FOLLOWER – Kurzfilm (Konzeption & Treatment)

Ein scheinbar unauffälliger junger Mann gleitet unbemerkt in die extremistische Online-Subkultur der Incels ab. In diesem Semester haben wir das tiefenpsychologische und visuelle Fundament für unseren fiktionalen Kurzfilm FOLLOWER gelegt.

Das Projekt:

Social Media verändert fundamental, wie Menschen die Welt und sich selbst wahrnehmen. Algorithmen verstärken bestehende Unsicherheiten. Eine Dynamik, die besonders bei jungen Männern zunehmend zu einer Radikalisierung in toxischen, frauenfeindlichen Online-Räumen führt. Mit FOLLOWER wollen wir diesen Abgrund nicht analytisch von aussen betrachten, sondern ihn von innen heraus erfahrbar machen. Durch die konsequent subjektive Perspektive unseres Protagonisten Leon wird das Publikum zum Komplizen seiner zunehmend verzerrten Wahrnehmung. Wir wollen zeigen: Radikalisierung ist kein lauter Knall, sondern ein schleichender, unmerklicher Prozess.

Unsere Arbeit in diesem Semester:

Der Fokus lag in diesem Semester vollständig auf der Pre-Production. Ein psychologisch so dichtes Thema erfordert ein absolut wasserdichtes Fundament. Wir haben die komplette Konzeptionsphase durchlaufen und ein umfassendes Treatment erarbeitet.

Dabei haben wir nicht nur die erzählerische Klammer vom scheinbar harmonischen Status Quo bis zum unausweichlichen, off-camera stattfindenden „Point of no Return“ präzise strukturiert, sondern auch die visuelle Sprache definiert. Wir haben detaillierte Metaphern für Leons Abstieg ins «Rabbit Hole» entwickelt: Die Isolation wird sich später durch extreme Close-Ups, entsättigtes Color Grading und den drastischen Wechsel von warmem Raumlicht zum kalten, blauen Leuchten der Bildschirme manifestieren.

Ausblick:

Das Treatment steht und bildet nun unser robustes Drehbuch-Ersatzgerüst für die anstehende Produktion. Die visuelle und psychologische Vision ist geschärft, und das Team ist bereit, FOLLOWER im nächsten Schritt zum Leben zu erwecken.

Treatment

(mmi)

Die grösste Herausforderung in diesem Semester lag darin, ein gesellschaftlich derart sensibles und komplexes Thema in eine funktionierende, filmische Struktur zu übersetzen. Es war ein schmaler Grat, Leons Radikalisierungsprozess nachvollziehbar zu gestalten, ohne die toxische Ideologie der Incel-Bewegung auch nur im Ansatz zu legitimieren oder in plakative Klischees abzurutschen. Die Entscheidung, das Ende vollständig off-camera stattfinden zu lassen, forderte uns bei der dramaturgischen Konzeption besonders heraus: Wie baut man einen Spannungsbogen auf, der unausweichlich auf einen Höhepunkt zusteuert, diesen aber dann ausschliesslich dem Kopf des Publikums überlässt?

Zudem erwies es sich als intensiver Prozess, innere psychologische Zustände rein visuell zu formulieren. Beim Schreiben des Treatments mussten wir uns zwingen, weniger in klassischen Dialogen und mehr in Bildern, Lichtverhältnissen und Metaphern (wie der zunehmenden Isolation durch das kalte Monitorlicht) zu denken.

Als Team haben wir gemerkt, wie essenziell detaillierte, teils diskussionsintensive Absprachen in dieser frühen Pre-Production-Phase sind, um alle Gewerke auf exakt dieselbe Vision einzuschwören. Der konzeptionelle Aufwand hat sich jedoch gelohnt: Anstatt unvorbereitet in einen Dreh zu stolpern, haben wir nun ein starkes, gemeinsam getragenes Fundament. Das Treatment gibt uns die nötige Sicherheit und einen klaren, kompromisslosen Leitfaden für die anstehende Produktions- und Postproduktionsphase.