Produktfotografie auf dem Jungfraujoch

Wie fotografiert man eine Luxusuhr auf 3454 Metern Höhe, wenn man auf ein bewusst schlankes Setup setzt? Inmitten von Touristenströmen und praller Gletscher-Sonne am Jungfraujoch war diese Kampagne für die Hublot Special Edition von Kirchhofer meine bisher grösste gestalterische und logistische Herausforderung.

Ein Projekt für einen Brand wie Hublot beginnt nicht an der Kamera, sondern am Sitzungstisch. Da die Uhr exklusiv über Kirchhofer vertrieben wird und vom Jungfraujoch respektive dem Aletschgletscher inspiriert ist, musste die visuelle Sprache eine Brücke zwischen alpiner Rohheit und technischer Präzision schlagen. In mehreren Meetings mit den Verantwortlichen von Hublot definierten wir den «Glacier-Look». Die grösste Herausforderung im Konzept: Wie fangen wir die verändernden Farben der Uhr ein, die auf die Lichtbrechung im Gletschereis anspielen?

Die Wahl des Equipments

Normalerweise würde man bei einem solchen Auftrag an ein voll ausgestattetes Studio-Setup mit Blitzanlagen und Stativen denken. Ich entschied mich jedoch bewusst für einen schlanken, agilen Ansatz mit der Fujifilm X100VI. Der Grund war rein logistischer Natur. Auf 3454 Metern Höhe, inmitten von Touristenströmen, ist Mobilität der entscheidende Faktor. Ein kompaktes Equipment ermöglichte es mir, schnell auf wechselnde Lichtstimmungen zu reagieren und diskret zwischen den Besuchenden zu agieren, ohne den Set-Betrieb durch massives Equipment zu blockieren.

Lichtführung unter Extrembedingungen

Das Jungfraujoch bietet eine der schwierigsten Lichtumgebungen für die Produktfotografie. Der Schnee fungiert als gigantischer, unkontrollierbarer Reflektor, während die direkte Sonne extrem harte Kontraste erzeugt, wenn sie nicht gerade von Wolken überdeckt wird.

Die Lösung: Statt gegen das Licht zu arbeiten, nutzte ich es. Durch gezieltes Abschatten mit dem eigenen Körper und das Ausnutzen natürlicher Kanten im Eis konnte ich die Reflexionen auf dem Saphirglas steuern.

Technisches Detail: Besonders knifflig war die Materialität der Uhr. Um das Zifferblatt zum Leuchten zu bringen, ohne die Textur des Gehäuses zu «überstrahlen», musste ich mit extrem knappen Belichtungszeiten und bewusster Unterbelichtung in den RAW-Daten arbeiten.

Post-Production

In der Nachbearbeitung lag der Fokus darauf, die natürliche Farbdynamik der Uhr zu betonen. Da sich die Farbe je nach Licht verändert, war das Ziel nicht ein statischer Look, sondern eine Serie, welche diese Varianz zeigt. In Adobe Lightroom wurden die Blau- und Türkistöne der Uhr subtil herausgearbeitet, um die Verbindung zwischen Produkt und Umgebung zu stärken, ohne den authentischen Charakter der «Natural Light Photography» zu verlieren.

Das Ergebnis der Kampagne im Video

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Credit: Um die monumentale Weite des Aletschgletschers einzufangen, wurde mein Videomaterial durch Drohnenaufnahmen ergänzt, die mir freundlicherweise von Kirchhofer zur Verfügung gestellt wurden.

(mmi)

Rückblickend war dieses Projekt mein bisher grösster gestalterischer und organisatorischer Lernprozess. Da es mein erstes Mal war, ein Luxusprodukt unter solchen Extrembedingungen zu inszenieren, war die Nervosität zu Beginn ein ständiger Begleiter. Die grösste Hürde war nicht die Technik, sondern die Geduld. Zwischen Touristenströmen den einen Moment zu finden, in dem Licht, Hintergrund und Reflexion stimmten, war eine mentale Herausforderung.

Ein kritischer Punkt war die Zeitplanung. Trotz intensiver Vorbereitung unterschätzte ich, wie schnell die Lichtverhältnisse auf dieser Höhe umschlagen. Ein technisches Learning für das nächste Mal wäre der Einsatz von spezialisierten Polfiltern, um die massiven Reflexionen im ewigen Eis und Schnee noch präziser zu steuern. Dennoch zeigt das Ergebnis, dass der Mut zum “Eifach machä” und ein effizientes Setup oft stärkere Bilder liefern als eine überinszenierte Studioproduktion. Die Abnahme durch Hublot und Kirchhofer bestätigt mir, dass die emotionale Verbindung zum Standort Jungfraujoch wichtiger war als technische Perfektion im Labor.