Deepdive Musikproduktion

Ab in die zweite Runde: auch dieses Mal gehts um Musikproduktion. Das Ziel war es, zwei EP’s zu produzieren. Der Weg begann beim ersten Sample, verlief weiter ins Sounddesign, Arrangement, Mixing und Mastering bis hin zur Produktion von Artworks und Content für Social Media.

Da mein Herz gleichzeitig für sanftere, sowie auch düstere Musik schlägt, konnte ich es nicht lassen, zwei EP’s mit unterschiedlichen Stimmungen zu kreieren. Gearbeitet habe ich mit Ableton Live 10, einer Digital Audio Workstation aus dem Hause Steinberg. Von diesen DAW’s gibt es viele, Ableton kenne ich unterdessen am besten. Beschränkt habe ich mich nicht wie letztes Semester nur auf selbstaufgenommene Klänge, die ich verarbeitet habe. Für diese Lieder wollte ich alle Freiheiten haben, die sich einem mit sogenannten VST’s, also Virtual Software Instruments offenbaren. Es ist ein Herzensprojekt, auch wenn ich die Tracks nach all den Stunden nicht mehr hören mag.

Die Musik spricht wohl für sich. Veröffentlicht habe ich alle Lieder auf meinem Soundcloud Profil. Diese sind unten verlinkt. Nebst der Produktion der Tracks wollte ich der ganzen Sache noch einen attraktiven Look verpassen. Die Aufnahmen aus den Ferien in Island boten sich hier gut an. Die Thumbnails zu den Tracks sind mit einer Drone aufgenommen. Den Schriftzug habe ich selbst entworfen. Nach dem Durchforsten des Bildmaterials und dem Grading fügte ich den Schriftzug meines Artistnamens und den Artworks in Illustrator zusammen.

Zusätzlich zu den Thumbnails für Soundcloud kreierte ich kurze animierte Instagramreels mit Bewegtbildaufnahmen für die zwei EP’s in Aftereffects. Diese habe ich in der ersten Januarwoche in 5 aufeinanderfolgenden Tagen auf meinem Artist Profil und meinem privaten Instagram Profil veröffentlicht. Die Videos enthalten jeweils einen kleinen Ausschnitt aus den produzierten Musikstücken und dienen als Vorgeschmack und Werbung für die fertigen Stücke auf Soundcloud.

Parallel konnte ich die Finger nicht von der Unreal Engine 5 lassen. Zu einem solchen Projekt braucht es auch noch einen Teaser, der den lange ersehnten Content ankündigt. Über diesen berichte ich in einem anderen Beitrag ausführlicher. Dieser kurze Teaser diente als 6tes Reel, um die Veröffentlichung von neuen Inhalten überhaupt erst anzukünden.

Die Reels findest du auf meinem Instaprofil unter diesem Link: https://www.instagram.com/leon_1_2/
Ich empfehle Kopfhörer und nicht vergessen, den Ton bei den Beiträgen einzuschalten 😉

Viel Spass beim Reinhören 🙂

(bas)

Allgemeine Kritik am Projekt:

Die ganze Produktion der Musik war eine riesige Arbeit. Diese Arbeit braucht sowohl Kreativität, Disziplin und Know-How. Bei all den verschiedenen Schritten die Übersicht nicht zu verlieren sowie den Spass und die Leichtigkeit beizubehalten, welche es braucht, um etwas Persönliches zum Ausdruck zu bringen, ist und bleibt sehr schwer. Ich hatte mit Selbstzweifeln zu kämpfen, habe mich immer wieder zwischen verschiedenen Musikstücken hin und her entschieden und wurde auch beim Mixing und Mastering teils damit konfrontiert, dass ich Fehler in der Produktion gemacht habe oder mir schlichtweg die Erfahrung fehlt, um ein Musikstück so professionell tönen zu lassen, wie ich es mir von anderen Künstlern gewohnt bin. Alles in Allem ist es aber immer wieder eine sehr spannende und lehrreiche Erfahrung, Musik zu produzieren und in die Tiefen dieser Welt einzutauchen.

