Der zeitlose Sneaker

Für meinen ersten Digezz «Block» hatte ich endlos viele Ideen. Ideen, welche ein Kopf-Kino bildeten und das Eingrenzen auf ein erstes Projekt entsprechend erschwerten. Anstatt direkt zu versuchen, ein glänzendes Portfolio an Arbeiten zu beginnen, möchte ich mich aber zuerst mit Arbeiten beschäftigen, von denen ich erstmals zurückgeschreckt bin.

Eines davon: Das Drehen von Videos und die dazugehörige Post-Produktion. Ein Bereich, welcher meiner Meinung nach ein sehr befriedigendes Endprodukt liefert. Die Arbeitsschritte dorthin waren aber etwas, wovon ich mich überwältigt fühlte. Einerseits das Programm Premiere Pro, welches für einen Anfänger wie mich wie ein absolutes Fiasko an Schaltern, Feldern und Tools aussieht, andererseits der lange und vielfältige Workflow der Erarbeitung eines Videos. Beides führte dazu, dass ich die Tätigkeiten eher mied und entsprechend umso weniger Fortschritte machte.

Um einen passenden Workflow zu finden und die Möglichkeiten, welche Premiere Pro liefert, auszukundschaften, habe ich für das aufkommende, 40-jährige Jubiläum des Nike Air Force One eine Werbeserie gefilmt und versucht, die letzten Jahrzehnte in je einem Video zum Ausdruck zu bringen.

(hil)

Konzeption

Anfangs war meine Idee, ein einzelnes Video für den Schuh zu drehen, welches durch alle Jahrzehnte schreitet. Das musste ich aber bald verwerfen, da es für eine Werbung zu lange werden würde. Deshalb vier einzelne Videos, welche einzigartig in ihrem Stil sein sollten, aber dennoch eine Gemeinsamkeit aufweisen. Um das zu erreichen, habe in möglichst vielen Bereichen Merkmale der Jahrzehnte einfliessen lassen. Darunter gehören Licht, Musik, Drehorte, Kleidung und Requisiten. Da ich in zwei der vier Jahrzehnten noch nicht auf der Welt war, konnte ich mich leider nur an die diesige Darstellung in den Medien richten.

Wichtig war es mir, dass die Videos in ihrem Tempo und ihrer Länge ähnlich waren. Dies würde zusammen mit demselben Slogan den Wiedererkennungseffekt zwischen den Videos fördern.

Vorarbeit

Ein Arbeitsschritt, der in den Ave-projekten der letzten zwei Semester oftmals zu kurz kam und später zu Komplikationen geführt hat. Das wollte ich diesmal vermeiden und entschied, mehr Zeit in die Vorarbeit zu stecken. Dazu gehörte das Auskundschaften von Drehorten und das Erstellen eines Storyboards.

Um den Videos das Feeling des jeweiligen Jahrzehnts zu verleihen, musste ich ihnen inhaltliche und stilistische Eigenschaften verleihen, die mit dem Zeitraum in Verbindung gebracht werden. Etwas, dass um einiges mehr aufwand erforderte als erwartet, da es oftmals hiess, Kleidung oder Requisiten von Drittpersonen zu organisieren. Darunter gehören:

80’s

  • BMWz1 (aus den 80ern)
  • Air Force der beiden Protagonisten
    Schleichwerbung? Wohl kaum : )
  • «Vintage» Nike-Jacken

90’s

  • Videokonsole «Nintendo 64» aus den 90er
  • Röhrenfernseher
  • Ladebildschirm an die damals Populären Spiele «Fighting Street» und «Super Mario» gelehnt

2000’s

  • Baggy Jeans und Streetwear
  • Schwierigstes Jahrzehnt darzustellen. Ich vermute, weil es nicht sehr lange her ist und weniger Stereotypen gebildet wurden.

Gegenwart

  • 3D Effekt mit jeweils 3 Bildern aus leicht horizontal anderen Winkeln nachgebildet (wie es z.B. die «Nishika N8000» macht)
    Eine Technik, die in den Letzten Jahren sehr beliebt war, und gut für Social-Media geeignet ist, da die Länge des Loops frei wählbar ist und keine Aufmerksamkeit für einer Narration verlangt.

Produktion

Die Produktion verlief erstaunlich problemlos, was grösstenteils der umfassenderen Vorbereitung zuzuschreiben ist. Dank der bereits gewählten Drehorte, welche oftmals wetterunabhängig waren, hat schlechtes Wetter die Produktion nicht gehindert. Dank des Storyboards war es nie nötig nachzudrehen, auch wenn ich die Gelegenheit nutzte, an einem späteren Drehtag für das nächste Video gewisses Material nachzudrehen.

Ein gravierender Fehler, den ich aber beging, war die aktive Entscheidung, das Angebot der Ausleihe nicht wirklich in Anspruch zu nehmen, da eine geringere Aufnahmequalität dem technischen Stand der letzten Jahrzehnte besser entspreche. Infolge habe ich zu wackelige oder schlecht belichtete Aufnahmen dieser Entscheidung gutgeschrieben, auch wenn ich sie hätte erneut aufnehmen müssen. Ein Stabilisator und eine weitere Künstliche Lichtquelle hätten die Aufnahmen aufgewertet.

Post-Produktion

Ein weiterer Arbeitsschritt, der mehr Aufwand in Anspruch nahm wie eingeplant, auch wenn ich das hätte vorhersehen können, denn das war bisher bei beiden Projekten des Ave-Moduls der Fall. Für das Ordnen der Clips und das Erstellen des Rohschnitts war das Storyboard sehr hilfreich und hat mir einen Roten Faden gegeben, dem ich entlangarbeiten konnte. Als der Schnitt vollendet war, geriet ich aber ins Stocken. Die Vorteile der geleisteten Vorarbeit war nämlich hier ausgeschöpft. Nun musste ich mich mit Tutorials, die mir immer noch keines Wegs intuitiv erscheinenden Effekte und Tools nutzen. Ich kam nur langsam voran, dafür hat man Veränderungen schnell gesehen, was bei dem Erzielen des gewünschten Effekts ein schönes Erfolgserlebnis war. Eine Ausnahme war der 3D-Effekt, welcher ich bereits im Vorfeld versucht hatte, um sicherzustellen, dass es umsetzbar ist.

Learnings

Ich bin heilfroh, endlich auf das Projekt reflektieren und abschliessen zu können, denn auch wenn es ein tolles Erlebnis war, habe ich den Aufwand gewaltig unterschätzt. Das liegt alleine an der Quantität der vier Videos, was dazu führte, dass ich in einem Arbeitsschritt eines einzelnen Videos vertieft war und den Überblick verlor. Weil ich gleich mehrere Werbevideos drehen wollte, kam ich zeitlich in Verzug. Das hat sich aber in Rahmen gehalten, da ich dank der Vorarbeit viel Zeit Einsparen konnte.

Das Erstellen eines Storyboards und einbinden der bereits besuchten Drehorte ist absolut lohnenswert, aber ich habe durch den Versuch, weniger Ausrüstung zu nutzen, wiederum den Dreh erschwert und der Qualität des Endproduktes geschadet.