Reisevideo Gran Canaria

Die Kanaren – Die spanische Inselkette im Atlantik lockt mit ihren ganzjährig milden Temperaturen und der nur vierstündigen Flugdistanz jährlich zahlreiche Sonnenanbeter vom Festland Europas auf die Inseln. Die vielseitige Landschaft, die von Insel zu Insel kaum unterschiedlicher sein könnte, die spanische Lebensfreude und nicht zu vergessen die köstlichen Tapas… Dazu noch Sonnengarantie an 300 Tagen im Jahr. Das alles und noch viel mehr hat uns auf die drittgrösste der sieben Inseln gelockt. 

So sind wir zwei Wochen lang der verschneiten Schweiz entflohen und haben unseren Vitamin D Haushalt nahe des afrikanischen Kontinents aufgetankt. Einige Impressionen unserer Reise haben wir natürlich mit der Kamera festgehalten. Gran Canaria — zu Lande, zu Wasser und aus der Luft.

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(ash)

Idee

Als wir unsere Reise sehr spontan gebucht hatten, kam uns schnell die Idee, Selinas neue Kamera und Viktorias Drohne einzupacken. Damals in der Churwoche im 1. Semester fanden wir nämlich schnell die Gemeinsamkeit, dass wir beide gerne Reisevideos unserer Ferien schneiden und diese dann auf Youtube stellen. Umso schöner ist es, dass unsere Freundschaft seit Studienbeginn bis jetzt so gefestigt wurde, dass wir nun sogar gemeinsam verreisen. Die geteilte Leidenschaft fürs Filmen sollte also auch in den Ferien nicht zu kurz kommen und wir wollten die Schönheit der Insel visuell festhalten.

Ziele

  • Umgang mit der neuen Kamera erlernen
  • mit Speedramps experimentieren
  • Einsatz von Audio Geräuschen für mehr Stimmung in Travelvideos
  • kleine Matchcuts und Motion Cuts kreieren
  • stimmungsvolles Color Grading erzielen
  • Color Grading in DaVinci Resolve üben
  • eine schöne Erinnerung an die gemeinsame Reise in Form eines Videos haben

Umsetzung

Material
Da wir sowieso schon im Gepäck gespart haben und die Waage beim Packen dauerpräsent war, wollten wir kein riesiges Equipment mitnehmen. Selina wollte ihre neue Kamera testen, die Panasonic S5 und Viktoria nahm die DJI Mavic Pro mit. Zusätzlich packten wir eine GoPro Hero 7 ein. Da wir nicht zum ersten Mal mit solchen elektronischen Geräten verreisten, wussten wir, dass die Akkus ins Handgepäck müssen und die Propeller der Drohne, die als Schnittwaffe durchgehen, ins Aufgabegepäck. Zusammen mit Laptops und dem ganzen Kabelsalat, gab es doch ein ziemliches Geschleppe und wir lagen nur knapp unter der Gewichtsbegrenzung beim Check-in.

Dreh
Vor Ort begannen wir relativ bald mit dem Filmen. Es ist definitiv ein Vorteil, wenn man dasselbe studiert, bzw. auch dasselbe Hobby teilt und wir inspirierten uns gegenseitig zu tollen Shots, Transitionmöglichkeiten und waren uns von Anfang an sehr einig über die Vorstellung des Endprodukts. Da Selina bereits zum 2. Mal nach Gran Canaria reiste, war ein aufwändiges Locationscouting nicht notwendig und sie fundierte als Guide. An folgenden Orten haben wir gedreht:

  • Baja Núñez (Las Palmas), Surferbeach
  • El Bufadero (Aufnahmen haben ihren Weg nicht ins Video geschafft)
  • Garita Beach (schwarzer Sandstrand)
  • Los Azulejos De Veneguera (Rainbow Rocks)
  • Pico de Bandama (Krater)
  • Playa de Amadores (Aufnahmen haben ihren Weg nicht ins Video geschafft)
  • Mogan (Blumen- und Hafenstadt)
  • Dunas de Maspalomas (Sanddünen)
  • Playa de las Canteras (Surfboardshots)

Dabei haben wir uns mit den Kameras abgewechselt, wodurch wir auch beide im Video vorkommen. Am meisten Schwierigkeiten hatten wir bei den Surfshots. Von den zahlreichen GoPro Aufnahmen hat es schliesslich nur 1 ins Video geschafft. Die Aufnahmen waren entweder langweilig, wir verpassten den perfekten Moment oder es befanden sich Wassertropfen auf der Linse. Das unruhige Meer, die hohen Wellen und die starke Strömung machten es der jeweiligen Kamerafrau umso schwieriger, gute Aufnahmen hinzukriegen. Dafür finden wir die Drohnenaufnahmen aus dem Teil besonders gelungen. Zudem war die Planung der Drehs etwas mühsam, da wir ja auch Ferien machen wollten und so koordinieren mussten, wann wir was filmen, um trotzdem surfen gehen zu können und das teure Equipment nicht unbeaufsichtigt am Strand liegen lassen zu müssen. Auch planten wir die Drehs jeweils eher gegen Abend um die Golden Hour zu erwischen.

