Digital Reconstruction – Palacinema Locarno (mmi: Beitragsbild max 1 MB)

Es ist leider nicht wie Fahrradfahren…

Ich habe gemerkt, wie ich meine Blender-Skills aus dem Minor 3D Motion Design langsam wieder verliere. Deshalb wollte ich ein kleines Projekt umsetzen, um wieder warm zu werden. Für dieses Projekt wollte ich mich auf die besonders akkurate Abbildung einer echten Location fokussieren. Meine bisherigen Arbeiten waren entweder kilometergross oder zentimeterklein.

Deshalb habe ich die Möglichkeit bei einem Rekognoszierungs-Termin für den Major LiveCom genutzt und gleich den Kinosaal im Palacinema Locarno ausgewählt. Gerade als MMPler macht das Locarno Film Festival das Kino natürlich zu einem ganz besonderen Ort. Also habe ich mich in den Zug Richtung Süden gesetzt und bin nach Locarno gefahren, wo ich einige Impressionen sammeln konnte. Zusammen mit den Fotos und dem Raumplan hatte ich danach einen ziemlich guten Eindruck vom Raum.

Beim Umsetzen sind mir einige fehlende Parameter aufgefallen, zum Beispiel die Höhe der einzelnen Tribünenstufen, der Decke oder die Masse der Sitze. Das meiste konnte ich jedoch logisch herleiten oder ausrechnen. Trotzdem wäre ein 3D-Scan wahrscheinlich noch genauer gewesen.

Da der Saal für den Major genutzt werden sollte, habe ich auch gleich das passende Podcast-Set mit eingebaut. Ich möchte aber erwähnen, dass dieses Blender-Projekt weder für den Major genutzt, noch vorausgesetzt wurde und eigenständig erstellt wurde.
Unstimmige Masse würden durch die Vertrautheit von Tisch und Stuhl sofort auffallen, wenn die Verhältnisse nicht stimmen würden. Deshalb habe ich mich auch hier an den Massen echter Möbel orientiert. Damit konnte ich die räumliche Glaubwürdigkeit auf die Probe stellen.

Besonders wichtig waren für mich auch die Materialwahl und die Beleuchtung, denn realistische Dimensionen beeinflussen nicht nur die Glaubwürdigkeit eines Raums, sondern auch Licht, Kamera und Materialwirkung. Deshalb habe ich für Wände und Boden einen kurzhaarigen Fleece-Stoff gewählt und der Leinwand ein Canvas-Material gegeben. Auch die Deckenbeleuchtung orientiert sich am realen Vorbild.

Zusätzlich habe ich das Podcast-Set mit Kameras ergänzt, die mit realistischen Blenden und Brennweiten die finalen Renderings aufgenommen haben. Dadurch konnte ich besser überprüfen, ob der Raum auch aus filmischen Perspektiven glaubwürdig wirkt.

(mmi)

 

Ich bin mit dem Ergebnis sehr zufrieden und habe das Gefühl, durch den Fokus auf Dimensionen viel gelernt zu haben. Auch bei anderen Projekten achte ich jetzt stärker auf passende Proportionen und reale Masse. Das hält die Dateien im Zweifel nicht nur kleiner und simpler, sondern hilft auch bei der Arbeit mit Materialien.
Beim nächsten Mal würde ich allerdings mehr Daten sammeln. Die Fotos und der Raumplan haben zwar sehr geholfen, aber zusätzlich gemessene Masse hätten mehr Klarheit geschaffen. Trotzdem finde ich, dass man den Raum klar wiedererkennt und dass es nicht einfach irgendein Kinosaal ist, sondern genau dieser Kinosaal. Das Podcast-Set war dabei die Probe aufs Exempel, ob die Proportionen am Ende wirklich stimmen.
Wie bereits erwähnt ist das Projekt unabhängig vom Major entstanden. Unser Major Projekt hatte keinen Bezug zum Kino Saal oder dem Podcast-Setting. Ich habe die Gelegenheit genutz an einen interessanten Ort zu reisen und habe ein Digezz Projekt daraus gemacht.