Der fünfte Planet

In einem kleinen Atelier in Luzern tauchen wir in die Welt eines anderen Planeten ein. Klavier und Tanz – kombiniert in einem Video über Zeit.

Guten Tag. Wie fühlt es sich wohl an, wenn ein Tag genau eine Minute dauern würde? Wie ist es, ein Gespräch zu führen, das einen Monat dauert? Es wäre wie auf dem fünften Planeten. Licht an.

Eine Geschichte über den fünften Planeten. Ein Video, begleitet von Klaviermelodien, ausgedrückt mit Tanz. Licht aus. Michèle und Laura führen euch durch diese besondere Welt, in der sich die Zeit nicht so verhält, wie gewohnt. Guten Abend.

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(ash)

Idee

Die Schwester von Lukas Spichtig, Laura, kam mit der Idee zu einer künstlerischen Performance auf uns zu. Gemeinsam mit der Tanzstudentin Michèle Fella plante die Musikstudentin eine Aufführung, in der Sie am Flügel die Ausdruckstänzerin mit verschiedenen Stücken begleitet. Dazwischen sollten verschiedene Szenen aus dem Buch „Der kleine Prinz“ vorgelesen werden. Die Performance war ursprünglich als Live-Aufführung geplant. Aufgrund der Corona-Pandemie konnte diese jedoch nicht durchgeführt werden. Gemeinsam haben wir also verschiedene Möglichkeiten besprochen, wie die Aufführung in Videoform aufgezeichnet werden könnte.

Konzeption

Anfänglich stand zur Diskussion, die Aufführung Live zu streamen. Nach mehrfachem besprechen und tüfteln stellte sich allerdings heraus, dass ein Livestream einerseits zu aufwändig und durch die verschiedenen geplanten Tanzszenen zu kompliziert wäre. Also haben wir uns auf ein Video geeinigt. Nach langen Überlegungen zu der Location fiel die Entscheidung auf das Musikstudio von Laura Spichtig. Im Studio stand bereits ein Flügel zur Verfügung und durch die langen Vorhänge liess sich ein ansprechendes Set einrichten. Nach Festlegung der Location haben wir gemeinsam mit den zwei Musikerinnen die Aufführung besprochen und in einzelne Szenen aufgeteilt. Für die Szenen haben wir jeweils verschiedene Belichtungs-Szenarios getestet und die endgültige Positionierung der Lichter, Mikrofone und Kameras für jede Szene in einem Drehkonzept festgehalten. Ebenfalls haben wir die einzelnen Szenen mehrfach geprobt um die Bewegung des Kameramanns mit der Handkamera auf die jeweiligen Bewegungen der Tänzerin abzustimmen.

Dreh

Die Aufführung bestand aus acht verschiedenen Szenen, die gefilmt werden sollten. Jede Szene wurde mit einer Sony A7 und einer Sony X70 auf dem Stativ sowie einer weiteren Sony A7 auf dem Gimbal gefilmt. So konnten wir in jeder Szene auf zwei weitere Blickwinkel zurückgreifen. Um zu verhindern, dass der Kameramann mit der Handkamera ins Bild der zwei anderen Kameras läuft, haben wir am Boden jeweils Markierungen angebracht, die den Blickwinkel der statischen Kameras markierten. Von jeder Szene wurden mehrere Takes aufgenommen, um in der Postproduction den jeweils besten Take betreffend Kameraführung und Performance aussuchen zu können. Der Ton am Set wurde mit Shot-Gun Kameras auf den Stativkameras und dem Kameramikrofon der Gimbalkamera aufgenommen. Am Klavier wurden für die hohen Töne zwei Kondensatormikrofone und für die tiefen Basstöne ein Grenzflächenmikrofon angebracht. Die zwei grössten Herausforderung beim Dreh waren einerseits die Abstimmung der Handkamera auf die Tänzerin und die Kameras auf den Stativen sowie das Anpassen des Kamerabildes auf das relativ dunkle Setup, indem während der Vorführung immer wieder Lichter ein- und ausgeschaltet wurden.

