Fotografieren gegen schmelzende Gletscher

Jürg Kaufmann ist Alpin- und Segelfotograf. Regelmässig hat er Olympiasieger, aber auch prominente Banker und renommierte Automarken vor der Linse. Arbeitsbedingt ist er viel in den Bergen unterwegs. Im letzten Jahrzehnt hat er den Rückgang der Schweizer Gletscher direkt miterlebt und dokumentiert.

Jürg Kaufmann hat es sich zur Aufgabe gemacht, den gnadenlosen Wandel der Schweizer Gletscher zu dokumentieren und dabei auf ästhetische Elemente nicht zu verzichten. (Bild: Tina Gerber)

Sein neustes Langzeitprojekt heisst Glaciers.Today und hält die Veränderungen am Morteratschgletscher fest. Das geschieht mittels eines fest installierten Kamerasystems, das alle 30 Minuten ein hochauflösendes Foto des Gletschers produziert und auf eine öffentliche Website hochlädt. Über die nächsten zehn Jahre kann so das Schmelzen des Morteratschgletschers am Bildschirm verfolgt werden: https://www.glaciers.today

Zur Kommunikation des Projekts und dessen Vermarktung durften wir ein Video produzieren. 

Dreharbeiten auf ca. 3000 Meter über Meer (Bilder: Tina Gerber)

Ende Dezember ist das Projekt seit vier Monaten öffentlich. Nach eigenen Angaben wurde die Website bereits über 60 Millionen mal aufgerufen, nachdem das SRF und die ARD darüber berichteten:

https://www.ardmediathek.de/video/europamagazin/schweiz-bergwelt-mit-drastisch-schwindenden-gletschern/das-erste/Y3JpZDovL2Rhc2Vyc3RlLmRlL2V1cm9wYW1hZ2F6aW4vYzgxMGM5MmUtNGU1Ni00YzI3LTg3OTItYjk0MGY4MWE4YTZk

https://www.srf.ch/news/schweiz/klimaveraenderung-aufzeigen-jede-halbe-stunde-ein-foto-des-gletschers

Ein weiteres Highlight war die Pressekonferenz am 31. September. In der Bergstation der Diavolezza wurde Glaciers.Today der Presse und weiteren Interessensgruppen vorgestellt. Unser Video stiess dabei auf viel positives Feedback.

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(bas)

Konzeption

Gemeinsam mit Jürg grenzten wir Inhalt und Tonalität des Filmes ein. Wir führten intensive Gespräche und machten Brainstormings an der Wandtafel. Im Anschluss definierten wir die Bildsprache. Dabei konnte ich von Jürgs Erfahrung viel lernen. 

Wir entschieden uns bewusst gegen ein ausformuliertes Storyboard.

Umsetzung

Die Dreharbeiten im alpinen Gelände waren eine Challenge. Stündliche Wetterumschläge und starker Wind forderten meine Ausrüstung, insbesondere die Drohne. Da wir genug Zeit eingerechnet hatten, konnten wir aber nach Plan innert zwei Tagen die beiden Kamerasysteme installieren und das Video abdrehen.

Eine weitere Herausforderung war die korrekte Belichtung der Aufnahmen. Ich hatte Schwierigkeiten mit bei starkem Sonnenschein und Schnee im alpinen Gelände. Ich werde mich in ähnlichen Situationen künftig weniger auf meine Augen und den Sucher der Kamera verlassen und mehr Hilfsmittel wie die Zebra-Anzeige meiner Sony nutzen.

Schnitt

Im Schnitt liess mir Jürg volle kreative Freiheit. Der gesprochene Text wurde sehr kurzfristig noch eingebaut und ist daher auch qualitativ schlechter. Im Grossen und Ganzen denke ich aber, dass das Video seinen Zweck erfüllt: Die breite Bevölkerung in kurzer Zeit über Glaciers.Today zu informieren und für das Thema der Gletscherschmelze zu sensibilisieren.

Fazit

Das Projekt war für mich eine grosse Freude. In der Konzeption und Umsetzung konnte ich viel von Jürgs Erfahrung als Fotograf lernen. Ich merkte auch, dass es seine Zeit braucht, um diese Erfahrungen zu erarbeiten und ich dabei oftmals zu ungeduldig bin.

 

Bei Sonnenaufgang auf dem Piz Trovat (3145 m ü. M.) zu stehen, die Drohne zu fliegen und das noch Arbeit nennen dürfen, ist einfach der Hammer. 🙂

Bilder: Tina Gerber // Video und Text: Leon Florian Olbrecht