Flüchtlingslager Lesbos

Nach den Feuern in Moria auf der Insel Lesbos (Griechenland), habe ich sowohl das heruntergebrannte, als auch das neue Flüchtlingscamp in Kara Tepe besucht. Seit dem Erbau des neuen Camps Ende September, haben sich die Umstände kaum gebessert. Ich will hier darum meine Eindrücke mit euch teilen.

Moria nach dem Brand

Zwischen den niedergetrampelten Müll in den verbrannten Olivenhainen, begegneten mir neben Katzen und Hunden vor allem auch Ratten, welche mit dem Beginn der Dämmerung mehr und mehr aus ihren Verstecken krochen.  Was mich am meisten verstörte, war, dass neben den lebendigen auch verbrannte Ratten in Moria herumlagen und ich zur Schlussfolgerung kam, dass sie nicht erst seit dem Brand, sondern bereits davor in Moria gehaust hatten – zusammen mit den rund 10‘000 Geflüchteten.

Kara Tepe – das neue Camp

Der Name stammt aus dem Türkischen und bedeutet «schwarzer Hügel». Er vermag nicht über die fast schon romantisch anmutende Szenerie mit den weissen Zelten und dem blauen Meer im Hintergrund, hinwegzutäuschen.
Das neue Camp ist komplett den Wetterverhältnissen ausgesetzt. Als ich im September vor Ort war, waren die Toiletten mit Exkrementen besudelt und unbrauchbar. Aufgrund der mangelnden Hygiene-Einrichtungen sind die Leute gezwungen ihre Notdurft in den umliegenden Grashügeln zu verrichten und waschen sich im Meer.
Auch jetzt im Dezember gibt es noch nicht ausreichende Möglichkeit zu duschen.

Die Leute

Die Bilder, welche wir in den News sehen, sind oft Szenen der Verzweiflung oder der Gewalt, weshalb wir Flüchtlinge mit der Zeit in unseren Köpfen nur noch damit verbinden können. Sie sind jedoch Menschen wie du und ich. Sie sind nicht weniger oder mehr wert, nur weil sie nicht die richtigen Papiere haben. Sie sind auch nicht hilflos, sondern sie werden hilflos gemacht: ohne ein Recht zu arbeiten, sich frei zu bewegen oder die Schule zu besuchen.

Zum Schluss

In den letzten Monaten wurden all meine Befürchtungen war. Der Mangel an Hygiene macht die Leute krank und gefährdet die Kinder. Die Zelte bieten keinen Schutz vor dem Wetter und der Kälte und es wird nur wenig unternommen dies zu ändern.
Wegen des Lockdowns sind die Menschen in ihrer Bewegungsfreiheit stark eingeschränkt und verlieren langsam ihre Hoffnung und Geduld. Mit dem Neubau des Camps in Kara Tepe hätte man die Chance gehabt, es besser zu machen. Stattdessen wurde es zu Moria 2.0….

(spu)

Technische Details

Für die Reise habe ich meine Sony Alpha 7III verwendet und meine einzigen eigenen Objektive – ein Standard 20-70mm und ein 35mm/2.8f Sony Zeiss verwendet. Objektivwechsel innerhalb des Camps empfiehlt sich nicht, da es sehr staubig ist, ausser man wird irgendwo zu einem Tee ins Zelt eingeladen.

Reise(planung)

Am Sonntag dem 20. Septmeber hatte ich mich entschieden nach Moria zu gehen. Ich war zwischen dem 22. und 26. September in Mytilini einquartiert und hatte vor Ort, 3 volle Tage Zeit mich über die Lage zu informieren, zurecht zufinden und ins Camp zu kommen. Flüge auf Mytilini gab es der Pandemie wegen, deutlich weniger. Ich war also in der Auswahl limitiert.
Ich hatte via Couchsurfing und AirBnb verschiedene Hosts zur aktuellen Lage befragt(einige AirBnb’s waren wegen Corona o.Ä. nicht offen) und dadurch auch Leute gefunden mit denen ich mich am ersten Abend treffen konnte.
Erstaunlicherweise gibt es in Mytilini keine Jugendherbergen. Und was mir bis anhin nicht bewusst war, dass Katastrophen einen richtig-gehenden NGO-Tourismus auslösen können. Demensprechend waren auch die meisten Hotels für die Tage ausgebucht. Ich fand über Hostelworld ein kleines Haus zentral in der Stadt, welches ich für zwei Nächte buchte. Glücklicherweise konnte ich bei einer Couchsurferin den Rest der Zeit verbringen, ansonsten hätte dies mein Budget gesprengt. Vor Ort war ich zu Fuss unterwegs, abgesehen von zwei Taxi-fahrten.

Sobald ich ankam, traf ich mich mit einem Couchsurfer vor Ort. Im Café traf ich andere Leute, welche mit NGO’s zu tun hatten. Ein Deutscher gab mir den Tipp mich via Instagram mit Yousif Al Shewaili (@yousif_alshewaili) in Verbindung zu setzen, was mir bei meiner Fotografie später sehr weiterhalf.

Kontakte sollte man, soweit möglich, bereits vor Reiseantritt herstellen. Es ist ein bisschen, wie eine Schnitzeljagd, bei dem ein Hinweis zum Nächsten führt.

Zu beachten:

Als FotografIn ist man mal mehr mal weniger willkommen. Es lohnt sich die Kamera nur dann offensichtlich zu tragen, wenn man auch am fotografieren ist. Ansonsten weckt man nur ungewünste aufmerksamkeit.

Learnings

  1. In Sachen Kameragear lohnen sich für derartartige „Ausflüge“ Objektive, welche möglichst Kompakt und leicht sind. Ein besseres Zoomobjektiv mit tieferer Blendenzahl, wäre jedoch optimal gewesen. Meiner Meinung nach sind Objektive mit Festbrennweite sehr limitierend, wenn man sich nicht frei bewegen kann.
  2. Soweit möglich Kontakte im Vornherein knüpfen.
  3. Immer eine SIM-Karte vor Ort oder Daten fürs Ausland beim jeweiligen Anbieter kauffen. Es lohnt sich sehr auch wenn es nur wenige Tage sind. Hilft auch für Übersetzungen, (nicht von Nöten, wenn man Griechisch, Farsi und Französisch gleichzeitig sprechen kann… 😉 )
  4. Kleidung sollte vorallem Bequem sein – und kulturell bedingt auch eher lange. In der Hitze also am besten Merino/Polyester oder sonst was, dass atmet, leicht ist und ins Hangepäck passt.
  5. Wenn möglich Bildmaterial auf beide SD-Karten gleichzeitig speichern(z.B. mit Raw auf SD-1 und jpeg auf SD-2).
  6. Für Hotels/Übernachtungen genügend Budget einplanen – vor allem, wenn die Reise kurzfristig ist.
  7. Trotz Möglichkeit für Couchsurfen lohnt es sich immer zuerst mind. 1 Nacht in einem Hostel oder Hotel übernachten zu können, da Couchsurfer mal mehr, mal weniger verlässlich sind.
  8. Es lohnt sich immer die Bilder vor Abreise auf die Cloud zu laden – voraugesetzt die Bandweite reicht für die Datenmengen.