Jetzt mal echt.

Glück, Trauer, Schreck – das sind nur ein paar der Emotionen, welche wir Menschen empfinden können. Doch zeigen wir diese auch? Emotionen werden in der heutigen Gesellschaft oftmals versteckt. Aber jetzt mal echt: Das sollte doch wirklich nicht sein.

«jetzt mal echt.» ist ein Projekt voller Emotionen und zwar in Form von Porträtfotos. Dabei haben wir verschiedenste Personen während unterschiedlichen Aktionen abgelichtet. Unser Ziel war es, ihre spontane Reaktion einzufangen. Mit diesen Fotos wollen wir zeigen, wie toll (echte) Emotionen sind.

Es war uns wichtig, möglichst viele verschiedene Personen zu fotografieren. Denn so unterschiedlich wir Menschen sind, so unterschiedlich sind auch unsere Reaktionen. Unter anderem hatten wir das Glück, Personen von der Stiftung Pigna fotografieren zu können. Zusätzlich stellten sich auch Personen aus unserem Umfeld zur Verfügung.

Die Fotos, die entstanden sind, zaubern uns jedes Mal ein Lächeln ins Gesicht. Wir hoffen, euch auch.

Die Fotos werden auf unserer Instagram-Seite publiziert. Damit sie aber nicht im Social-Media-Dschungel untergehen, haben wir zusätzlich eine Webseite erstellt. Darauf erhalten die Gesichter und Emotionen den Platz, den sie verdienen und die Fotos können in Ruhe angeschaut werden.

Noch nicht genug Emotionen?

Dann schaut euch unser Behind-the-Scenes-Video an. Nebst unserer Fotokamera haben wir auch noch eine Filmkamera aufgestellt, um so die Fotos und Emotionen für euch zum Leben zu erwecken.

Immer noch nicht genug? Verstehen wir.

Mit dem Instagram-Kanal und dem Video soll es das nämlich noch nicht gewesen sein. Unser Ziel ist es, dass die Fotos auch in echt betrachtet werden können. Das aber erst nächstes Semester. Ein kleines Goodie aber schon mal vorweg: Thomas Weibel wird natürlich als Ehrengast anwesend sein – der Event kann also nur durch die Decke gehen ;). Wenn ihr auf dem Laufenden bleiben wollt, dann folgt uns doch auf Instagram.

(ash)

1. Vorbereitung
Die Idee für unser Projekt hatten wir im Sommer 2021 bei einem Grillabend. Was wir mit Bestimmtheit wussten war: Wir wollen Porträtfotos von Personen machen und ihre Emotionen einfangen. Denn wir finden, Emotionen sind etwas Tolles und sollten mehr gezeigt werden! Doch das wars auch schon. Nun tauchten Fragen auf wie: Mit wem machen wir es? Wie machen wir es? Was machen wir danach mit den Bildern?

 
Unsere erste Idee: Personen mit Trisomie 21 fotografieren, um zu zeigen, wie offen sie ihre Emotionen gegen aussen tragen. Unsere zweite Idee: Fotos von Kindern machen, denn auch sie gehen anders (ehrlicher?) mit Emotionen um, als wir Erwachsenen.

Aber wieso nicht einfach beide Ideen umsetzen? Wenn wir aufzeigen wollen, wie unterschiedlich Personen ihre Emotionen zeigen und ausdrücken, brauchen wir auch möglichst viele unterschiedliche Personen. Also gingen wir auf die Suche …

… an Schulen
Wir fragten diverse Schulen in Chur an. Von einigen erhielten wir keine Rückmeldung, andere leiteten unsere E-Mail an Lehrpersonen weiter mit dem Vermerk, sie sollen sich bei uns melden, falls sie mitmachen wollen. Leider meldete sich, auch nach Nachfragen unsererseits, niemand bei uns.

… an Stiftungen
Damit wir auch Personen mit Handicap vor unsere Linse setzen können, fragten wir in Chur die Plankis Stiftung, ARGO Stiftung, Insieme Cerebral Graubünden sowie Pro Infirmis an. Aber auch diese konnten uns keine Personen vermitteln. Glücklicherweise hat Aline eine Kollegin, welche bei der Stiftung Pigna in Kloten arbeitet. Durch sie hatten wir die Möglichkeit, einen ganzen Tag lang bei ihnen vorbeizuschauen und sechs ihrer Bewohner:innen zu fotografieren.

… in unserem Umfeld
Wir fragten unsere Freunde und Verwandten an, ob sie Zeit und Lust hätten, an unserem Projekt teilzunehmen. Viele davon sagten direkt zu.

