Kundenakquise und der langfristigen Etablierung gibt es noch viel zu tun. Ein nachhaltiges Netzwerk, wiederkehrende Kund:innen und funktionierende Akquiseprozesse entstehen nicht von heute auf morgen.

Erste Aufträge und Projekte

Ziemlich schnell gab es erste Aufträge, die ich über sonder studio abrechnen konnte. Diese werden zuerst an einer unserer wöchentlichen Sitzungen besprochen und anschliessend entschieden, wer welche Aufgaben übernimmt.

Ein Auftrag, auf den wir uns besonders gefreut hatten, war die Gestaltung von Plakat und Flyer für den «Weekendr» in St. Gallen. Der «Weekendr», der dieses Jahr zum zweiten Mal stattfand, ist ein einzigartiges Eventwochenende in Bars, Clubs und Kulturlokalen. Für uns war dieses Projekt besonders spannend, weil es uns den Einstieg in die sehr interessante Kulturbranche ermöglichte.

Ein darauf folgender Auftrag war die Entwicklung eines dynamischen Logos und Farbkonzepts für das Eventkollektiv und den Daydance-Veranstalter «Au Revoir», das dessen Stimmung und Lifestyle aufgreift. Ergänzend dazu entstand ein neues Gestaltungskonzept für passende Instagram-Posts, um den Auftritt auch auf Social Media konsistent und wiedererkennbar zu machen. Weiter wurden auch T-Shirts kreiert. Aktuell arbeiten wir zudem an der neuen Website, die bald lanciert werden soll.

Neben grösseren Kulturprojekten sind auch kleinere Aufträge wichtig. So durfte ich zum Beispiel die Titelseite für den Jahresbericht 2025 des Pflegeheims Haus Vorderdorf gestalten, mit dem Wunsch, alle Mitarbeitenden darauf abzubilden. Gerade solche kleineren, aber sehr konkreten Aufträge zeigen, wie unterschiedlich die Anforderungen im Studioalltag sein können und wie sich für jede Kundschaft eine passende visuelle Lösung entwickeln lässt.

Titelseite des Jahresberichts 2025 für das Haus Vorderdorf

(mbi)

Die Arbeit an sonder studio hat uns gezeigt, wie viel Potenzial in unserem Modell steckt, aber auch, wo wir uns noch verbessern müssen. In Zukunft müssen wir klarer definieren, wer welche Projekte übernimmt und wer die Hauptverantwortung trägt. Zwar besprechen wir neue Anfragen immer gemeinsam, im weiteren Verlauf fehlen aber teilweise noch eindeutige Zuständigkeiten.

Auch wirtschaftlich stehen wir noch am Anfang: Die Kundenakquise ist unregelmässig, wodurch mal mehr und mal weniger Arbeit anfällt und ein konstantes Einkommen noch nicht gegeben ist. Leider ist momentan für den Werbemarkt auch nicht die allerbeste Zeit. Zudem wurde uns bewusst, dass wir bei einzelnen Projekten mehr Aufwand geleistet haben, als wir am Ende verrechnet haben. Hier möchten wir künftig professioneller werden und unsere Arbeit klarer abgrenzen.

Trotzdem fällt mein Fazit positiv aus. Besonders wertvoll ist unsere gute Zusammenarbeit: Grössere Aufträge besprechen wir gemeinsam, kleinere können wir auch selbständig umsetzen. Dass die beiden anderen nebenbei angestellt sind und ich noch studiere, macht diese Konstellation zu einem guten Rahmen, um Selbständigkeit ohne extremen Druck aufzubauen. Sehr motivierend war auch das positive Feedback zu unserem Stil, etwa bei Projekten wie Weekendr oder Au Revoir. Es gab bereits erste Anfragen, die gerade wegen dieser gestalterischen Handschrift auf uns zukamen. Genau darin sehe ich eine grosse Stärke und auch das Potenzial, uns in Zukunft stärker im Kulturbereich und mit Branding-Aufträgen zu positionieren. Mir gefällt die selbständige Arbeit extrem und ich hoffe sehr, dies nach dem Studium in einem grösseren Rahmen weiterführen zu können.