Eine Hommage in Grossformat – Teil 1

Drehausschnitt mit Titeltext

Von der YouTube-Couch bis ans Filmset: Wie aus meiner Faszination für Julien Bam’s Grossprojekte ein Schritt in Richtung meines ersten, eigenen Kurzfilms wurde.

Idee

Seit Langem wollte ich einen Kurzfilm produzieren. Während des Studiums umso mehr, da wir durch die Ausleihe Zugang zu toptier Equipment haben. Es fehlte nur noch eine Idee.

Die kam im März 2025, an einem Abend auf YouTube. Julien Bam hatte sein letztes Video auf seinem Hauptkanal veröffentlicht: einen eineinhalbstündigen Film. Für YouTube-Verhältnisse war er völlig übertrieben aufwändig. Sein episches Finale. Und das war es auch: episch.

Wie seine Videos zuvor hat mich dieser Film enorm mitgenommen. Seit Jahren verfolge ich seine Projekte und war jedes Mal geflasht, was er in kürzester Zeit auf die Beine stellt. Seine Videos haben mich überhaupt erst für Videoproduktion begeistert. Jetzt studiere ich sogar etwas in diese Richtung.

Es war also Zeit, etwas zurückzugeben: ein kleines Dankeschön. Und warum das nicht gleich mit meinem Wunsch verbinden, einen Kurzfilm zu machen?

Die grobe Idee war schnell da: Die Kernelemente von Juliens Serie «Songs aus der Bohne/Mann im Mond» sollten vorkommen. Nur: Wie packt man Bohnen, Wächter und in einen 15–20-minütigen Kurzfilm, sodass es noch eine originelle Stroy ist?

Zumindest die erste Szene hatte ich schon im Kopf: Die Hauptprotagonisten finden die Bohnen zufällig im Wald. Sie sind durch einen Glitch eines 5G-Mastes (kleine Referenz an Juliens Netflix-Serie) aus dem Paralleluniversum von Juliens Serie in ihre Welt gelangt.

Drehbuch schreiben

Also brachte ich eine erste Szene aufs Papier. Gleichzeitig dachte ich ständig darüber nach, wie ich das Ganze überhaupt umsetzen sollte. Meine Ressourcen waren begrenzt, denn ich war schliesslich immer noch ein Ein-Frau-Team.

Die Idee mit dem 5G-Mast verwarf ich deshalb schnell. Einen solchen Mast hatte Julien für seine Netflix-Serie tatsächlich gebaut. Ich hatte dafür weder das Geld noch die nötigen VFX-Skills. Das ganze Projekt war schlussendlich immer noch ein Studentenfilm. Also wurden aus dem Mast einfach Glitches, die die Bohnen in unsere Welt beförderten. Ich empfand das als deutlich machbarer.

Schnell war auch klar: Meine drei Hauptcharaktere sollten Pendants zu den drei Hauptfiguren aus Juliens Serie sein. Damit standen Anzahl und grober Charakter fest.

Während ein paar Tagen liess ich das Skript liegen und brainstormte an der Storyline weiter. Den Anfang wollte ich als kleine Referenz ähnlich wie in der Originalserie gestalten. Danach ging es plötzlich schnell: Innerhalb von drei Tagen entstand die erste Version des Drehbuchs.

Planung und Recruiting

Während ich am Drehbuch schrieb, begann bereits das Recruiting. Ich fragte alle möglichen Leute und schrieb in etlichen alten Gruppenchats, ob sie Ende August Zeit und Lust hätten, bei einem Kurzfilm mitzuwirken.

Da noch Sommerferien waren, war die Auswahl allerdings überschaubar. Wegen des engen Zeitplans eines Crewmitglieds verschoben wir den Dreh schliesslich auf das erste Septemberwochenende. Trotzdem blieb es schwierig, genug Leute zu finden.

Kurz vor dem Dreh kamen dann auch noch Absagen hinzu. Ersetzen konnte ich sie nicht mehr. Also hoffte ich bis zuletzt, dass wir zumindest das absolute Minimum zusammenbekommen würden.

Und genau das war der Fall: eine Person hinter der Kamera und drei Schauspieler:innen davor. Also wirklich das ABSOLUTE Minimum.

Songs produzieren

Magische Bohnen, die Menschen für einen Song in Musiker verwandeln ist die Prämisse von Juliens Serie. Ohne Musik funktioniert die Welt von «Songs aus der Bohne» gar nicht. Also musste ich eigene Songs produzieren.

Die Songs aus der Serie waren grösstenteils bereits Parodien. Eine Parodie einer Parodie fand ich ziemlich unoriginell. Stattdessen durchsuchte ich Juliens eigene Diskografie.

Dabei entdeckte ich: Auch die Songs der Wächter stammen von ihm. Zwei davon passten perfekt zu zwei Szenen und den entsprechenden Charakteren in meinem Kurzfilm. Für den dritten Charakter fehlte noch der Song, bis mir auf einmal der Hobbylos-Song einfiel. Der Vibe passte einfach.

Danach hiess es fünf Tage Audiobox: Originalsongs hören bis zum Umfallen, passende Sounds raussuchen, neue Texte schreiben und die Melodien leicht verändern. Alles mit dem Ziel, möglichst nah am Original zu bleiben, ohne beim späteren Upload in Musikrechte-Probleme zu laufen.

Songaufnahmen

Da alle Schauspieler:innen aus Bern kommen, wollten wir die Songs am MMP-Standort in Bern aufnehmen. Während der Sommerferien als FHGR-Studierende in das Gebäude zu kommen, war allerdings schwieriger als gedacht.