Wichtig war uns, eine möglichst diverse Gruppe an Menschen fotografieren zu können. Da wir alle Fotos an einem Tag in Chur schossen, mussten die Personen jedoch flexibel und wenn möglich in der Nähe von Chur sein. Das limitierte uns ein wenig in der Auswahl unserer Teilnehmer:innen. Wir hätten uns gewünscht, noch mehr ältere Leute und auch einige Kinder fotografieren zu können. Leider kennen wir nicht viele Personen in diesen Altersklassen aus der Umgebung. Einige wollten ausserdem nicht, dass die Bilder publiziert werden und haben deshalb abgesagt. Nichtsdestotrotz finden wir, dass wir eine gute Gruppe zusammenbekommen haben.

1.1 Einverständniserklärung
Da gewisse Personen, die wir anfragten (Kinder, Menschen mit Handicap) einen Vormund haben oder noch nicht volljährig sind, erstellten wir bereits im Vorhinein eine Einverständniserklärung, die wir mit jeder Anfrage mitgeschickt haben. Darauf war ersichtlich, was wir im Projekt geplant haben und wo bzw. wie die Bilder publiziert werden.

1.2 Studio
Wir hatten das Glück, das Fotostudio eines Freundes nutzen zu können. In diesem Raum konnten wir unser Equipment aufbauen und die Fotos schiessen. Wir beschlossen, alles an einem Tag zu machen. So konnten die Personen zu einer ausgemachten Zeit ins Studio kommen und sich fotografieren lassen. Das Setting der Kameras und des Lichts war so bei allen gleich.

1.3 Equipment
An Equipment brauchten wir diverses:

Sony a6500 Set
Sony a7 III
Videostativ Miller Solo DV2
Benro Videostativ
Mikrofon Rode VideoMic
Walimex 2in1 Falthintergrund schwarz/weiss Backdrop
Laptop
Externe Festplatte

Wir hatten zusätzlich ein Licht ausgeliehen, welches bei der Abholung des Materials leider nicht mehr vorhanden war. Glücklicherweise konnten wir aber das Licht eines Freunds ausleihen.

Nebst dem technischen Material, benötigten wir diverse Utensilien für unsere Aktionen. Dazu gehörten:

Zitrone
Zwiebeln
Ballone
Schale
Messer
Nadel
Schneidebrett
Kopfhörer und heruntergeladene MP3-Datei (Im Studio in Chur hatten wir keinen Internet-Empfang)
Bilder von Welpen und Babys

1.4 Doodle & Testlauf
Damit unsere Teilnehmer:innen nicht alle zur gleichen Zeit vorbei kommen, haben wir einen Doodle erstellt. In diesem konnten sich alle für einzelne Slots eintragen und wir konnten den Shooting-Tag besser koordinieren. Um einschätzen zu können, wie lange wir für eine einzelne Person brauchen, hat Aline mit ihrer Mutter einen Testlauf gemacht. Die Zeit, die sie für das reine Fotografieren brauchte, war nur ca. 15 Minuten. Diese haben wir dann auf 30 Minuten aufgerundet, damit noch genug Zeit fürs Aufräumen, Vorbereiten und natürlich «Pläuderle» bleibt.

2. Die Shootingtage

2.1 Studio Chur
Als wir am Shootingtag in Chur vor Ort ankamen, mussten wir zuerst unser Equipment aufstellen und ausrichten. Das Aufstellen und Ausrichten von Licht und Kamera war nicht ganz so einfach. Es verlangte etwas an Geduld und wir testeten diverse Winkel aus, bis wir zufrieden waren.

Nebst dem technischen Material, mussten wir auch die Utensilien für unsere Aktionen herrichten. Zudem stellten wir den Teilnehmer:innen etwas an Verpflegung zur Verfügung.
Die Personen erschienen pünktlich nacheinander und die Planung über Doodle machte sich bezahlt. Der Tag war sehr lang – aber wir hatten viel Spass und ergänzten uns als Team toll. Die Teilnehmer:innen waren sehr unkompliziert und interessiert, dies hat uns die Arbeit zusätzlich erleichtert.

2.2 Stiftung Pigna
Als wir wenige Tage nach dem Shooting in Chur nach Kloten fuhren, wussten wir nicht genau, was dort auf uns zukommt. Wir wussten, dass dort Erwachsene Personen mit einer Beeinträchtigung wohnen und einige davon beim Projekt mitmachen. Vor Ort konnten wir in einem leeren Zimmer einer der Stiftungs-WGs unser Equipment aufbauen. Die Schwierigkeit war, Licht und Kameras wieder ähnlich auszurichten wie im Studio in Chur. So benötigten wir etwas Zeit, alles herzurichten. Als die Bewohner:innen nach der Arbeit zurück in ihre Wohnung kamen, konnten wir sie nacheinander fotografieren. Die Aktionen mussten wir natürlich etwas anpassen – zumindest was die Formulierung der Fragen oder Aufforderungen betrifft.

