Monoton – Meine ersten Schritte in die Selbstständigkeit
Vor rund einem Jahr habe ich meinen Job bei einem Veranstaltungstechnik-Unternehmen gekündigt. Die Entscheidung fiel mir nicht leicht, doch ich wusste, dass ich langfristig meinen eigenen Weg gehen möchte. Anfang 2026 erhielt ich schliesslich die offizielle Bestätigung meiner Anmeldung als Selbstständigerwerbender in der Schweiz. Damit wurde aus einer Idee Realität: Ich machte die ersten Schritte als freischaffender Tontechniker.
Der Name meines Projekts lautet Monoton. Einerseits leitet er sich von meinem Spitznamen «Mo» ab. Andererseits stammt das Wort vom altgriechischen monótonos, was so viel bedeutet wie «aus einem einzigen Ton bestehend.» Dieser Gedanke passt für mich perfekt zu meiner Arbeit: Oft bin ich nur eine einzelne Person im Hintergrund einer Produktion, trage aber dazu bei, dass am Ende alles zusammenkommt und ein Projekt überhaupt zum Klingen gebracht werden kann.
Mein Ziel für dieses Semester war es, mindestens zehn professionelle Produktionen umzusetzen und dabei herauszufinden, wie tragfähig meine Selbstständigkeit tatsächlich ist.
Der Einstieg durch mein Netzwerk
Der Start verlief erfolgreicher als erwartet. Noch bevor ich aktiv nach Kundinnen und Kunden suchen musste, erhielt ich erste Anfragen aus meinem bestehenden Netzwerk. Ende 2025 wurde ich von der Werkstatt Chur angefragt, als einer von zwei Haustontechnikern tätig zu werden. Für mich war dies der perfekte Einstieg. Über mehrere Monate hinweg betreute ich dort Konzerte, Comedy-Veranstaltungen und kulturelle Anlässe. Zu meinen Aufgaben gehörten der Aufbau der Technik, die Betreuung der Künstlerinnen und Künstler sowie das Live-Mixing der Veranstaltungen. Besonders regelmässig arbeitete ich für die Konzerte des Volksclub Chur, bei denen oft internationale Musikerinnen und Musiker auftraten.
Zusätzlich erhielt ich über Kontakte aus meinem bisherigen Berufsleben einen Auftrag beim Festival Close Encounters der Postremise Chur. Dort unterstützte ich den verantwortlichen Tontechniker beim Aufbau und der technischen Vorbereitung der Veranstaltung. Diese ersten Aufträge machten deutlich, wie wichtig persönliche Beziehungen in der Veranstaltungsbranche sind. Die meisten meiner ersten Projekte entstanden nicht durch Werbung oder Bewerbungen, sondern durch Menschen, die meine Arbeit bereits kannten und mir vertrauten.
Erfahrung als Grundlage
Obwohl die Selbstständigkeit für mich neu war, begann ich nicht bei null. Bereits vor meiner Gründung hatte ich zwei Jahre Berufserfahrung als Veranstaltungstechniker gesammelt und in dieser Zeit Dutzende Produktionen betreut und gemischt. Dadurch verfügte ich bereits über das technische Know-how und das Selbstvertrauen, um professionelle Aufträge eigenständig umzusetzen. Meine regulären Tarife orientieren sich deshalb an branchenüblichen Ansätzen und liegen bei einer Tagespauschale von 700 Franken, einer Halbtagespauschale von 400 Franken oder einem Stundenansatz von 100 Franken. Für die Werkstatt Chur galt eine Ausnahme. Da die Veranstaltungen dort meist klein sind und der technische Aufwand überschaubar bleibt, vereinbarten wir einen fairen Pauschalbetrag von 250 Franken pro Veranstaltung. Die Konzerte bestehen oft aus kleinen Besetzungen und aufgrund des bestehenden Lautstärkekonzepts sind aufwendige Produktionen mit grossen Bands oder Schlagzeug selten.
Die erste wichtige Lektion
Eine besonders wertvolle Erfahrung machte ich bei einem Auftrag für die Talentschule Graubünden. Neben der technischen Betreuung musste ich dort erstmals auch die komplette Infrastruktur organisieren. Da ich mich noch in der Aufbauphase meiner Selbstständigkeit befinde und nicht über eigenes Veranstaltungsequipment verfüge, koordinierte ich die benötigte Technik über meinen ehemaligen Arbeitgeber und integrierte diese Kosten in die Offerte.
