Grenzerfahrung – 56 Kilometer und 2035 Höhenmeter zu Fuss
56 Kilometer, über 2000 Höhenmeter und kaum Vorbereitung. Im Rahmen des Jubiläums von Eschenbach SG wagten wir mit einer Freundesgruppe die Grenzwanderung an einem einzigen Tag. Das Erlebnis hielt ich filmisch fest.
Von der Jubiläumsfeier zur Grenzwanderung
Im letzten Jahr feierte meine Heimatgemeinde Eschenbach SG gleich doppelt: 1250 Jahre Bestehen sowie 12,5 Jahre als vereinigte Gemeinde. Einer der Programmpunkte war die Umwanderung der gesamten Gemeindegrenze. Diese konnte entweder in fünf Etappen oder an einem einzigen Tag absolviert werden.
Mit einer zusammengewürfelten Freundesgruppe von sieben Personen entschieden wir uns für die Tagesvariante. Die Strecke umfasst 56 Kilometer und 2035 Höhenmeter und führt entlang der Gemeindegrenze über Hügel, durch Täler und am Dorfrand entlang. Wirklich vorbereitet war niemand von uns. Etwas leichtsinnig dachten wir, wir probieren es einfach. Falls es nicht klappt, sei das auch okay. Alle sind immerhin einigermassen fit und ab und zu in den Bergen unterwegs.
Start in der Nacht und Weg zum Gipfel
Ich entschied mich, die Wanderung mit einer Sony A6400 zu begleiten, um den Tag filmisch festzuhalten. Am 5. Juli trafen wir uns kurz vor Mitternacht zur Anmeldung. Rund 200 Personen nahmen insgesamt an der Grenzwanderung teil. Punkt um zwölf Uhr starteten wir gemeinsam im Dunkeln, mit maximal 24 Stunden Zeit für die gesamte Strecke.
Anfangs war die Strecke flach, die Stimmung gut und die Energie hoch. Mit der Zeit wurde das Gelände hügeliger. Snackpausen halfen, den Rhythmus zu halten. Trotz Ortskenntnis war die Orientierung im Dunkeln nicht immer einfach. Mit der Dämmerung begann der Aufstieg zum höchsten Punkt, dem Tweralpspitz auf 1332 Metern über Meer. Der rutschige Waldweg und die eingeschränkte Sicht machten diesen Abschnitt besonders anstrengend.
Sonnenaufgang, Hitze und müde Beine
Der Sonnenaufgang belohnte uns für die Anstrengung. Im Berggasthaus Chrüzegg legten wir eine Pause von rund 45 Minuten ein und stärkten uns ausgiebig. Danach machte sich die Müdigkeit zunehmend bemerkbar.
Es folgte ein langer Abstieg Richtung Zürcher Grenze. Die Füsse und Beine begannen zu schmerzen, zusätzlich wurde es immer wärmer. Zwischendurch sorgten Verpflegungsposten für kurze Erholungsmomente, bevor es weiterging. Auch spätere Anstiege forderten noch einmal viel Kraft.
Ankommen, Erschöpfung und Erkenntnis
Die letzten Kilometer zogen sich extrem. Die Sonne brannte, wir schwitzten und jede Bewegung tat weh. Wer noch Energie hatte, unterstützte die anderen, trug Rucksäcke oder motivierte, weiterzugehen. Kurz nach 16 Uhr erreichten wir schliesslich das Ziel.
Dieses Erlebnis habe ich in einem kurzen Video festgehalten:
Die Schmerzen in Füssen und Beinen hielten noch mehrere Tage an. Trotzdem war die Grenzwanderung für uns alle ein intensives Erlebnis. Es war beeindruckend zu sehen, wozu der Körper fähig ist, wenn der Kopf mitmacht.
(abb)
Die Entscheidung, die Wanderung zu filmen, fiel relativ spontan. Entsprechend hatte ich im Vorhinein kaum eine konkrete Vorstellung davon, welches Projekt daraus entstehen soll. Rückblickend wäre es hilfreich gewesen, mehr Zeit in die Planung zu investieren, etwa in Bezug auf Bildsprache, Dramaturgie oder inhaltlichen Fokus.
Das Filmen im Dunkeln stellte eine grosse Herausforderung dar. Teilweise war es stockdunkel, einzig die Lichter der Stirnlampen sorgten für minimale Sicht. Mit der Sony A6400 waren Aufnahmen unter diesen Bedingungen nur mit starkem Bildrauschen möglich. Ich versuchte, dies in der Postproduktion zu korrigieren, bin mit diesen Sequenzen jedoch nach wie vor nicht wirklich zufrieden. Mit den übrigen Aufnahmen bin ich insgesamt deutlich zufriedener. Auch wenn einige etwas überbelichtet oder verwackelt waren. Damit rechnete ich, da ich körperlich selbst genug gefordert war.
Für die Sony A6400 entschied ich mich bewusst, da sie klein und leicht ist. Eine schwerere Kamera hätte spontane Aufnahmen erschwert und zusätzliches Gewicht wäre auf dieser Distanz kaum tragbar gewesen. Gegen Ende der Wanderung entstanden jedoch weniger Aufnahmen, da ich selbst körperlich stark gefordert war.
Für ein nächstes Projekt würde ich mich definitiv um ein kleines Mikrofon kümmern, um die Audioqualität zu verbessern. Ausserdem hätte es dem Video gutgetan, eine Person als eine Art Hauptfigur zu definieren und diese gezielt zu begleiten, inklusive Voiceover. So bleibt aktuell etwas unklar, aus welcher Perspektive erzählt wird.
Trotz dieser Kritikpunkte bin ich froh, dieses Video als Erinnerung an den Tag zu haben und die Wanderung auf diese Weise nochmals erleben zu können.