Hazelblue’s Lifeline – Musikvideo nach Mass

Verloren im Meer der Eintönigkeit, gerettet vom Leuchtturm der Konstante – ein Beschrieb, den ich als Regisseur eines neuen Musikvideos für die Band Hazelblue inszenieren und filmisch festhalten sollte. Nicht mein erstes Musikvideo, aber das erste Mal für ein Lied, das ich nicht selbst komponiert habe.

(mou)

Konzept:

Die Band besteht aus Vera Kneubühl (Gesang, Perkussion) und Romano Stupan (Gesang, Gitarre). Auf Anfrage nach einem Kurzbeschrieb erhielt ich von Vera folgende Antwort: „Auso für mi geiz in Lifeline um d Eitönigkeit vom Alltag u wieme dert drus cha entflieh. Dasmä äbe ä Konstantä brucht, womesech dran cha feschthäbe dasmä nid ungergeit. Bim komponiere hani eilech immer so das metaphorische Biud vor Ouge gha vo öpperem wo verlore im Meer triibt und dürz Liecht vomene Lüchtturm grettet wird.“

Um den aktiven Austausch, welcher im Lied auch inhaltlich bestärkt wird, zwischen den beiden zu fördern, habe ich die Protagonisten einander gegenüber angeordnet. Beide haben während des Videos eine feste Position und daraus nicht viel Spielraum. Der Blickkontakt zwischen den beiden regt die Kommunikation an und bestärkt Text und Bedeutung. Den Hintergrund grenzen als Gegenlichtquelle drei Scheinwerfer ab, welche mit ihrer Kursrichtung zusätzlich das Zentrum definieren. Links und rechts wird der Schauplatz durch mangelnde Lichtquellen von der Dunkelheit ummantelt. Frontal habe ich noch einen grossen Scheinwerfer platziert, um die beiden Protagonisten auszuleuchten. Die Beiden bringen Licht ins Dunkel. Vor dem Dreh habe ich das Duo mit einer Nebelmaschine eingedeckt. Der Nebel zieht sich im Laufe des Liedes immer weiter zurück, konzentriert sich zwischenzeitlich nur noch vor den Spotlights, um schliesslich vollends der Klarheit zu weichen. Dieses Phänomen verhält sich kongruent zur phasenweisen Erzählung des Liedes und soll dessen Stimmung untermalen:

  1. Lost in the darkness
  2. Follow your light
  3. I found my lifeline

Einstieg und Schluss des Videos bilden jeweils die Weitwinkelaufnahmen der GoPro zwecks Darstellung des Schauplatzes zu Beginn und der Wiederfindung in Bekanntem zum Schluss.

Equipment:

1x GoPro Hero 7: Supertotal

2x Sony PWX-Z90: Over shoulder, Close-Ups, B-Roll

1x Canon EOS M50: Total

1x Nikon D7000: Total

4x LED-Spotlights

1x Nebelmaschine

Location:

Alle Aufnahmen sind am Standort Gymnasiums Wattwil, in der Aula, entstanden.

Ablauf der Drehtage:

Wir konnten uns für ein Wochenende in der Aula des Gymnasiums Wattwil einrichten. Rund einen ganzen Tag haben wir benötigt, um sowohl das Setting für Ton als auch Bild einzurichten und stimmig zu gestalten. Dies beinhaltete: Aula räumen, Fenster abdecken, Scheinwerfer organisieren, Soundchecks, Kameras einrichten, Masken/Kleidung variieren, Nebelmaschine arrangieren, u.v.m.

Einen weiteren Tag brauchte es schliesslich, bis die Aufnahme im Kasten war und sowohl ich als auch die Band mit der Performance zufrieden war. Die Aufnahmen welche schlussendlich fürs Video verwendet wurden stammen fast alle ausschliesslich aus einem Take. Lediglich einige Close-Up’s von Instrumenten oder Darstellern wurden in einem 2. Durchgang aufgenommen.

Multiview-Schnitttechnik:

Im Schnitt mit Premiere Pro habe ich mich zum ersten Mal an die Multiview-Technik gewagt. Diese empfiehlt sich bei vielen verschiedenen Kamerawinkeln. So kann man die Tonspur abspielen und mittels Tastenzuweisungen zwischen den verschiedenen Bildeinstellungen, à la Regie im Live-TV, hin und her wechseln. Wegen der Aufnahme in 4K stiess mein Rechner allerdings schnell ans Limit und so musste ich viele der Schnitte im Nachhinein korrigieren, weil sie nicht sauber ausgeführt wurden. Dennoch: Ein grosses Learning für mich, welches ich bestimmt wieder gebrauchen werde.

Colorgrading:

Das Colorgrading gestaltete sich, wieder mal, als sehr schwierig, da ich mit vielen verschiedenen Kameras gearbeitet habe und sich das Licht im Laufe des Videos verändert. Anfangs schirmt der Rauch das Licht der Scheinwerfer ab, später konzentriert er sich nur noch wolkenartig davor und zum Schluss drückt das Licht komplett durch. Diese sorgte für verschiedene Lichtphasen im Video, welche ich auch dementsprechend unterschiedlich nachkorrigiert habe.

Fazit:

Die Band und ich sind sehr zufrieden mit dem Ergebnis. Der Nebel sorgt für eine schöne mystische Atmosphäre im Video und das Lied hat eine spannende Dynamik, in welche ich mich gut einfinden konnte und Inspiration fürs Video fand. Die verschiedenen Stimmungen im Lied finden auch im Video ihren Platz, ohne den Schwerpunkt von der Musik zu nehmen. Der Ton bleibt zentral und wirkt mitreissend.

Fürs nächste Mal werde ich mich auf einen oder zwei Kameratypen (oder Marke) beschränken. Das erleichtert die Abstimmung des Farbprofils und spart Arbeit in der Post-Production. Ein nächstes Mal wird es bestimmt geben.

Grosses Dankeschön an Hazelblue fürs Vertrauen und die tolle Zusammenarbeit.

https://www.hazelblue.ch/

Songtext:

Floating with the stream, lonely in my daydream
Floating with the stream, lonely in my daydream
Floating with the stream, nothing is as it seems
Floating with the stream, nothing is as it seems
Looking for, looking for…

Live begins where you are
So bright, I see you from afar
Lost in the darkness I follow your light
You are like sunshine, you are my lifeline

All I need
The air that I breathe
I can’t believe
I found my lifeline

Floating with the stream. fitting in, no extremes
Floating with the stream. silent even though I wanna scream
Looking for, looking for…

Live begins where you are
So bright, I see you from afar
Lost in the darkness I follow your light
You are like sunshine, you are my lifeline

All I need
The air that I breathe
I can’t believe
I found my lifeline

Live begins where you are
So bright, I see you from afar
Lost in the darkness I follow your light
You are like sunshine, you are my lifeline

Oh, I can’t believe that I found you, that you are true
Oh, how can it be? You are like sunshine, my lifeline