Postproduction

Wie immer begann die Postproduction mit der Sichtung des Materials. Nachdem die jeweils besten Takes ausgesucht wurden, haben wir diese markiert und im Regieprotokoll hinterlegt. Jetzt, wo die Takes feststanden, konnte auch der Ton der jeweiligen Szenen separat abgemischt werden. Alle Szenen wurden separat geschnitten. Dank den Kameramikrofonen war auch die Synchronisation des abgemischten Tons kein Problem. Nachdem für jede Szene eine eigene Sequenz mit Ton und allen Kamerabildern erstellt wurde, haben wir die Szenen für die Bearbeitung aufgeteilt. Dabei standen wir im stetigen Austausch, um den Schnitt so einheitlich wie möglich zu halten. Trotzdem liess sich nach dem Rohschnitt ein gemeinsames Beurteilen und Überarbeiten aller Szenen nicht ausschliessen. Bei diesem Schritt haben wir zu Dritt jede Szene nochmals geschaut, den Schnitt besprochen und angepasst. In einem nächsten Schritt begannen wir mit der Color-Correction. Dieser Schritt gestaltete sich sehr aufwendig, da die unbearbeiteten Bilder der jeweiligen Kameras relativ unterschiedlich waren. Die dunklen Kamerabilder aufeinander abzustimmen war nicht ganz einfach. Nach der Color-Correction wurden alle Szenen zusammengefügt und zu einer neuen Sequenz zusammengefügt. In der finalen Sequenz haben wir den Ton erneut überarbeitet, um neben dem abgemischten Ton zum Beispiel auch das Knarren des Holzbodens beim Tanzen einfliessen zu lassen. In einem letzten Schritt folgte schliesslich das Color-Grading, die Erstellung des Titelbildes sowie der Abspann.

Learnings

Einmal mehr haben wir gelernt, wie wichtig das ausführliche Planen und Vorbereiten eines Drehs ist. Die Erstellung von Storyboards und einem exaktem Dreh- und Szenenplan hat uns sehr geholfen. Auch die langen Vorbesprechungen und verschiedenen Probeläufe waren sehr wichtig für uns. Das Filmen einer Tanzaufführung mit einer bewegten Kamera war für alle neu. Ohne die Probeläufe wäre es wohl kaum möglich gewesen mit dem Gimbal zu filmen, ohne die Tänzerin zu stören oder ins andere Kamerabild zu laufen. Ein weiteres Learning war, dass jede Kamera, auch wenn die Einstellung dieselben sind, ein anderes Bild erzeugt. In der Color-Correction könnte man sich viel Arbeit sparen, wenn alle Szenen mit der selben Kamera gefilmt werden würden. Weiter aufgefallen ist, dass der Autofokus nicht immer besser ist, als ein von Hand gezogener Fokus. Der Autofokus kann einem nämlich bei langen Szenen durchaus einen Strich durch die Rechnung machen. Auch gelernt haben wir, dass beim Filmen im dunkeln besonders auf die Kameraeinstellungen zu achten ist. Ein etwas zu hoher ISO-Wert kann schnell zu Bildrauschen führen. Wir mussten in der Postproduction sehr viele Bilder mit einem Denoiser bearbeiten, was sehr viel Zeit in Anspruch genommen hat. Das Denoising kann gerade auch bei sehr leisen Szenen sehr wichtig für den Ton sein. Ohne Denoising lässt sich ein Hintergrundrauschen bei ruhigen Szenen kaum vermeiden.

Fazit

Das Tanzvideo war wohl eines unserer lehrreichsten Projekte. Gerade in der Postproduction haben wir viele kleine Dinge bemerkt, die wir mit mehr Erfahrung wohl hätten vermeiden können. Dies hätte uns in der Bearbeitung sehr viel Zeit gesparrt. Dennoch sind wir mit dem Projekt sehr zufrieden. Aus Fehlern lernt man ja bekanntlich am meisten. Trotz den vielen kleinen Fehlern konnten wir unserer Meinung nach die Umsetzung unseres ersten Tanzfilmes gut meistern und würden auf jeden Fall auch beim nächsten Projekt den hohen Aufwand für die Drehvorbereitungen wieder auf uns nehmen. Eine gute Vorbereitung ist schliesslich die halbe Miete.