KiteWorldWide

Sri Lanka, Kalpitiya, Juli 2025.
Sonne, guter Wind – aber wo bleiben die Gäste?

Zu einer Zeit, in der die Kiteschule KiteWorldWide ungewöhnlicherweise kaum Gäste hat, ist es alles andere als still in der Kitelagune von Kalpitiya. Nur sind es nicht die Gäste, die die Lagune füllen, sondern die Kitelehrer. Abseits der Hochsaison und fernab des regulären Unterrichtsbetriebs weht der Wind für ganz andere Kiter – für jene, die sonst lehren.

Für die einheimischen Kitelehrer bedeutet unterrichtsfreie Zeit nicht, am Strand zu liegen und auf Gäste zu warten. Sobald sich eine freie Minute ergibt, wird der Kite gepackt und aufs Wasser gegangen. Es ist die Zeit, in der sie an ihren eigenen Tricks arbeiten, an Timing, Höhe und Kontrolle. Die Lagune wird zum Trainingsraum.

Das Projekt

Während einer Woche eigener Kitesessions durfte ich mehrere Kitelehrer näher kennenlernen und ihnen bei genau diesem Prozess zuschauen. Kaum kam ich selbst aus dem Wasser, stand bereits jemand bereit, um meinen Kite zu übernehmen und selbst hinauszufahren. Die Rollen wechselten fliessend. Jede freie Minute ohne Schüler:innen wurde genutzt, um selbst zu kiten und das eigene Können weiterzuentwickeln.

Durch die ungewöhnlich geringe Anzahl an Gästen im Juli 2025 sammelte sich für die Kitelehrer viel Wasserzeit an. Stunden, Tage. In dieser Zeit entstanden auch die Fotos für das Kite Magazin, das sich genau diesem Abschnitt widmet: den ruhigen Tagen in der Kalpitiya Lagune, in denen Fortschritt fernab von Unterricht und Publikum stattfindet.

Wie es dazu kam

Die Zeit an Land zwischen den Kite-Sessions verbrachte ich damit, genau diese Momente festzuhalten. Ohne grossen Plan und ohne zu wissen, wohin das führen würde. Anfangs war das einfach für mich, um festzuhalten, was gerade passierte.

Relativ schnell zeigte sich aber, dass die Kitelehrer selbst Interesse an den Fotos hatten. Aus ein paar Bildern wurden längere Fotosessions. Je öfter ich mit der Kamera dabei war, desto mehr veränderte sich auch das Fahren. Die Tricks wurden höher, die Sprünge mutiger, die Abläufe klarer.

Am Ende der Woche durfte ich den Kitelehrern mit den entstandenen Bildern eine grosse Freude machen. Auch KiteWorldWide war an den Fotos interessiert. So entstand die Idee, daraus mehr zu machen als einzelne Bilder und die entstandene Zeit als zusammenhängendes Projekt zu zeigen.

Mit Fotos der Kitelehrer bei ihren Übungssprüngen, Serien in der Luft, Momenten im Wasser und ruhigen Szenen an Land entstand ein Fotoprojekt, das genau diese Phase zeigen soll. Eine Zeit, die oft unsichtbar bleibt, in der aber viel passiert. Die Zeit, die Kitelehrer für ihre eigene Kiteerfahrung brauchen und bewusst nutzen.

Indem sie jede mögliche Minute auf dem Wasser verbringen, wachsen sie in kurzer Zeit zu sehr starken Kitern heran. Dieses Können bleibt nicht bei ihnen. Es fliesst zurück in den Unterricht und wird später an die Gäste weitergegeben. Das Projekt hält diesen Kreislauf fest – ruhig, ehrlich und ohne Inszenierung.

Am besten schaut ihr selbst, was in dieser Zeit entstanden ist.

(vha)

Das Projekt war für mich sehr spannend umzusetzen und gab mir viele neue Einblicke. Ich konnte mich in der Sportfotografie ausprobieren und durch die nachträgliche Fotobearbeitung konnte ich auch da weitere Erfahrungen sammeln. Ich lernte meinen eigenen Weg, wie ich am besten und schnellsten von so vielen Bildern eine engere Auswahl erstelle und auch in kurzer Zeit die besten und wichtigsten Bilder zur Verfügung stellen konnte. In der Bearbeitung kann ich sicherlich noch immer vieles dazulernen. Ich bin zufrieden mit der Bearbeitung, sehe aber auch noch viel Luft nach oben, gerade auch was das Entdecken meines eigenen Stils angeht.

Um die Fotos noch weiter darzustellen, versuchte ich mich erstmals im Erstellen eines Fotomagazins. Das war für mich anfangs etwas schwer, da ich nicht wusste, wie anzufangen. Nach Inspirationssuche und vielem Ausprobieren bin ich ganz zufrieden und kann sagen, dass dies nicht das letzte Magazin sein wird.

Ein grosses Learning für mich ist sicherlich, wie ich mit solchen «Projekten» umgehe, was die Freigabe/Weitergabe von Fotos betrifft. Anfangs dachte ich, ich kann den Kitelehrern eine Freude machen, wenn ich ihnen einige Fotos zur Verfügung stelle. Durch das Teilen wurde dann aber auch noch das Marketing von KiteWorldWide über einen Kitelehrer hinzugefügt, was dazu führte, dass die Fotos ohne meine Kommunikation beim Marketing landeten. Bei einem nächsten Mal bin ich sicher besser vorbereitet und stehe zu meiner Arbeit, indem ich für eine Nutzung der Fotos auch etwas verlangen kann.

Alles in allem hatte ich sehr viel Freude an diesem Projekt, gerade auch was das Erstellen eines zusätzlichen Magazins angeht, da ich so etwas noch nie gemacht habe. Ich werde mich auf jeden Fall nochmals in einem ähnlichen Projekt versuchen, um mein Können im Fotografieren, Bearbeiten und Erstellen eines Magazins noch zu verbessern.