Game-Soundtracks treffen auf Rapmusik
Was passiert, wenn Oldschool-Hip-Hop auf epische Videospiel-Soundtracks trifft? In diesem Projekt entstanden zwei Remixe, bei denen Rap-Vocals mit selbst produzierten Beats auf Basis von Game-Soundtracks kombiniert wurden. Neben den fertigen Songs zeigt der Beitrag auch den Weg von den Originalquellen bis zum fertigen Mix.
Die Kombination aus Hip-Hop und Videospiel-Soundtracks fasziniert mich seit vielen Jahren. Da viele der Musikstücke, die ich gerne miteinander kombiniert hören würde, nicht existieren, begann ich früh damit, eigene Remixe zu erstellen. Dieses Projekt knüpft an diese Leidenschaft an und setzt sie erstmals im Rahmen einer Hochschularbeit vollständig um.
Produktionsprozess
Obwohl die beiden Remixe auf unterschiedlichen Songs basieren, erfolgte ihre Produktion nach demselben Grundprinzip. Als Ausgangspunkt diente jeweils ein zentrales Sample aus einem Videospiel-Soundtrack, welches zunächst aufbereitet und anschliessend als Grundlage für den Beat verwendet wurde. Die Instrumentals wurden in Ableton Live produziert und arrangiert.
Für die Vocals kamen sowohl frei verfügbare Acapellas als auch mittels KI isolierte Sprachspuren zum Einsatz. Diese wurden bearbeitet, zeitlich an die Instrumentals angepasst und anschliessend in die Arrangements integriert.
Nach der Fertigstellung der Songs folgten Mixing und Mastering. Dabei wurden die einzelnen Elemente klanglich aufeinander abgestimmt und die Songs für die finale Veröffentlichung vorbereitet (siehe Abschnitt Mix & Master).
Da eine vollständige Dokumentation sämtlicher Arbeitsschritte den Umfang dieses Beitrags deutlich überschreiten würde, werden nachfolgend ausgewählte Produktionsschritte und Besonderheiten anhand der beiden Remixe näher vorgestellt.
Song 1: Ohne Chorus – Remix
Wie auch ich bei meiner Arbeit starten wir auch hier mit dem Ausgangsmaterial des Remix, also den Samples. Hier klicken, um direkt zum Endergebnis zu gelangen.
Pax Payne Sample
Als Hauptsample für den Beat habe ich das Titelthema des Games «Max Payne 2: The Fall of Max Payne» verwendet. Dieses Sample wollte ich schon seit längerem einmal benutzen, konnte es unter Anderem aufgrund des leicht variablen Tempos bisher nicht erfolgreich umsetzen. Wer sich eine genauere Vorstellung meiner Nutzung des Samples machen möchte, kann sich folgend gerne das Original anhören:
Main Vocal-Sample: Haze – «Ohne Chorus»
Für die Strophen habe ich die Vocals des Tracks «Ohne Chorus» von Haze, einem deutschen Rapper gewählt. In dem Song spricht er ungefiltert über die Schattenseiten einer Lebensart, die normalerweise in vergleichbaren Songs eher glorifiziert wird. Auch hier für Interessierte wieder das Original:
Hook Vocal-Sample: Sido – «Licht für dich»
Sidos Gast-Hook auf dem Track «Licht für dich» von Estikay hat bei mir wegen des speziellen Flows einen nachhaltigen Ohrwurm verursacht. Um diesen weiter zu befriedigen habe ich sie kurzerhand in diesen Remix eingebaut. Hier das Original:
Produktion
Das Instrumental Sample wurde zunächst in Ableton Live aufbereitet, zeitlich angepasst und in einzelne Abschnitte unterteilt. Aus diesen Teilen entstand anschliessend das Grundgerüst des Beats.
Da das Originalsample nicht durchgehend einem klassischen, geraden Hip-Hop-Raster folgt, musste es rhythmisch angepasst werden, damit die Rap-Vocals sauber darauf platziert werden konnten. Danach wurden Drums, Bass und weitere Elemente ergänzt, um aus dem atmosphärischen Soundtrack-Ausschnitt ein vollständiges Instrumental zu formen.
Die Vocalspuren von Haze und Sido wurden anschliessend auf das neue Instrumental synchronisiert und im Arrangement so platziert, dass Strophen und Hook musikalisch zusammen funktionieren.

Ergebnis
Song 2: Expedition 33 Remix
Auch bei dem zweiten Remix schauen wir uns zuerst das Ausgangsmaterial an. Hier klicken, um direkt zum Endergebnis zu gelangen.
