Paris ohne Hardcuts

Nur Ferien machen wäre ja langweilig – also habe ich ein Digezz-Projekt daraus gemacht.

Ich beschloss, Ende April mit meiner Freundin für 5 Tage nach Paris zu gehen. Ich setzte mir das Ziel, ein Reisevideo über die Stadt des Lichts zu machen, aber gleichzeitig mit der Herausforderung, dass das Video so wenig Hardcuts wie möglich enthalten sollte.

Ich war schon immer fasziniert von Creators wie Sam Kolder, BennTK, Zimy da Kid und anderen, die ihre Geschichten in einem schnellen Flow erzählen und auf fliessende und nahtlose Übergänge setzen. Der kreative Aspekt und die Schwierigkeit, immer an die Übergänge denken zu müssen, schienen mir eine schwierige, aber überwindbare Herausforderung zu sein. Ich wollte das endlich ausprobieren, und die hektischen Strassen von Paris schienen der beste Ort dafür zu sein!

(mou)

Vorbereitung

Damit ein solches Video gelingt, ist eine gute Vorbereitung absolut notwendig. Einerseits geht es um die Geschichte und die Aufnahmen selbst, aber gleichzeitig ist die Technik hinter dem Flow und den nahtlosen Übergängen extrem wichtig. Zur Vorbereitung auf die Reise schaute ich mir also eine Vielzahl von Videos und Beiträgen an. Ich sah mir die Videos von Sam Kolder, Benn TK und vielen anderen Creators an, die alle mit nahtlosen Übergängen arbeiten. Einige der Videos habe ich heruntergeladen, damit ich sie in Premiere Pro verlangsamen konnte. So konnte ich mich Bild für Bild durchklicken, um zu verstehen, wie sie die Übergänge erstellen. Auf diese Weise konnte ich eine Liste möglicher Übergänge erstellen, die ich dann beim Dreh verwenden konnte. Nachdem ich verstanden hatte, wie die Übergänge funktionieren, probierte ich sie in meinem Garten aus, um die Bewegungen zu üben. Anschliessend habe ich die Aufnahmen in Premiere zusammengeschnitten, um zu sehen, ob die Nahtlosigkeit so funktionierte, wie ich sie mir vorgestellt hatte. Ich habe mir auch viele Filmvideos von Paris angesehen, um eine Vorstellung davon zu bekommen, was mich dort erwartete. Das gab mir Inspiration für meine eigenen Aufnahmen und Sequenzen, die ich mir ausdachte. Nebenbei erstellte ich Moodboards und Google-Listen, um für die Reise so gut wie möglich vorbereitet zu sein, da ich wusste, dass die Zeit in den 5 Tagen knapp werden würde.

Umsetzung

Jeden Tag waren wir in der Stadt unterwegs und besichtigten die verschiedenen Sehenswürdigkeiten von Paris. Viele der Aufnahmen entstanden spontan, wenn ich eine schöne Komposition entdeckte oder mir plötzlich eine Sequenz einfiel, die man drehen könnte. Ich filmte auch die Aufnahmen und Sequenzen, die ich mir in der Vorbereitung ausgedacht und aufgeschrieben hatte. Die Schwierigkeit bestand immer darin, dass alle Aufnahmen einen Ein- und Ausgangsübergang haben mussten, damit ich sie dann im Schnitt aneinanderreihen konnte. Ich verwendete Objekte im Vorder- oder Hintergrund, um die Übergänge zu schaffen, oder schnelle Bewegungen, um die Motion als Übergang zu nutzen.

Schnitt

Der erste Schritt bestand darin, die Clips zu sichten. Insgesamt habe ich etwa 100 GB an Daten aufgezeichnet, was ungefähr 300 Aufnahmen entspricht, so dass das Sortieren und Auswählen der Clips mehr Zeit in Anspruch nahm, als ich dachte. Da ich aber weiss, wie schwierig es ist, ein Video zu bearbeiten, wenn es an Material mangelt, habe ich absichtlich mehr als nötig gefilmt. Aus all den Ausnahmen habe ich Sub-Sequenzen von Standorten zusammengestellt, so dass das Endprodukt einen Flow durch die verschiedenen Viertel von Paris haben würde. Anschliessend konnte ich alle Sub-Sequenzen durch Übergänge miteinander verbinden. Da ich in 10-Bit-Log gedreht habe, wollte ich mir auch genügend Zeit für das Colourgrading nehmen. Mit Hilfe einiger Tutorials konnte ich mehr lernen und dem Video einen Look geben, der mir wirklich gefiel. Auch die Icons, Grafiken und spezielle visuelle Effekte habe ich in Illustrator und After Effects erstellt, um dem Video eine besondere Wirkung zu verleihen und die Möglichkeit zu haben, Standbilder in ein bewegtes Medium einzubinden. Ich wollte auch beim Sounddesign etwas kreativ sein und habe daher selbst aufgenommene Audioeffekte verwendet, um dem Video etwas mehr Leben einzuhauchen.

Fazit & Learnings

Ich bin sehr zufrieden mit dem Endprodukt, da dies das erste Video ist, das ich komplett mit nahtlosen Übergängen produziert habe. Auch beim Colourgrading und Sound Design konnte ich Zeit investieren, um neue Skills dazuzulernen und mich kreativ etwas auseinander setzen. Der schwierigste Teil des gesamten Projekts war das Filmen der Aufnahmen. Ich musste immer besonders auf den Anfang und das Ende der Aufnahme achten, damit ich sicher war, dass ich in der Postproduktion einen Übergang daraus machen konnte. Es wäre sicher hilfreich gewesen, wenn ich mir im Vorfeld eine detaillierte Shotlist überlegt hätte. Das hätte mir etwas von der Spontaneität der Aufnahmen erspart und ich hätte mich auf noch kreativere Übergänge konzentrieren können. Ich habe auch festgestellt, dass diese Übergänge dem Video zwar einen natürlichen Flow verleihen, aber für ein sehr langes Video nicht sehr gut geeignet sind. In Zukunft möchte ich diese Techniken noch einmal ausprobieren und anwenden – allerdings bei einem Projekt mit kürzeren Videos, damit die Übergänge nicht zu übertrieben sind.