Der Auftrag verlief erfolgreich, dennoch machte ich einen Fehler. Da alle bisherigen Produktionen problemlos verlaufen waren und ich auch in meinem früheren Angestelltenverhältnis stets positives Feedback erhalten hatte, erhöhte ich für diesen Auftrag erstmals meine Tagespauschale von 600 auf 700 Franken. Was ich dabei jedoch vergass: Ich definierte nicht klar, wie zusätzliche Arbeitsstunden verrechnet werden. Der Einsatz dauerte schliesslich rund 16 Stunden und damit doppelt so lange wie ursprünglich geplant. Nach dem Auftrag suchte ich das Gespräch mit dem Auftraggeber, erklärte die Situation offen und wir fanden gemeinsam eine faire Lösung.
Rückblickend war dies eine der wichtigsten Lektionen dieses Semesters. Gute Arbeit allein reicht nicht aus. Wer selbstständig arbeitet, muss auch lernen, Offerten sauber zu formulieren, Erwartungen klar zu kommunizieren und den eigenen Aufwand realistisch einzuschätzen.














Ein neuer Bereich: Filmton
Neben der Live-Tontechnik wollte ich dieses Semester bewusst einen Bereich kennenlernen, in dem ich bislang kaum Erfahrung gesammelt hatte: den Filmton. Während ich im Live-Bereich bereits als Fachperson arbeite und dafür bezahlt werde, entschied ich mich im Bereich Set-Ton zunächst bewusst für unbezahlte Projekte. Mein Ziel war es, Erfahrungen zu sammeln, Fehler machen zu dürfen und neue Arbeitsweisen kennenzulernen, ohne den Druck eines professionellen Kundenauftrags.
Über Kontakte an der FH Graubünden erhielt ich die Möglichkeit, bei zwei Kurzfilmproduktionen als Boom Operator mitzuwirken. Dabei bestand meine Aufgabe darin, mit der Tonangel die Dialoge aufzunehmen und gemeinsam mit dem restlichen Tonteam für hochwertige Aufnahmen am Set zu sorgen. Der Einstieg verlief nicht immer reibungslos. Beim ersten Projekt kämpfte ich gleichzeitig mit Krankheit, technischen Herausforderungen und einem Workflow, den ich noch nicht vollständig beherrschte. Zudem kam es später zu Problemen beim Synchronisieren der Ton- und Bilddateien.
Bereits beim zweiten Projekt zeigte sich jedoch, wie schnell praktische Erfahrung Wirkung zeigen kann. Die Zusammenarbeit im Team funktionierte deutlich besser, die Abläufe waren strukturierter und die Dateien konnten direkt am Set korrekt organisiert und übergeben werden. Besonders spannend war für mich der Unterschied zwischen Live-Tontechnik und Filmton. Während bei Konzerten oft schnelle Entscheidungen gefragt sind und Fehler sofort hörbar werden, stehen am Filmset Präzision, Kommunikation und eine saubere Vorbereitung im Mittelpunkt.











Fazit
Bis zum Ende des Semesters konnte ich insgesamt elf Produktionen umsetzen und rund 4000 Franken Umsatz erzielen. Noch wichtiger als die finanziellen Ergebnisse waren jedoch die Erfahrungen, die ich sammeln konnte. Ich habe gelernt, Aufträge zu akquirieren, Offerten zu erstellen, Kundengespräche zu führen, technische Probleme unter Zeitdruck zu lösen und mich in einem neuen Fachbereich weiterzuentwickeln. Gleichzeitig konnte ich mein Netzwerk ausbauen und die Grundlage für zukünftige Projekte schaffen.
Der Weg in die Selbstständigkeit hat gerade erst begonnen. Trotzdem haben mir die vergangenen Monate gezeigt, dass aus einer Idee innerhalb kurzer Zeit ein funktionierendes Geschäft entstehen kann. Die ersten Schritte sind gemacht – und genau darum ging es in diesem Projekt.
(mmi)