Eine weitere Schwierigkeit waren die Szenen bei den Sanddünen. Wir wollten unbedingt Aufnahmen vom wegwehenden Sand und viele Closeups, aber natürlich keine Ladung Sand auf die neue Kamera abbekommen! Viktoria legte mal wieder einen 1A Abflug inmitten der Sanddünen aus hin: Drohnenabbflug von umgedrehten Flipflops aus. Auch nicht zu unterschätzen sei der starke Wind, der teilweise auf den Kanarischen Inseln herrscht und Drohnenflüge erschwert. Etwas enttäuscht waren wir von den Aufnahmen beim schwarzen Sandstrand. Zwar sind sie mit etwas Color Correction sehr ansehnlich, doch aus unerklärlichen Gründen waren wir unglaublich überbelichtet auf den Aufnahmen (und das lag nicht an der mangelnden Bräune 😉 ).

Was die Aufnahmen der Panasonic angeht, so waren die Ferien und dieses Digezz der perfekte Anlass, die Kamera in Aktion zu testen. Teilweise haben wir den Fokus etwas verhauen und die ideale Einstellung für Slowmotion Aufnahmen haben wir erst später entdeckt, doch rundum sind wir sehr zufrieden mit den Aufnahmen und finden den Mix aus Handkamera und Drohnenaufnahmen sehr schön. Für bessere Closeups bzw. Makroaufnahmen wäre ein anderes Objektiv nötig (Wir haben mit einem Standardobjektiv, das im Kit inbegriffen war gefilmt: F3.5-5.6 / 20-60mm).

Postproduktion

Materialsichtung
Das Material haben wir immer am Abend nach dem Dreh auf unsere Laptops gezogen und somit sichergestellt, dass beide alle Dateien besitzen. Meist haben wir uns die Aufnahmen im Schnelldurchlauf angeschaut. Zurück in der Schweiz begann Viktoria mit der Auswahl der besten Szenen. Den Workflow, bzw. die Premiere Pro Datei luden wir jeweils auf einen gemeinsamen Drive Ordner. Nach anfänglichem mühsamen Verlinken, da die Dateien trotz gleicher Dateinamen auf dem anderen Gerät nicht automatisch gefunden wurden, gelang uns schliesslich das parallele Arbeiten am Projekt. Selina schaute sich die herausgesuchten Szenen an und ordnete sie grob nach Verwendbarkeit.

Audio
Für die Musik verwendeten wir unseren Artlist-Account und suchten ca. 20 verschiedene Songs heraus. Immer wieder hörten wir sie durch, schlossen nach und nach Lieder aus und fanden schliesslich den idealen Rhythmus für unser Video. Wir wollten nämlich schnelle Beats, um uns an schnellen Cuts und Speedramps zu üben, aber auch langsame Parts, um den gewünschten Travelvideo Mood herzustellen. Da bei solchen Videos immer auf den Rhythmus geschnitten wird, kann der Schnitt nicht beginnen, bevor man das ideale Lied gefunden hat. (Aber auch das perfekte Lied hängt einem nach Stunden am Schnittpult zu den Ohren raus 😉 )

Die Audiogeräusche suchten wir nach der ersten Rohschnittfassung auf der Plattform Freesound. Mit den Geräuschen sorgten wir gezielt bei einigen Stellen im Video für Stimmung und wir finden beide, dass das Endprodukt dadurch enorm aufgewertet wurde. Dies werden wir künftig sicherlich noch mehr umsetzen und bereits bei der Drehplanung berücksichtigen oder sogar eigene Audios vor Ort aufnehmen, um nicht auf eine Sound-Bibliothek zurückgreifen zu müssen.

