Frauenfussball – Eine fotografische Umsetzung
Eine fotografische Auseinandersetzung mit Dynamik, Emotionen und Sichtbarkeit im Frauenfussball
Ich bin selbst seit vielen Jahren fussballbegeistert und verfolge den Sport nicht nur als Zuschauer:in, sondern auch mit grossem Interesse an seiner medialen Darstellung. Besonders der Frauenfussball hat in den letzten Jahren an Bedeutung gewonnen und durch die UEFA Women’s EURO deutlich mehr Aufmerksamkeit in der Schweiz erhalten.
Diese erhöhte Sichtbarkeit darf jedoch nicht nur auf grosse Turniere beschränkt bleiben. Damit das Interesse am Frauenfussball langfristig bestehen bleibt, ist es wichtig, ihn auch ausserhalb solcher Events kontinuierlich zu dokumentieren und zu unterstützen. Genau hier setzt dieses Projekt an.
Mit meiner fotografischen Arbeit möchte ich einen Beitrag dazu leisten, den Frauenfussball nachhaltig sichtbar zu machen. Die Bilder sollen die Intensität, Professionalität und Emotionen des Spiels zeigen und verdeutlichen, dass Frauenfussball ein selbstverständlicher Teil der Sportkultur ist. Durch die bewusste Auseinandersetzung mit Spielsituationen und Momenten abseits des direkten Geschehens soll ein realistisches und respektvolles Bild dieser Sportart vermittelt werden.
UEFA Women’s EURO
Ein Teil der Fotografien entstand während der UEFA Women’s EURO im Sommer. Als fussballbegeisterte Zuschauerin nahm ich meine Kamera mit ins Stadion und hielt verschiedene Spielsituationen fest. Die Europameisterschaft bot eindrückliche Einblicke in den internationalen Spitzenfussball der Frauen, geprägt von hoher Intensität, emotionalen Momenten und grosser medialer Aufmerksamkeit.
Besonders beeindruckend war nicht nur das sportliche Niveau, sondern auch die Atmosphäre in den Stadien sowie die hohe Anzahl an Zuschauer:innen. Es war deutlich spürbar, wie viel Sichtbarkeit der Frauenfussball während der Europameisterschaft erhielt und welche Begeisterung er auslösen kann.


























AXA Women’s Super League
Ergänzend dazu fotografierte ich mehrere Ligaspiele der AXA Women’s Super League. Diese Aufnahmen zeigen den nationalen Frauenfussballalltag und bilden einen bewussten Gegenpol zu den grossen Turnierspielen der Europameisterschaft. Durch die Kombination beider Ebenen entsteht ein Bild des Frauenfussballs in der Schweiz.
Trotz positiver Entwicklungen ist die Frauenliga in der Schweiz nach wie vor weniger präsent als der Männerfussball. Zwar hat sich das Interesse durch den EM-Boom etwas gesteigert, dennoch besteht weiterhin viel Potenzial nach oben. Mit diesem Projekt wünsche ich mir, einen kleinen Beitrag zu mehr Sichtbarkeit zu leisten und den Frauenfussball auch im Ligabetrieb stärker in den Fokus zu rücken.


























Fotografischer Fokus
Der Schwerpunkt der Bildserie liegt auf Spielszenen, Zweikämpfen und Toraktionen, aber auch auf Momenten abseits des direkten Spielgeschehens. Emotionen wie Freude, Enttäuschung und Konzentration spielen dabei eine zentrale Rolle und wurden bewusst in die fotografische Umsetzung integriert, um die Intensität und Authentizität des Frauenfussballs sichtbar zu machen.

Mehr Bilder: https://www.instagram.com/melinalibu.jpeg/
(vha)
Die Arbeit an diesem Projekt ermöglichte mir eine vertiefte Auseinandersetzung mit Sportfotografie und ihren besonderen Anforderungen. Eine der grössten Herausforderungen stellte das richtige Timing dar, da viele spielentscheidende Szenen nur für Sekundenbruchteile entstehen. Gerade in schnellen Spielphasen ging es teilweise so rasch, dass relevante Szenen leicht verpasst werden konnten. Es brauchte Zeit, um ein Gefühl dafür zu entwickeln, welche Situationen fotografisch lohnen und wann der richtige Moment zum Auslösen gekommen ist. Ein gutes Spielverständnis erwies sich dabei als zentraler Faktor, um Aktionen frühzeitig zu erkennen und entsprechend reagieren zu können.
In der Umsetzung zeigte sich zudem, dass ich während der Spiele teilweise zu viele ähnliche Szenen fotografierte. Dies führte zu einer sehr hohen Anzahl an Bildern, was den Aufwand in der Nachbearbeitung deutlich erhöhte. Die Auswahl der stärksten Aufnahmen nahm mehr Zeit in Anspruch als erwartet. Gleichzeitig habe ich gemerkt, wie viel Einfluss die Nachbearbeitung auf den endgültigen Ausdruck der Bilder hat. Von Farbkorrektur über Kontrast und Schärfe bis hin zu kleinen Ausschnittanpassungen kann die Bearbeitung die Wirkung eines Fotos entscheidend verändern. Ich möchte mir daher noch mehr Kenntnisse in der professionellen Bildbearbeitung aneignen, um den eigenen Stil besser umzusetzen und die Wirkung meiner Bilder gezielter zu verstärken.
Gestalterisch habe ich mich in diesem Projekt überwiegend an klassischen Sportfotografie-Stilen orientiert. Gleichzeitig habe ich gemerkt, dass mich insbesondere Aufnahmen mit längeren Verschlusszeiten, sogenannte Low-Shutter-Bilder, sehr interessieren. Diese Technik erlaubt es, Bewegung sichtbar zu machen und Dynamik auf eine andere, weniger dokumentarische Weise darzustellen. In diesem Projekt kam dieser Stil noch zu wenig zum Einsatz, bietet jedoch grosses Potenzial für zukünftige Arbeiten.
Für kommende Projekte nehme ich mir vor, stärker mit unterschiedlichen fotografischen Stilen zu experimentieren. Dazu gehören neben Low-Shutter-Aufnahmen auch variantenreichere Perspektiven, bewusstere Bildkompositionen und das gezielte Arbeiten mit Unschärfe und Bewegung. Ziel ist es, nicht nur das Spielgeschehen abzubilden, sondern auch eine eigene visuelle Handschrift weiterzuentwickeln.