Eine Analyse der Veränderungen in der Popmusik während der Corona-Pandemie

Wie verändert eine globale Ausnahmesituation wie die Covid-19-Pandemie die Popmusik – inhaltlich und produktionstechnisch? Mit dieser Frage habe ich mich in meiner Bachelorarbeit intensiv auseinandergesetzt. Die Musik war für viele Menschen während der Pandemie ein emotionaler Anker, auch für mich persönlich. Ich gehörte zu jener Gruppe, die in Zeiten von Lockdowns und Isolation fast pausenlos Musik hörte. Irgendwann begann ich mich zu fragen: Was genau höre ich da eigentlich und wie sehr ist das von der Pandemie geprägt?
Aus dieser persönlichen Beobachtung wurde eine wissenschaftliche Fragestellung. In meiner Arbeit wollte ich herausfinden, wie sich Themen, Klangbilder und Produktionsweisen in der Popmusik der Jahre 2020 und 2021 verändert haben und was das über unsere Gesellschaft in der Krise aussagt. Daraus entstand nicht nur eine theoretische Analyse, sondern auch ein praktisches Projekt, das ausgewählte Songs exemplarisch in den Fokus rückt.
Thesis
«Stimmen der Stille: Songs der Covid-Ära» lautet der Titel meiner Bachelorarbeit, in der ich zwanzig englischsprachige Popsongs aus den Pandemie-Jahren untersucht habe. Die Auswahl reichte von Taylor Swift, Billie Eilish und Finneas bis hin zu OneRepublic, Ariana Grande und Yungblud. Grundlage war eine qualitative Inhaltsanalyse, bei der ich die Texte der Songs mit Werken derselben Künstler:innen aus der Vor-Covid-Zeit verglich. Ergänzt wurde dies durch eine Auseinandersetzung mit der veränderten Musikproduktion unter pandemischen Bedingungen.
Die Ergebnisse zeigen deutlich: Die thematische Ausrichtung der Songs hat sich in vielen Fällen verschoben. Gefühle wie Einsamkeit, gesellschaftliche Unsicherheit, Sehnsucht und emotionale Überforderung dominieren viele Texte. Gleichzeitig wird Hoffnung thematisiert, nicht selten in Form einer Rückbesinnung auf das Wesentliche oder in der Suche nach neuen zwischenmenschlichen Formen der Nähe.
Auch auf der technischen Ebene war die Pandemie ein Einschnitt: Viele Künstler:innen nahmen Musik im eigenen Schlafzimmer oder in provisorischen Home-Studios auf, kollaborierten digital mit Produzent:innen oder veröffentlichten bewusst reduzierte, intime Produktionen. In dieser hybriden Ästhetik zeigt sich ein neues Verständnis von Authentizität: ein Sound, der Brüche nicht versteckt, sondern bewusst integriert.
Lehrprojekt
Ergänzend zur theoretischen Analyse habe ich ein praktisches Projekt umgesetzt: einen Deep Dive in zehn ausgewählte Songs der Covid-Ära. Ziel war es, die Geschichten hinter diesen Liedern sichtbar zu machen. Ich recherchierte Entstehungskontexte, sammelte Aussagen und Interviews der Künstler:innen und analysierte die kreativen Entscheidungen, die während des Produktionsprozesses getroffen wurden.
Besonders spannend war, wie unterschiedlich die Reaktionen ausfielen: Während Billie Eilish und Finneas ihre Musik stark zurücknahmen und intime Einblicke in innere Zustände gaben, nutzte Yungblud die Pandemie für laute, rebellische Statements. Taylor Swift wiederum veröffentlichte mit Folklore und Evermore zwei Alben, die sie im Lockdown in digitaler Zusammenarbeit mit Aaron Dessner und Jack Antonoff schrieb und im Kontrast zu ihren früheren Werken, keinen autobiografischen Bezug herstellte.
Dieses praktische Projekt macht deutlich: Die Pandemie wirkte wie ein Katalysator für neue Formen des musikalischen Ausdrucks. Es zeigt, wie unterschiedlich Künstler:innen auf Isolation, Unsicherheit und Stillstand reagierten. Die dokumentierten Prozesse und Aussagen geben einen seltenen Einblick in das, was normalerweise zwischen Studio und Release verborgen bleibt. Das Projekt ist Stand jetzt noch nicht öffentlich zugänglich, hier unten seht ihr aber die potenziellen Thumbnails für die Social Media Miniserie, sowie für den langen Deep Dive Film.