Schnitt
An den Rohschnitt setzten wir uns gemeinsam, was sich sehr gelohnt hat, da es durch den direkten Austausch viel leichter war, die Szenen sinnvoll aneinander zu reihen. Auch stellten wir so von anfang an sicher, dass das Endprodukt unseren beiden Geschmäckern entsprechen wird und die jeweiligen Favorit-Aufnahmen ihren Platz ins Video finden. Die Shots gingen recht gut auf, da wir vielseitig gefilmt haben und uns auch beim Filmen überlegt haben, wie wir die Aufnahmen miteinander verbinden können. Schwierigkeiten hatten wir teilweise beim finden von Übergängen von der einen zur nächsten Location. Dabei versuchten wir uns an den Farben zu orientieren und durch diese von einer Stimmung in die nächste überzuleiten, was uns im Endprodukt gut gelungen scheint. Leider haben es ein paar unserer Favorit-Aufnahmen deswegen jedoch nicht ins Video geschafft, da sie einfach verloren im Gesamtkonzept wirkten.

Die vielen verschiedenen Beats im gewählten Lied machten den Schnitt sehr komplex und es waren einige Schnittpausen nötig, bis man das Gefühl für den Rhythmus zurückerlangte. Mit herumexperimentieren von Schnitt und Speedramps finden wir, ist das Endprodukt sehr lebendig geworden. Super in der Teamarbeit war auch, dass wenn eine Person irgendwann “einen Knopf” hatte, bald darauf die andere weiter schnitt und den vorherigen Rohschnitt meist extrem aufwertete. So hatten wir schlussendlich zwar 9 Rohschnittversionen, konnten jedoch enorm voneinander profitieren.

Outro
Das Outro erstellten wir in After Effects, nicht ohne ein paar Flucher über Basic-Funktionen, die wir seit dem ersten Semester schon wieder vergessen haben.

Color Correction & Grading
Die grösste Herausforderung bei der Farbkorrektur war es, die Farbstimmung der Aufnahmen der Panasonic passend auf die der Drohnen abzustimmen. Oft wirkte das jedoch so gekünstelt, dass wir eher kleine Anpassungen vorgenommen haben und besonders auch an der Sättigung, Kontrast, Highlights und Schatten geschraubt haben. Wir probierten auch aus, mittels Adjustment Layer ein Grading über den ganzen Clip zu ziehen, was jedoch aufgrund der unterschiedlichen Stimmungen und Aufnahmen gar nicht schön wirkte. So verpassten wir den jeweiligen Orten individuelle Gradings. Nach einer ersten gegradeten Version im Premiere Pro, erstellten wir eine zweite Version in DaVinci Resolve, da wir das Programm neu in unserem Major erlernt haben.

Thumbnail
Da wir im Laufe der Ferien nicht nur filmten sondern auch einige Fotos schossen, war es einfach, ein passendes Bild für das Thumbnail zu finden. Wir entschieden uns für das Postkartenmotiv von Gran Canaria: Ein Shot über den Dünen von Maspalomas. Bearbeitet mit Lightroom und Photoshop.

Kurzversion
Um ein bisschen Werbung zu machen und das Video via Instagram zu promoten, haben wir noch eine Kurzversion von 15 Sekunden für Instagram geschnitten.

Fazit & Learnings

  • Zeit nehmen die Kamera passend und individuell einzustellen + Fokus!
  • Transitions und Cuts für die Nachbearbeitung bereits früh planen und gezielt filmen, z.B. auch bei Motioncuts muss die Bewegung geplant und richtig aufgenommen werden, um in der Postproduktion umsetzbar zu sein.
  • Mut zu hohen Drohnenflügen zahlt sich aus.
  • Drohneneinstellungen noch besser abchecken (teils Über- und Unterbelichtung)
  • Die GoPro benötigt eine wasserabweisende Schicht auf der Linse.
  • Audiogeräusche bieten einen enormen Mehrwert, was die Stimmung im Video betrifft.
  • Warp Stabilizer + Geschwindigkeitsanpassungen funktionieren nicht auf demselben Clip, am besten schon sehr stabil filmen!
  • Lieber zu viel B-Roll als zu wenig, bietet mehr Spielraum in der Postproduktion, besonders wenn man noch Füllmaterial aufgrund des Rhythmus benötigt.
  • Dieselbe Szene mehrmals zu filmen lohnt sich ebenfalls um in der Postproduktion eine bessere Auswahl zu haben.
  • Wir sind Fans von Closeups, Tiefenunschärfe, Schärfenfahrten und vor allem Drohnenshots.
  • Sonnenuntergänge für Filmsessions zu nutzen lohnt sich.
  • Die Kleiderwahl bei Aufnahmen ist eben doch wichtig, merkt man spätestens beim Color Graden.
  • Vielleicht doch mal lernen, die Drohne aus der Hand zu starten & zu landen.
  • Fan vom Color Grading im DaVinci Resolve geworden.