Lumière Sample
Als Hauptsample für den Beat habe ich den Song Lumière gewählt, der in dem Game Expedition 33 prominent vertreten war. Für mich war beim ersten hören des Songs klar, dass ich einen Hip-Hop Song mit diesem Sample hören muss. Hier das Original:
Vocal Sample Vinnie Paz (Jedi Mind Tricks) – «Design in Malice»
Ebenfalls klar war für mich, wessen Stimme ich auf dem Song hören möchte. Das Klangbild der Stimme von Vinnie Paz passte in meinen Augen perfekt zu dem Beat, daher fiel mir auch hier die Entscheidung leicht. Ich entschied mich für die Vocals von «Design in Malice», da mir der Flow und insbesondere die Hook sehr zusagen. Jedoch habe ich mich entschlossen, die Strophe des zweiten Rappers auf dem Originaltrack zu ersetzen – ich wollte ein Remix mit persönlichen Highlights und da passte sie für mich nicht rein. Hier das Original:
Vocal Sample Morlockk Dilemma – «Napalmregen»
Die entfernte Strophe verlangte natürlich nach einem Ersatz. Hier kam ich auf die etwas ungewöhnliche Idee, einen deutschen Rapper als «Feature» in den Song zu nehmen. Morlockk Dilemma war für mich hier die ideale Wahl. Sein durchaus gewöhnungsbedürftiger Stimmeinsatz beim Rappen komplementiert gut die tiefe Stimme von Vinnie Paz und gibt dem Remix eine neue Ebene. Konkret habe ich die zweite Strophe des Songs «Napalmregen» gewählt, die eine meiner liebsten Reimketten im deutschen Rap beinhaltet. Hier das Original:
Produktion
Speziell bei diesem Remix war für mich zum einen, dass ich erstmals stärkeren Einfluss auf das Klangbild nehmen konnte, indem ich Instrumente und Samplepacks in Ableton mit eigenem Sounddesign weiter verarbeitet habe und so den Klang viel spezifischer an meine Vorstellungen anpassen konnte.
Ausserdem war hier für beide meiner Vocal Samples keine accapella Aufnahme verfügbar, daher musste ich diese mit Hilfe von KI Tools weiterführender Bearbeitung selber isolieren.

Ergebnis
Mix & Master
Mixing und Mastering gehören zu den letzten Schritten der Musikproduktion. Obwohl beide Prozesse eng zusammenhängen, verfolgen sie unterschiedliche Ziele.
Beim Mixing werden die einzelnen Bestandteile eines Songs – beispielsweise Vocals, Drums und Instrumente – klanglich aufeinander abgestimmt. Dabei werden Lautstärken angepasst, Frequenzen bearbeitet und Effekte eingesetzt, um einen ausgewogenen Gesamtklang oder bestimmte Wirkungen zu erzeugen.
Das Mastering erfolgt erst nach dem Mixing und behandelt den fertigen Song als Ganzes. Ziel ist es, den Klang weiter zu verfeinern, die Lautheit zu optimieren und den Song für die Veröffentlichung vorzubereiten.
Mix & Master in meinen Projekten
Im Ramen dieses Projekts habe ich mich erstmals vertieft mit dem Thema Mixing beschäftigt. Hauptsächlich habe ich dafür diese YouTube-Tutorials genutzt. Beim Mastering bin ich nach diesem Video vorgegangen.
Mit den beiden Remixen konnte ich zwei musikalische Ideen umsetzen, die mich teilweise bereits seit vielen Jahren begleiten. Neben den fertigen Songs bot das Projekt die Möglichkeit, mich vertieft mit Themen wie Vocal-Isolation, Mixing und Mastering auseinanderzusetzen und meine Kenntnisse in der Musikproduktion gezielt zu erweitern.
(mmi)
Insgesamt bin ich mit dem Ergebnis des Projekts zufrieden. Es ist gelungen, zwei Remixe umzusetzen, die viele meiner liebsten Elemente in der Musik miteinander verbinden. Besonders erfreulich war, dass es gelungen ist, die teils stark unterschiedlichen Musikrichtungen stimmig zu verbinden.
Die grösste Erkenntnis aus dem Projekt betrifft das Mixing und Mastering. Während ich bereits eine gewisse Erfahrung in der Beatproduktion hatte, spielten diese Bereiche in früheren Projekten kaum eine Rolle. Im Verlauf dieses Projekts zeigte sich, wie stark Mixing und Mastering den Gesamteindruck eines Songs beeinflussen und wie viel Zeit in diesen Produktionsschritten steckt.
Auch in der Beatproduktion konnte ich neue Erfahrungen sammeln. Ich habe erstmals mit längeren Samples als Hauptelement eines Beats gearbeitet und viel darüber gelernt, solche Samples rhythmisch anzupassen und klanglich so zu bearbeiten, dass ein eigener Charakter entsteht.
Auch der Einsatz von KI zur Vocal-Isolation erwies sich als hilfreiches Werkzeug. Gleichzeitig wurde deutlich, dass die erzeugten Spuren nicht immer direkt verwendet werden können und häufig zusätzliche Bearbeitungsschritte erforderlich sind.
Rückblickend würde ich bei einem ähnlichen Projekt mehr Zeit für Mixing und Mastering einplanen und bereits während der Beatproduktion stärker auf die spätere Integration der Vocals achten. Dennoch konnte ich die gesetzten Ziele erreichen und wertvolle Erfahrungen in mehreren Bereichen der Musikproduktion sammeln.