Nach einigem Mailverkehr mit den Verantwortlichen konnte ich schliesslich alles organisieren. Trotz kurzfristiger technischer Probleme, der Rodecaster stieg am Abend zuvor aus, konnten wir die Aufnahmen durchführen.

Aufnahme im Studio in Bern

Drehvorbereitung

Es stand mittlerweile fest, dass wir nur zwei Tage Drehzeit für den kompletten Film hatten. Mir war klar: Gute Vorbereitung ist das A und O.

Also verbrachte ich mehrere Tage damit, den Film im Kopf durchzuspielen und die geplanten Einstellungen im Skript festzuhalten. Einige Shots hatte ich bereits beim Schreiben vor Augen, andere entstanden erst in der Vorbereitung.

Für ein Storyboard reichte die Zeit nicht mehr, weil in zwei Wochen der Dreh stattfand und das Kostüm ebenfalls noch fertig werden musste. Also blieb es bei einer Shotlist und sehr vielen Bildern im Kopf, in der Hoffnung, die wären auf Abruf bereit während dem Dreh.

Ein paar Tage vor dem Dreh war sie fertig und ging an die Crew, damit auch sie sich auf die Szenen vorbereiten konnte.

Kostüm fertigen

Grundsätzlich war jede:r Schauspieler:in selbst für das eigene Kostüm verantwortlich. Wenn etwas nicht funktionierte, konnten sie auf mich zukommen und wir schauten gemeinsam, was gemacht werden konnte.

Da ich selbst auch vor der Kamera stand, musste ich natürlich ebenfalls ein Kostüm bauen. Das Alltagsoutfit war schnell gefunden. Schwieriger wurde das Kostüm für den Song.

Ich nahm schliesslich ein bestehendes Kostüm als Grundlage und modifizierte es mit Ketten, Schmuck und weiteren angenähten Elementen. Noch nie hatte ich so viel Aufwand in ein Kostüm gesteckt und das, obwohl ich nähen nicht mag. Während dem Prozess wurde mir immer mehr klar, warum ich nicht Costume Design als Beruf gewählt habe.

Auf dem Zimmerboden wurde das Kostüm ein Tag vor Dreh fertiggestellt.

Und natürlich kamen einige der sehr spezifischen Accessoires zu spät bei mir zu Hause an. Ein paar Dinge fehlten deshalb am Drehtag komplett, es musste also improvisiert werden. Doch an welchem Set ist das nicht der Fall?

Dreh

Dann war es endlich so weit. Um acht Uhr starteten wir mit dem Dreh und direkt mit einem Problem: Die Drohne wollte nicht starten. Nach viel zu viel Zeit funktionierte sie dann doch und wir konnten loslegen.

Zumindest theoretisch. Wir mussten uns als Team erst einmal einspielen. Dazu kamen die üblichen Unterbrechungen beim Filmen an öffentlichen Orten: spielende Kinder, Jogger und Spaziergänger.

Damit hatte ich gerechnet. Mit Helikoptern und Flugzeugen allerdings weniger.

Das war besonders bitter, wenn ein Take endlich sitzt und dann ein nahender Flieger alles zunichtemacht.

Gegen Abend wurde die Zeit knapp, die Müdigkeit grösser und der Stress ebenfalls. Trotzdem zogen wir durch. Eine halbe Stunde vor Mitternacht waren wir endlich fertig.

Am zweiten Drehtag starteten wir wieder um acht Uhr und mit einem neuen Team. Also wieder kurz eingrooven. Trotz Zügen, Autos und anderen Unterbrechungen kamen wir gut voran.

Doch auch diesmal wurde die Zeit knapp. Wir waren vom Sonnenlicht abhängig und konnten nur bis Sonnenuntergang drehen. Irgendwann wurde die Shotlist deshalb komplett zur Seite gelegt und wir improvisierten, um schneller voranzukommen. Mein Zukunfts-Ich wird es mir im Schnitt vielleicht böse anrechnen.

Bis auf zwei Shots schafften wir alles. Nach Sonnenuntergang ging es endlich nach Hause. Endlich Feierabend.

(mmi)

Es war das erste Mal, dass ich ein derart grosses Projekt komplett alleine auf die Beine gestellt habe. Immer wieder gab es Probleme, bei denen ich dachte: Das kriegen wir nie hin.

Und trotzdem gab es immer einen Weg. Genau das war mein grösstes Learning: Dranbleiben und weitermachen.

Ich bin sehr froh, dass ich das Projekt in die Sommerferien gelegt habe. Die drei Monate brauchte ich definitiv. Vor allem all die administrativen Dinge frassen viel mehr Zeit als gedacht. Die zusätzliche Zeit gab mir auch die Möglichkeit, Fehler in der Planung noch irgendwie auszubügeln und mich voll auf das Projekt einzulassen.

Während der Pre-Production begann ich ausserdem, meine Learnings in einem Dokument festzuhalten. Mittlerweile ist daraus eine A4-Seite mit allerlei Tipps geworden. Darunter z.B. mehr Recherche zu den Unterschieden zwischen fiktionalen und non-fiktionalen Formaten, auf das Aufnahmeformat achten während dem Dreh, Spiegelungen bei Brillen in Nahaufnahmen beachten oder ND-Filter bei Aussendrehs verwenden (die sind in den Sony A7 IV-Rucksackkits vorhanden!).

Das Dokument ist für mich inzwischen ziemlich wertvoll. All diese Learnings aufzuschreiben half mir, sie tatsächlich im Kopf zu behalten.