Fraternité

Titelbild

Der Mensch, der ihm im Leben am nächsten steht und gleichzeitig schon immer sein grösstes Vorbild war. Für Liam Cinotti ist sein Bruder Eliah dieser Mensch. Eine tiefe Freundschaft verbindet die beiden Geschwister. So tief, dass sie rund 715 Kilometer Entfernung, Luftlinie wohlgemerkt, zwischen Biel und dem Vatikan überbrückt.

Es ist die Geschichte von zwei Brüdern, die seit der Kindheit unzertrennlich sind – bis Eliah ins Militär geht und sich später dazu entscheidet, seinen Traum, der Schweizergarde beizutreten, zu erfüllen. Von Biel zieht es ihn nun in den Vatikan und damit weg von Liam und seiner Familie.

Der Einstieg in die Schweizergarde ist hart – das war ihm von Anfang an klar. Nach und nach wurde ihm jedoch bewusst, dass er vor einer viel grösseren Herausforderung steht. Seine Familie sieht Eliah mittlerweile nur noch selten. Wichtige Ereignisse finden ohne ihn statt und er verpasst die Erfolge seines kleinen Bruders. Ein grosses Opfer, welches nicht nur ihm schwerfällt.

Emotionen, grosse Ziele und eine tiefe Verbundenheit

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Behind the Scenes

📷: Fujifilm x100v

(pru)

Die Idee für den Dokumentarfilm stammt ursprünglich von einem Projekt für das Modul «Audiovisuelles Erzählen». Wir sollten als Semesterabgabe zum Thema «Wendepunkt» eine kurze Doku produzieren. Als Rabih von seinem Freund Eliah in der Schweizergarde erzählte, war die Entscheidung schnell gefallen. Kurzerhand kontaktierten wir den Bieler. Zu unserem grossen Glück ist Eliah der Medienverantwortliche der Schweizergarde und wusste aus diesem Grund sehr genau, wie das Vorgehen aussehen sollte. Uns schwebte Grosses vor. Voller Elan stürzten wir uns in die Vorbereitungen für das AVE-Projekt und somit unsere Reise in den Vatikan.

Himmelfahrtskommando

Knapp eine Woche vor Abfahrt hatten wir eine grandiose Idee: Wenn wir schon nach Rom fahren, sollten wir immerhin ein Digezz-Projekt daraus machen – und scheinbar war dieser Entschluss gar nicht mal so schlecht.

Anfang März war es so weit. Die Koffer waren gepackt, Kameras gecheckt und wir startklar. Unser Problem: Wir hatten uns zwar vorgenommen auch ein Digezz-Projekt daraus zu machen, hatten uns in der Planungsphase aber grösstenteils auf die Kurzversion für AVE konzentriert und wussten gar nicht so richtig, was wir eigentlich wollten. Organisatorisch waren wir nicht gut genug aufgestellt, um einen längeren Dokumentarfilm, von anfänglich geplanten 30 Minuten, zu stützen.

Die Zeit rennt

Wir waren insgesamt vier Tage in Rom, davon planten wir zwei für den Dreh ein. Im Nachhinein lässt sich sagen: Das war zu wenig. Wir waren noch kein eingespieltes Team und verloren sehr viel Zeit beim Aufstellen der Intervieweinstellung. Ausserdem hatten wir uns zu wenige Gedanken darüber gemacht, wie unser B-Roll-Material aussehen soll und wie viel wir tatsächlich brauchen würden. Der erste Tag war unglaublich lang. Wir gingen mit Eliah und einigen Schweizergardisten essen und haben sie mit der Kamera begleitet. Entgegen unserem Vorhaben, das Interview noch einmal durchzuschauen, um am zweiten und letzten Tag klare Vorstellungen zu haben, waren wir zu erschöpft und mussten es sein lassen. Hätten wir durchgebissen, oder während dem Interview mehr Notizen gemacht, hätte uns dies bestimmt stark weitergeholfen.

Kehrtwende

Welche Motivation steckt dahinter, der Schweizergarde beizutreten? Stellt sich der Alltag im Vatikan auf den Kopf? – Wir waren davon überzeugt, solche Fragen würden in unserem Film im Fokus stehen. Das Interview mit Eliah belehrte uns eines Besseren. Die Antworten waren alle sehr gut und als Medienverantwortlicher ist er ein geübter Redner. Dass wir mit seinem Bruder Liam aber einen Nerv treffen würden, hatten wir nicht erwartet. Mitten im Interview kristallisierte sich heraus, dass die Beziehung zwischen den beiden Brüdern mitreissender war, als der Alltag eines Schweizergardisten. Einstimmig beschlossen wir, den Aussagewunsch des Projekts zu ändern und Liam und Eliah ins Zentrum zu stellen.

Lückenfüller

Im Schnitt machte sich unsere schlechte Organisation bemerkbar. Uns fehlte haufenweise B-Roll. Zeitweise schien es unmöglich, alle Schnitte mit Sequenzen zu verdecken und wir bereiteten uns mental bereits darauf vor, Weissblitze einzufügen. Besonders in der schnelllebigen Zeit von heute scheinen lange Intervieweinstellungen langweilig. Wir hatten Angst, dass die Zuschauer nicht bis am Ende gefesselt sind. Unser Retter: Archivmaterial und Musik.

Fazit

Der richtige Sound kann unglaublich viel retten und die Absenz von Bildmaterial etwas vertuschen. Diese Erkenntnis und der Nutzen einer guten Organisation packen wir in unsere Rucksäcke und werden in Zukunft sicher einen klareren Plan vor Augen haben, bevor wir nach den Sternen greifen. Alles in allem sind wir jedoch zufrieden mit dem Resultat und froh, eine kleine thematische Kehrtwende eingelegt zu haben.

Dank

Druckreife Zitate verdienen Anerkennung. Ein grosser Dank geht an Eliah und Liam. Es ist unglaublich, welche Einblicke sie uns in ihr Leben gewährten. Ohne sie und ihre Unterstützung, wäre «Fraternité» niemals entstanden. Auch nicht ausser Acht zu lassen, sind die Schweizergardisten, die uns vor Ort im Vatikan geholfen haben. Vielen Dank!