PHOTOBUCH / SCRAPBOOK JAPAN

Kein klassischer Reisebericht, kein perfektes Fotobuch, sondern ein digitales Scrapbook. Für Tokyo habe ich meine Bilder «ausgeschnitten», neu «zusammengeklebt», verschoben und mit Gedanken ergänzt. Wie ein Notizbuch, das man in den Rucksack stopft, nur eben online.

Ich wollte meine Reise nicht im Nachhinein glattbügeln, sondern die Momente so festhalten, wie sie sich angefühlt haben: überfordernd, schön, laut, leise, fremd und manchmal sehr persönlich. Zwischen den Fotos tauchen deshalb kleine Texte auf: Gedanken, Gefühle, Fragmente. Dinge, die sonst verloren gehen würden, wenn man nur die „schönen“ Bilder zeigt.

Das Scrapbook ist weniger ein Ort für perfekte Erinnerungen als für ehrliche. Es geht nicht darum, Tokyo zu erklären, sondern darum, meine Zeit dort spürbar zu machen – mit all den Widersprüchen, die dazugehören. Ein kleines visuelles Tagebuch, das man durchblättern kann, um noch einmal in diese Reise einzutauchen.

Oder Schaus dir Online an 🙂

https://shorturl.at/HNaXh

(abb)

Bevor das Scrapbook überhaupt entstehen konnte, stand ein sehr grosser Auswahl- und Bearbeitungsprozess: Aus rund 400 Fotos musste ich die besten Bilder herausfiltern und vergleichen. Danach folgte ein langer Bearbeitungs-Prozess in Lightroom, in dem ich die Bilder farblich, in der Stimmung und im Kontrast so angepasst habe, dass sie sowohl einzeln als auch als Serie funktionieren. Dieser unsichtbare Teil der Arbeit war zeitintensiv, aber entscheidend dafür, dass das Scrapbook überhaupt eine kohärente visuelle Sprache bekommen konnte.

Die Idee, meine Tokyo-Reise als digitales Scrapbook statt als klassisches Fotobuch umzusetzen, hat gut funktioniert, um Nähe und Intimität herzustellen. Durch das  Kommentieren der Bilder entsteht ein sehr persönlicher Zugang, fast wie ein visuelles Tagebuch. Für mich selbst, aber auch für Aussenstehende wird dadurch klarer, wie sich diese Reise angefühlt hat und nicht nur, wie sie ausgesehen hat.

Gleichzeitig zeigt sich hier auch eine Schwäche: Die starke Subjektivität und die fragmentierte Struktur können schnell unübersichtlich werden. Nicht alle Betrachter*innen können die Gedanken zwischen den Bildern sofort einordnen und teilweise fehlt ein klarer roter Faden, der durch das Buch führt. Das Scrapbook lädt zwar zum Stöbern ein, bietet aber wenig Orientierung, was Reihenfolge, Dramaturgie oder thematische Schwerpunkte betrifft.

Gestalterisch habe ich gemerkt, dass der spielerische Collagen zwar viel Freiheit gibt, aber auch schnell chaotisch wirken kann. In manchen Doppelseiten konkurrieren Bilder, Texte und Formen um Aufmerksamkeit, sodass einzelne Inhalte weniger wirken, als sie könnten.

Für zukünftige Projekte würde ich stärker darauf achten, diese persönliche, rohe Ästhetik mit etwas mehr Struktur zu verbinden. Zum Beispiel durch Kapitel, wiederkehrende visuelle Elemente oder bewusstere Pausen zwischen den Seiten. So könnten Emotionen und Erinnerungen weiterhin authentisch bleiben, aber für andere noch zugänglicher und lesbarer werden.