Produktion der Musik:

Ich bin mit dem Resultat grundsätzlich sehr zufrieden. Trotzdem gibt es noch extrem viel Luft nach oben. Im Bereich Songwriting kann ich mich stark verbessern. Die beste Tonmischung eines Stückes macht leider nicht viel aus, wenn die Grundidee nicht funktioniert. Und Trotzdem fliesst alles zusammen. Es fängt an bei der Insturmentenauswahl und den Samples. Wenn diese nicht gut zueinander passen oder nicht schon von alleine gut tönen, erschwert das den ganze Prozess, der danach kommt. Die Instumente brauchen Platz im Frequenzspektrum, trotzdem will ich ein volles und sattes Lowend und überall noch ein bisschen mehr Effekte einarbeiten. Das erfordert immer Kompromisse. Die Grundidee der Lieder mit all diesen Möglichkeiten nicht aus den Augen zu verlieren braucht extrem viel Erfahrung und Wissen. Jedes gute Musikstück hat eine klare Hirarchie der Instumente und Klänge. Bei den meisten Pop-Songs ist klar die Stimme das tragende Element. Bei elektronischer Musik kann das eher noch variieren. Diese Klangquelle zu definieren und daraufhinzuarbeiten, dass dieses Element optimal zur Geltung kommt, muss ich noch besser verinnerlichen.

Mixing:

Gewisse Leute behaupten, dass man 100 Lieder schreiben muss, um ein gutes zu schreiben. Beim Mixing empfinde ich ein ähnliches Gefühl. Tonmischung eines Stücks ist eine Wissenschaft für sich und erfordert ein geschultes Gehör, Disziplin, technisches Know-How und Geduld. So viele Elemente fallen zusammen und die Möglichkeiten zur Nachbearbeitung sind unendlich. Was mir einige Male passiert ist, ist, dass ich die einzelnen Klänge zu stark nachbearbeitet habe. Irgendwann verlieren die Instumente ihren natürlichen Klang. Gleichzeitig kämpfen aber einige Instumente um einen Platz im gleichen Frequenzspektrum. So baut sich ein tonales Ungleichgewicht auf, welches es als Mixingengineer zu beseitigen gilt.
Das Stereobild eines Musikstücks optimal hinzukriegen ist ebenfalls sehr schwer. Es ist Geschmackssache und trotzdem gibt es gewisse Regeln. Grundsätzlich ist Bass unter 100 Hz immer in Mono, da es so nicht zu Phasenauslöschunge zwischen den beiden Stereokanälen kommt und die allermeisten Subwoofer-Systeme sind ohnehin mit einem Monosignal gespiesen. Doch welche Elemente platziere ich jetzt wo genau im Stereobild und wie viele Effekte mische ich bei, dass nicht alle Transienten in einer Hallfahne versinken. Um diese Probleme zu lösen, brauche ich bestimmt noch viel Zeit und Übung im Mixing.

Mastering:

Ich tendiere dazu, Mixing und Mastering im gleichen Projekt zu machen. So habe ich während dem Mastering immer die Möglichkeit, noch etwas im Mix anzupassen. Diese Möglichkeit ist zwar sehr hilfreich in gewissen Momenten, aber manchmal ist es auch wichtig, Mixing und Mastering getrennt voneinander in einem separaten Projekt zu machen. So macht man auch ein Commitment gegenüber seiner Arbeit und schliesst damit ab. Ich habe etliche Stunden immer wieder an Masterplugins rumgeschraubt, nur um dann wieder die Lautstärke der Instrumente im Mix anzupassen und dann reagiert der Masteringkompressor wieder anders, was zu anderer Tonalität, Lautheit und Dynamik führen kann. Die beiden Arbeitsschritte getrennt anzugehen, würde mir in dieser Hinsicht bestimmt helfen.

Contentproduction:

Es ist nicht zu unterschätzen, wie viel ein einfach animiertes Video oder ein Thumbnail an Arbeit in Anspruch nimmt. Die Thumbnails sowie die kurzen Instagram Reels sind bestimmt noch ausbaufähig, jedoch finde ich sie relativ stimmig und sie erfüllen ihren Zweck.

Learnings:

Gelernt habe ich sehr viel in diesem Projekt. Wenn es um die Musikproduktion geht, habe ich gelernt, dass weniger oft mehr ist. Die Vereinfachung von Ideen, bis sie greifbar und aufs notwendigste reduziert sind, ist eine grosse Kunst. Nebst dem muss man sich Zeit nehmen, kreativ zu sein. Erzwungen funktioniert dabei nicht viel. Beim Mixing und Mastering brauche ich immens viel mehr Übung, um auf ein wirklich professionelles Niveau zu kommen. Die Musik ist ein guter Anfang, aber um wirklich professionell zu tönen, muss alles von Anfang bis Ende stimmen.

Fazit:

Für die verschiedene Produktionsschritte habe ich sehr viele wertvolle Erfahrungen gesammelt und so einen Gesamtüberblick über die ganze Produktionskette gewonnen, welcher essenziell ist, um gute Produktionen machen zu können. Es braucht ein Auge fürs Detail, viel Musikalität, viel Disziplin und ein sehr geschultes Gehör. Diese Fähigkeiten muss ich weiter erlernen, um meine Musikproduktionen auf ein neues Level zu bringen.