Die Bewohner:innen der Stiftung Pigna hatten einen Riesenspass fotografiert zu werden, fragten viele Dinge und wollten auch Fotos mit uns machen – uns ging echt «bitzeli» das Herz dabei auf. Es war ein toller Tag mit vielen Eindrücken und sehr gelungenen Fotos.

3. Nach den Shootings

3.1 Bilder
Insgesamt haben wir an diesen beiden Shootingtagen über 3000 Bilder gemacht. Say what? Damit war der einfachere Teil getan. Was sich jedoch als weitaus aufwendiger herausstellte, war das Aussortieren der Bilder. Am ersten Shootingtag klebten wir noch bis zwei Uhr morgens vor dem Laptop-Screen. Die Bilder auszusortieren, war aber auch schön: Wir konnten uns anschauen, was wir geleistet hatten und mussten oft selber grinsen, wenn wir in die lachenden oder auch verzerrten Gesichter unserer Teilnehmer:innen schauten.

Für die Bearbeitung der Bilder nutzten wir Lightroom. Wir wussten, dass dieses sich für die Verarbeitung so vieler Bilder am besten eignete. Leider war das Programm beiden von uns ansonsten unbekannt, darum mussten wir uns erst mit Tutorials (Youtube, ohne dich hätten wir es nicht geschafft) und Ausprobieren einarbeiten. Nach den ersten holprigen Schritten lief es ziemlich flüssig. Wir erstellten ein Preset, welches wir anschließend über alle Bilder legten.

Da wir an zwei unterschiedlichen Orten fotografierten, war die Lichtsituation trotz grösster Bemühungen nicht genau gleich. Das, aber auch die unterschiedliche Kleidung unserer Teilnehmer:innen, musste in der Bearbeitung ausgeglichen werden. Nicht immer ganz einfach!
Was sich ebenfalls als Schwierigkeit aufwies, war, den richtigen Bildausschnitt zu finden. Uns war klar: Wir wollen ein Hochformat (4:5). Doch da sich die Personen auf den Bildern teilweise aufgrund der Aktionen bewegten und abdrehten, mussten wir testen, was am besten funktioniert. Denn die Köpfe auf den Fotos sollten alle gleich gross wirken.

3.2 Video
Kurz nach den beiden Fototagen ging es ans Sichten des Videomaterials und den Rohschnitt. Dies ging relativ schnell, da wir bereits eine Idee davon hatten, wie das Video aussehen sollte. Leider stellten wir beim Sichten fest, dass beim Fototag der Stiftung Pigna das externe Kameramikrofon nicht funktioniert hat. Somit fehlten uns die gesamten Tonaufnahmen von diesem Tag. Da der Fokus beim Projekt aber auf den Fotos lag, war dies (wenn auch schwer) zu verkraften. Wir schnitten das Video so, damit man bei diesen Aufnahmen gut auf den Originalton verzichten kann (zum Glück gibt es Musik). Zudem sind nicht alle Aufnahmen gleich gut geglückt. Zwei davon waren unscharf, da wir die Kamera auf dem Stativ nicht mehr kontrolliert haben. Und bei einer davon war nicht das ganze Shooting drauf, da die Speicherkarte voll war. Nichtsdestotrotz sollten wenn möglich alle Personen im Video zu sehen sein. Es hat trotz diesen kleinen Problemen Spass gemacht, am Video zu schneiden, denn wir mussten ständig schmunzeln, als wir die Aufnahmen ansahen.

Nach dem Feinschnitt ging es noch an die Frage, ob wir das Video schwarz-weiss machen und wenn ja, in welchem Stil. Wir haben zwei Varianten ausgearbeitet und uns für eine davon entschieden. Danach fehlten noch einige Korrekturen am Bild.

Nach dem Picture Lock suchten wir nach passender Musik. Dies war nicht ganz so einfach wie erhofft. Die Auswahl an Musik ist gewaltig und sich vorzustellen, wie es mit dem Video wirkt, nicht so leicht. Nach langem Suchen und dem gegenseitigen Senden von Musik, fanden wir unseren Track. Es war uns wichtig, dass die Musik die Emotionen unterstreicht, aber nicht zu stark dominiert. Wir denken, mit dem ausgewählten Song haben wir dies erreicht.

4. Corporate Design
Unsere Gestaltungselemente und die Webseite folgen einem klaren Corporate Design. Dazu erstellten wir ein Stylesheet und definierten Schriftart und -schnitt.

