«Der Besuch der Alten Dame» – Ein Klassiker reloaded
Kann man einen literarischer Text alleine durch Stimme und gezielte Nachbearbeitung in ein intensives Hörerlebnis verwandeln? Dieser Frage widmete sich mein Projekt: «Der Besuch der Alten Dame – Ein Klassiker reloaded». Im Zentrum stand dabei nicht nur die Aufnahme, sondern auch die Postproduktion des Hörspiels zum Roman.
Fokus auf Postproduktion: Die Stimme als Gestaltungsmittel
Für ein Schulprojekt von Bekannten meines Kollegen setzen wir «Der Besuch der Alten Dame» von Friedrich Dürrenmatt, in einer Kurzfassung, als Hörspiel um.
Ziel war es, die gesprochenen Aufnahmen so zu bearbeiten, dass sie verständlich sind und gleichzeitig eine passende Atmosphäre erzeugen. Einige Charaktere sollten auch einen ganz eigenen Sound erhalten.
Zusätzlich kamen verschiedene Audio-Techniken zum Einsatz. Gezielte Soundeffekte sollten die Stimmung einzelner Szenen unterstützen. Bei der Rolle der alten Dame zum Beispiel, setzten wir auf einen abstrusen Stimmverzerrer, um zu zeigen, wie mysteriös und ungreifbar sie im Verlauf der Geschichte auf die Bewohner von Güllen zu wirken beginnt.
Zusammenarbeit und Vorbereitung
Ich war vor allem bei der Erstellung des Skripts/der Planung der Aufnahmen involviert und übernahm anschliessend auch den technischen Part der Nachbearbeitung. Ich selbst sprach jedoch nicht ein und konnte bei der Aufnahme auch nicht direkt mitwirken.

Abb. 1: Der Screenshot zeigt einen Ausschnitt der Timeline in der Bearbeitungssoftware.
Projektphasen
Das Projekt erstreckte sich über mehrere Phasen, die jeweils eigene Schwerpunkte hatten:
1. Vorbereitung – Planung der Aufnahmen. Sowie Koordination mit den Sprechern.
2. Schnitt – Auswahl und Anordnung der besten Takes, Festlegung von Timing und Dramaturgie
3. Audio-Bearbeitung – Optimierung durch technische Anpassungen
4. Sounddesign – Ergänzung durch Geräusche und Audio-Elemente
5. Finalisierung – Feinschliff, Lautstärkeabstimmung und Export der fertigen Hörbuch-Fassung
(mmi)
Gestaltung
Eine besondere Herausforderung bestand darin, dass ich keinen Einfluss auf die Aufnahme nehmen konnte und somit in der Post-Produktion mit dem arbeiten musste, dass ich erhielt. Zudem war herausfordernd, dass nur wenige Sprecher viele Rollen übernehmen mussten. Um die Figuren dennoch unterscheidbar zu machen, experimentierte ich mit Stimmveränderungen und Bearbeitungseffekten. Dabei zeigte sich schnell, dass es einigermassen schwierig ist, ein natürlich klingendes Ergebnis zu erzielen, besonders, da ich nicht auf externe Tools zurückzugreifen wollte. Wir (die Sprecher und ich) hatten uns nämlich das Ziel gesetzt alles in einer Software zu produzieren. Stimmverzerrer, wie der groteske für die alte Dame, konnten aber problemlos in der gewählten Software umgesetzt werden.
Sounddesign
Neben der Sprachbearbeitung spielte auch das Sounddesign eine wichtige Rolle. Die verwendeten Geräusche stammen aus frei verfügbaren Sound-Libraries, was die Auswahl einschränkte. Somit war die Suche nach passenden Sounds relativ aufwendig. Die verwendeten Plattformen wie z.B freesound.com, bieten zwar viele Sounds an, jedoch ist z.B die Stichwortsuche nicht so gut gestaltet wie es auf vergleichbaren «Bezahl-Plattformen» wie z.B Artlist der Fall wäre.