4.1 Der Name
Wie soll unser Projekt heissen? Diese Frage beschäftigte uns lange. Im Verlaufe des Projekts trugen wir diverse Namen zusammen. Wir kreierten verschiedenste Kombinationen aus Worten wie “Gefühle”, “Emotionen”, “Menschen” etc. An dieser Stelle einen grossen Dank an Anna Nüesch, die unsere Vorschläge kritisch hinterfragt hat. Es entstanden viele Ideen, aber die Richtige war noch nicht darunter. Mit etwas Abstand kamen wir ein paar Tage später auf den Namen “jetzt mal echt.”

Dies steht einerseits für die Echtheit der Emotionen, das “Echtsein”, die echten Fotografien. Zudem steht es dafür, dass jetzt (und auch sonst immer) die Zeit ist, unsere Emotionen zu zeigen und auch offen für Emotionen anderer zu sein. Es soll also auch ein kleiner Appell an alle sein.

4.2 Farbe & Logodesign
Lustigerweise war für uns beide von Anfang an klar: Wir wollen ein knalliges Gelb als Hauptfarbe. Auch beim Logo waren wir uns schnell einig: Es soll kompakt, simpel, aber doch auffällig sein. Wir erstellten verschiedene Varianten und stellen sie einander gegenüber. Die Entscheidung fiel auch hier schnell. Einige kleine Anpassungen später stand das finale Logo bereits.

4.3 Instagram
Der Instagramkanal war schnell aufgesetzt. Schwieriger war jedoch die Frage: Wie wollen wir diesen gestalten? Nur Bilder oder doch auch noch Posts mit Text? Und wenn ja: In welchem Abstand und Rhythmus? Sollen alle Bilder komplett gezeigt werden oder bestimmte Teile verdeckt und so eher als „Teaser-Bilder“ dienen? Nehmen wir als Gestaltungselement noch eine andere Farbe dazu? Wenn ja, welche? Wir liessen uns durch verschiedenste Instagramkanäle anderer Seiten inspirieren, skizzierten was das Zeug hielt und suchten nach weiteren Farben. Schliesslich entschieden wir uns für ein Wechselspiel von gelben Infoposts, die unsere Aktionen beschreiben, und Bildern. Diese werden immer im gleichen Abstand und Rhythmus ausgespielt, sodass ein schöner Feed entsteht.

5. Webseite
Nach einem Coaching mit Thomas, kam noch kurzfristig die Idee auf, eine Website zu gestalten. Die Fotos sollen einen ganz eigenen Platz haben. Einen Ort, an dem sie nicht in einem Feed verschiedenster Bilder verschwinden. So erstellten wir mithilfe eines W3Schools-Templates eine Webseite. Doch mit dem Template war es noch nicht getan. Die Anpassungen im HTML und CSS waren aufwendig und teilweise nervenaufreibend, da nicht immer alles auf Anhieb funktionierte (aber wann tut es das schon?). Da das HTML und CSS aus einem Template waren, mussten wir uns zuerst darin zurechtfinden. Die Bilder für die Webseite mussten wir noch etwas herunterrechnen, damit die Ladezeit optimal ist.

Als die grössten Anpassungen und das Responsive Design gemacht sowie die Bilder eingefügt waren, sah die Webseite langsam wie gewünscht aus. Immer wieder mussten wir Details anpassen, mittels Seiteninspektor ging dies aber relativ gut.

6. Fazit
In unseren Augen ein gelungenes Projekt. Während der Arbeit und auch jetzt noch, macht es uns grosse Freude, die Bilder und das Video (mit Gänsehaut) durchzuschauen. Was erst als kleines Nebenprojekt begann, entwickelte sich mit der Zeit in ein riesen Unterfangen, dass unsere anderen Projekte dieses Semester problemlos in den Schatten stellt.

Als Team haben wir reibungslos funktioniert. Bei Entscheidungen hat jede ihre Argumente vorgebracht und danach wurde entschieden – Streitpunkte gab es nie. Wir beide haben die Zusammenarbeit sehr geschätzt und auch zwischendurch immer mal wieder besprochen, ob für die andere noch alles stimmt. Denn: Communication is key! Auch sehr angenehm und schön war, dass wir unser Projekt zusammen so vorantreiben konnten. Dass sich beide nebst all den anderen Projekten Zeit für dieses Fotoprojekt genommen haben (und konnten), ist nicht selbstverständlich. Doch wir sind mit all unseren Emotionen mit dabei, jetzt echt!

 
Wir freuen uns beide sehr darauf, das nächste Semester weiter an diesem Projekt zu arbeiten und hoffen, dass ihr ebenso gespannt seid.